Bezirks- und Gemeindesuche
Wem vorgelesen wird, der gewinnt
Vorlesen macht Kindern Lust auf Lesen. In der Steiermark soll nun Eltern in Unternehmen Lust aufs Vorlesen gemacht werden. Denn am sinnerfassenden Lesen, hapert es immer öfter: Ein Viertel aller Steirer kann nur schlecht lesen.

Foto © APA | SujetNur ein Viertel aller Eltern greift regelmäßig zum Bilderbuch, um gemeinsam mit den Kleinen die fantastische Welt der Bücher zu erobern
Informationen oder Erläuterungen in schriftlicher Form folgen können, Anweisungen oder Arbeitsverträge verstehen: Arbeitnehmer von heute müssen des Lesens mächtig sein. Doch daran, oder genauer gesagt am sinnerfassenden Lesen, hapert es immer öfter: Ein Viertel aller Steirer kann nur schlecht lesen, an die 100.000 Menschen können hierzulande nicht ausreichend lesen, schreiben und rechnen. Mit der Aktion "Steiermark liest vor" wollen Land und Impuls Steiermark nun bei Kleinkindern einen Gegentrend einleiten. Sie wendet sich an alle steirischen Unternehmen, die ihren Mitarbeitern Geschichten kostenlos zur Verfügung stellen wollen - Anmeldung unter www.steiermarkliestvor.at genügt (Details siehe Info-Kasten).
Welt der Bücher
"Wir wissen, dass es ganz wichtig ist, die Kinder so früh wie möglich an die Welt der Bücher heranzuführen", erklärt die zuständige Landesrätin Elisabeth Grossmann. Lesen ist ein wichtiges Mittel zur Sprach- und Persönlichkeitsentwicklung, außerdem können damit der Wortschatz erweitert, die Grammatik geschult sowie Konzentrations- und Zuhörfähigkeit von Kindern geschult werden.
Vorlesen und Singen
Vorlesen, Geschichten erzählen und gemeinsam singen wirken sich positiv auf das spätere Lesevermögen von Kindern aus - und zwar quer durch alle Schichten. Zu diesem eindeutigen Ergebnis ist kürzlich eine OECD-Studie gekommen. Dafür wurden Bildungshintergrund, Beruf und Einkommen der Eltern erhoben, welche Rolle Bücher in den einzelnen Haushalten spielen ebenso. Außerdem wurde abgefragt, wie weit Eltern das Leseverhalten des Kindes in den ersten Schuljahren aktiv mitgeprägen. "Die Studie belegt, dass Eltern einen entscheidenden Beitrag zum schulischen Erfolg ihrer Kinder leisten können", ist Bildungsexperte Andreas Schleicher überzeugt. Es sei wichtig, mit den Kindern über Schule zu sprechen, ihnen den hohen Wert von Bildung zu vermitteln und auf Schwierigkeiten einzugehen. "Eltern brauchen keinen Doktortitel und müssen auch nicht Stunden mit der Betreuung von Hausausgaben verbringen."
Lesen ist laut der jüngsten Pisa-Studie jene Schlüsselkompetenz, die am wenigsten gut beherrscht wird. Beim Schreiben und Rechnen schneiden die österreichischen Schüler deutlich besser ab.
Doch schon beim Vorlesen sprechen die Zahlen eine klare Sprache: Nur ein Viertel aller Eltern greift regelmäßig zum Bilderbuch, um gemeinsam mit den Kleinen die fantastische Welt der Bücher zu erobern. "Mit unserer Online-Geschichtenbox wollen wir vor allem Männer ansprechen", meint Grossmann. Zum einen würden Väter generell kaum vorlesen. Zum anderen wären sie ein wichtiges Vorbild für Buben, die im Gegensatz zu Mädchen als richtige Lesemuffel gelten. Über 3500 Geschichten von 110 Autoren aus dem gesamten deutschsprachigen Raum für Kinder ab drei Jahren sind mittlerweile online abrufbar - Klassiker wie die Märchen der Gebrüder Grimm und Hans Christian Anderson inklusive. Sie sind sortiert nach Alter, Interessensgebiet und Vorlesedauer. Die Geschichte "flattert" per E-Mail ins Haus. Die Eltern können dann selbst darüber entscheiden, ob sie den Text lieber ausdrucken oder über I-Pad oder Smart-Phone vorlesen.
Nähe zum Kind
Doch auch zwischenmenschlich könne Lesen gar nicht überschätzt werden, meint Folke Tegetthoff, Autor, Erzähler und Entwickler der Online-Plattform: Beim Vorlesen setzten sich die Kleinen oft auf den Schoß der Eltern, die emotionale Nähe wird somit durch körperliche gestärkt. "Wenn kleine Kinder vor dem Bildschirm sitzen, sind sie hingegen meist alleine."
Unterstützt wird das Projekt mittlerweile auch von einigen steirischen Betrieben. "Die Fähigkeit zu lesen, auf gedankliche Entdeckungsreise zu gehen, ist ganz wesentlich für unsere Bildung, aber insbesondere für die Entwicklung von kreativen Persönlichkeiten", betont Wolfgang Pribyl, Geschäftsführer von Joanneum Research, eines der ersten Unternehmen, das sich zur Teilnahme entschloss. Barbara Bellowitsch von Impuls Styria präzisiert: "Damit wir wettbewerbsfähig bleiben, wird Humankapital immer wichtiger." Sinnerfassend lesen zu können sei der Grundstock für Bildung. "Mit ,Steiermark liest vor' haben steirische Unternehmen nun die Möglichkeit diesen Grundstock zu legen."
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Fakten
Unternehmen registrieren sich auf www.steiermarkliestvor.at. Ein Zuständiger erhält dann ein E-Mail mit dem nötigen Code, der an Mitarbeiter weitergeleitet wird. Anmeldefrist: 15. Oktober.



















