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Zuletzt aktualisiert: 05.08.2012 um 05:34 UhrKommentare

Feuchtigkeit lässt die Pilze sprießen

Die Unwetter- und Hitzephasen der vergangenen Wochen bescheren der Steiermark eine außergewöhnliche Schwammerlsaison. Doch wer zu eifrig sammelt, muss zahlen.

Stolze 1,84 Kilogramm bringt der riesige Steinpilz auf die Waage, den Maxi auf der Koralm gefunden hat. Da konnte es sich die ganze Familie schmecken lassen

Foto © LR HERBERT PÖTZ Stolze 1,84 Kilogramm bringt der riesige Steinpilz auf die Waage, den Maxi auf der Koralm gefunden hat. Da konnte es sich die ganze Familie schmecken lassen

Zumindest jene Steirer, die sich in den Wäldern gerne auf Schwammerlsuche begeben, können den eigenwilligen Wetterverhältnissen der vergangenen Wochen etwas Positives abgewinnen. Durch den raschen Wechsel zwischen Hitze und Niederschlägen herrschen für die Pilze ideale Bedingungen; sie sprießen heuer wie lange nicht mehr.

Die beliebtesten Speisepilze

Steinpilz. Bei den meisten Schwammerlfreunden ist er das Ziel allen Suchens. Der Steinpilz aus der Gattung der Dickröhrlinge gilt als der Klassiker unter den Speisepilzen und ist je nach Subspezies neben Fichten (Herrenpilz), Kiefern, Eichen und anderen Bäumen zu finden. Er schmeckt hervorragend mit Eiern und Knoblauch oder in einer Pilzsuppe.

Eierschwammerl. Die kleinen gelben Gewächse zählen zu den häufigsten Speisepilzen der Welt. Vermutlich deshalb gelten sie in Schwammerlsucherkreisen nicht gerade als spektakulärste aller Trophäen. Eierschwammerl, auch Pfifferlinge oder Reherl genannt, lassen sich vielseitig zubereiten, ob als Gulasch, mit Nudeln oder mit Eiern.

Parasol. Wie ein kleiner Sonnenschirm ragt er aus dem Boden. Parasole werden bis zu 40 Zentimeter hoch - und ähneln den (giftigen) Knollenblätterpilzen in Wahrheit gar nicht so sehr, wie oft behauptet. Ihr Merkmal ist der verschiebbare Ring am Stiel. Der nussige Geschmack macht die Parasole zu beliebten Bratpilzen.

Täubling. Seine breite Kappe strahlt in Blau, Grün, Rot oder anderen Farben. Insgesamt 160 Täublingsarten gibt es in den europäischen Wäldern. In der Pfanne gebraten schmecken die Pilze so gut, dass manche Sammler ausschließlich ihnen nachstellen.

Dabei hatte es noch im Frühjahr nach einer ganz schwachen Schwammerlsaison ausgesehen, sagt Alfred Aron, Pilzkundler beim Universalmuseum Joanneum. Über Monate hatte es nicht geregnet, und Trockenheit ist für die Pilze der größte Feind. "Es ist erstaunlich, dass es jetzt dennoch ein so gutes Jahr geworden ist", sagt Aron.

Ob Steinpilz, Täubling oder Parasol - zurzeit wachsen sie in rauen Mengen. Übereifrige Sammler sollten aber aufpassen: Laut Gesetz darf jeder Schwammerlsucher pro Tag nicht mehr als zwei Kilogramm Beute mit nach Hause nehmen. Hält man sich nicht daran, können die Strafen ebenso saftig ausfallen wie die Pilze. "In Extremfällen können die Verwaltungsstrafen bis zu 3700 Euro betragen", sagt Heinz Pretterhofer, Landesleiter der Berg- und Naturwacht.

Alles wächst gleichzeitig

Ein Terminplan für das Sammeln bestimmter Schwammerlsorten ist übrigens in den meisten Fällen überflüssig. Die gängigen Pilzarten wachsen die ganze Saison über. "Vor 20 Jahren war das noch anders, da gab es zeitliche Abläufe. Aber das hat sich in den vergangenen Jahren zusammengeschoben", sagt Aron. Eine mögliche Erklärung dafür ist der Klimawandel.

Wovon Experten abraten, ist das Pflücken entlang von stark befahrenen Straßen oder an Äckern. Schwammerl nehmen Schwermetalle aus Abgasen oder Düngemitteln sehr stark auf. "Da kann man sich eine Pilzvergiftung holen, ohne dass der Pilz für sich genommen giftig gewesen wäre", sagt Aron.

GÜNTER PILCH

Wissenswertes

In den steirischen Wäldern wachsen nach Schätzungen 5000 bis 6000 verschiedene Arten von Pilzen. Nur 70 bis 80 davon gelten als gute Speisepilze; etwa die gleiche Menge ist giftig. Der überwiegende Rest ist als ungenießbar eingestuft.

Grundsätzlich ist das Schwammerlsuchen in steirischen Wäldern zwischen 8 und 17 Uhr erlaubt. Der Waldbesitzer kann es jedoch gänzlich untersagen und mit einem Schild auf das Verbot aufmerksam machen. In mehreren steirischen Wäldern wird das auch so gehandhabt.

Diskussionen gab es 2008 um eine Sonderlösung im Koralmgebiet. Dort hoben die Waldbesitzer Gebühren fürs Sammeln ein. Heute ist das Thema vom Tisch.

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