Bezirks- und Gemeindesuche
Kampf um Zentimeter an der Grazer Mur
Mit Blaulicht pendelte die Feuerwehr zwischen dem Norden und Süden von Graz. Schaulustige ignorierten die Sperre von Hauptbrücke und Edeggersteg. Am Nachmittag gab es bereits an die hundert Strafanzeigen.

Foto © Arina KösslerDie Sperre wird erst bei einem Murpegel unter 5,80 Meter aufgehoben
Mit Tausenden Sandsäcken, mit Pumpen und sogar dem Einsatz von Baggern hatten sich Gemeinden im Norden und Süden von Graz vor dem Hochwasser in der Nacht auf auf Sonntag zu schützen versucht. Vor einem Großereignis, das statistisch gesehen nur einmal in 30 Jahren auftritt - und zum Glück auch diesmal ausblieb. "Doch die Mur hat einen Spitzenwert von 6,40 Metern erreicht", schildert Karl Graßberger (Berufsfeuerwehr Graz). Er leitete den Einsatz gegen das Hochwasser mehr als 72 Stunden lang. Noch am Sonntagnachmittag stand der Pegel bei 6,32 Metern.
Was viele schaulustige Grazer jedoch nicht davon abhielt, die Sperre von Hauptbrücke und Edeggersteg zu ignorieren. "Wir haben Väter und Mütter beobachtet, die ihre kleinen Kinder über die Sperre auf den Edeggersteg hoben - um ein Foto zu machen", so der Feuerwehrkommandant fassungslos. Sofort wurden die Polizeikontrollen verstärkt, am Nachmittag gab es bereits an die hundert Strafanzeigen. "Wir strafen gnadenlos", betont Helmut Nestler (Katastrophenschutz).
Für die Feuerwehren hieß es, zwischen dem Norden und Süden von Graz zu pendeln. "Wenn man in Weinzöttl zu viel staut, geht die Mur dort über und in Eggenfeld werden Häuser und ein Reitstall überflutet", erläutert Graßberger das "Spiel" um Zentimeter. Die Mur wurde daher abgesenkt, doch auch nicht zu viel. "Sonst gibt es ein Hochwasserproblem in der Kalsdorfer Gegend." Mit Baggern hat man dort vorsorglich den Damm verstärkt.
Baumstämme, die gegen den Rumpf gekracht waren. Eine Schieflage, die Sperre. Das hat die Grazer um die Murinsel bangen lassen. Aber: "Alles in Ordnung, die Murinsel ist so konzipiert, dass wir uns auch bei einem Wasserstand von 7,20 Meter nicht den Kopf zerbrechen müssten", beruhigt Helmut Nestler. Katastrophenschutz und Feuerwehr haben Sonntagnachmittag neuerlich die Lage geprüft.
Wasserstand: Rund 6,30 Meter. Im Inselrumpf ist Wasser eingetreten. Aber "das lässt sich leicht abpumpen. Das Cafe ist trocken“, so Nestler. Eine Außenscheibe sei zerbrochen, das wird teuer (6000 Euro), ist für das schwimmende Kunstwerk von Vito Acconci für "Graz 2003“ jedoch nicht bedrohlich.
Die Sperre von Insel und Edegger-Steg bleibt aufrecht. Aufgehoben wird sie erst bei einem Murpegel unter 5,80 Meter.






















