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Zuletzt aktualisiert: 22.07.2012 um 22:18 UhrKommentare

"Und wir kämpfen weiter"

Hunderte Demonstranten forderten am Sonntag in Voitsberg und Wagna den Erhalt der Spitäler. Unterstützt wurden sie von regionalen Politikern. Ein Lokalaugenschein.

Foto © Heike Krusch

Erst die Kantine und dann noch die Kinder. Das lassen wir uns nicht gefallen!" Die Botschaft der rund 500 Demonstranten vor dem LKH Voitsberg war unmissverständlich. "Sagt Ja zum LKH", so der Schriftzug auf den Bannern. Es ist der Titel der Bezirksinitiative, mit der seit Anfang Juli Unterschriften gegen die Schließung der Voitsberger Gebärstation gesammelt werden. 2500 sind es bisher, quer durch alle weststeirischen Gemeinden. "Und wir kämpfen weiter", verspricht Bürgermeister Ernst Meixner.

Aber nicht nur Politiker aller Parteien sind zur Kundgebung erschienen. Es sind auch Mütter, Väter, Großmütter, Großväter und Kinder. Vier ihrer fünf Kinder hat zum Beispiel Christine Stelzl hier zur Welt gebracht. Zur Demo ist sie mit ihrem jüngsten, Tim, erschienen. "Mich betrifft es nicht mehr", meint Stelzl. "Aber ich möchte meine Solidarität ausdrücken." In höchsten Tönen lobt sie das Ambiente der Klinik, die fachliche Kompetenz, und betont die Bedeutung für die Region. "Bei meinem dritten Kind habe ich es gerade noch rechtzeitig in die Klinik geschafft. Hätte ich bis nach Graz oder gar Deutschlandsberg fahren müssen, mein Kind wäre im Krankenwagen auf die Welt gekommen", so die Voitsbergerin.

ÖVP-Maulkorb?

Argumente für die Aufrechterhaltung fallen vonseiten der Redner viele. Und auch kritische Töne. "Wir stehen klar hinter der Gebärstation und können die Entscheidung von Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder (ÖVP) nicht verstehen", meint Voitsberg Vizebürgermeister Walter Gaich, der sich als einer der wenigen ÖVP-Mitglieder öffentlich zu Wort meldet. Hinter den Kulissen wird gemunkelt, dass die ÖVP-Spitze Zurückhaltung fordere. Auch von der Kages würde Stillschweigen gefordert. Primar Wolfgang Schellnegger wettert dennoch: "Zusperren ist keine Reform!"

Dass die Hoffnung zuletzt oft dennoch sterben kann, hat man in Wagna gesehen, wo gestern ebenfalls zum Aktionstag geladen wurde. Anfang Juli wurde hier die Gebärklinik geschlossen. Aufgeben gibt es für Bürgermeister Peter Sunko (SPÖ) aber nicht. Mit der Bezirksinitiative (siehe rechts) will er für die regionale Gesundheitsversorgung kämpfen. "Jetzt war es die Gebärstation, die Chirurgie könnte folgen. Irgendwann ist das Krankenhaus nichts mehr wert", fürchtet er.

700 Unterschriften konnten gestern gesammelt werden. Interessierte aus anderen Bezirken musste man heimschicken. "Aber die Politik wird sich nicht ewig gegen die Bürger stellen können." Sunko schließt deshalb nicht aus, dass auch andere Bezirke folgen und es möglicherweise zu einem steiermarkweiten Volksbegehren kommen könnte.

HEIKE KRUSCH

Fakten

Seit 1986 ist ein Bezirksvolksbegehren möglich. Voitsberg und Leibnitz wollen es durchsetzen.

Dazu sind 1000 beglaubigte Unterschriften notwendig (in beiden Bezirken bereits vorhanden). Damit das Anliegen auch im Landtag behandelt wird, braucht es in weiterer Folge 10.000 Unterschriften.

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