Bezirks- und Gemeindesuche
"Es hätte auch schiefgehen können"
Mehr als sechs Stunden musste ein Schwammerlsucher schwer verletzt im Wald auf Hilfe warten. Seine Familie fand ihn nur durch Zufall - auf einem Weg, wohin er noch gekrochen war.

Foto © KKSebastian Birnbacher (80) erholt sich im UKH Kalwang von den erlittenen Strapazen
Mit eingegipstem Bein liegt der 80-jährige Sebastian Birnbacher aus St. Michael im Kalwanger Unfallkrankenhaus - und erholt sich von den erlittenen Strapazen. "Vielleicht darf er am Wochenende schon heim", freut sich seine Ehefrau Aurelia. Denn um ein Haar wäre ihr Mann, ein leidenschaftlicher Schwammerlsucher ("Er ist immer im Wald unterwegs"), am Mittwoch nicht mehr zur Familie nach Hause gekommen.
Es waren dramatische Stunden, die der 80-Jährige, schwer verletzt und hilflos im Wald, und seine Familie, besorgt zu Hause, durchmachen mussten. Bereits auf dem Rückweg zu seinem Auto, das er in Hinterlainsach abgestellt hatte, war der Pensionist in unwegsamem Gelände über einen Baum gestolpert. Und dabei so unglücklich gestürzt, dass er sich einen Bruch des Schienbeinkopfes zuzog.
Kein Mobiltelefon
"Aufstehen konnte der Mann nicht mehr", berichtet eine Polizeibeamtin. Mobiltelefon hatte er keines bei sich. "Das nimmt er selten in den Wald mit", erzählt Ehefrau Aurelia. "Er sagt immer, wenn ich auf der Höh' bin, geht es eh nicht." An der Unglücksstelle in rund 1000 Meter Seehöhe hätte das Handy auch wirklich kein Netz gehabt.
"Ich bin hingefallen und dann den Hang hinuntergerutscht bis zu einem Weg", erzählt der 80-Jährige. Der Versuch, noch zu seinem Auto zu kriechen, scheiterte an den großen Schmerzen. So musste Sebastian Birnbacher mehr als sechs Stunden lang auf Hilfe warten. Denn: Der 80-Jährige hatte vor seiner Abfahrt am Mittwochmorgen zu seiner Frau gesagt, dass er nach Lainsach will, um Schwammerln zu suchen. Weil er dort keine fand, war er aber in eine abgelegene Gegend nach Hinterlainsach weitergefahren - doch die Angehörigen wussten natürlich nichts davon.
Sein Schwiegersohn und die Tochter fanden ihn dann eher durch Zufall. Sie fuhren voll Sorge die Gegend ab und entdeckten zuerst an der Straße den geparkten Wagen des Vaters, gegen 20 Uhr dann den Verletzten. "Ich hab' mir daheim große Sorgen gemacht. Mitsuchen habe ich ja nicht können - ich bin selbst an den Füßen operiert", erzählt die Frau des Verletzten, der von der Feuerwehr geborgen wurde.
"Man lernt daraus, dass man so etwas nicht tun darf", bereut Birnbacher, dass er, ohne Bescheid zu sagen, weitergefahren war. "Denn das hätte auch schiefgehen können."






















