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Zuletzt aktualisiert: 20.07.2012 um 20:18 UhrKommentare

"Das Schönste ist, wenn einer Danke sagt"

Philosophieren über die Feuerwehr und die Welt. Nach Wochen im Dauereinsatz haben wir fünf Murtaler Feuerwehrleute dazu eingeladen.

Wartet schon am Samstag der nächste Einsatz? Wilfried, Christina, Thomas, Werner und Günther - hier auf einer vom Lauslingbach zerstörten Straße in Obdach - sind bereit. So wie Tausende ihrer Kameraden in der Steiermark

Foto © FRÖHLICHWartet schon am Samstag der nächste Einsatz? Wilfried, Christina, Thomas, Werner und Günther - hier auf einer vom Lauslingbach zerstörten Straße in Obdach - sind bereit. So wie Tausende ihrer Kameraden in der Steiermark

Friedlich ist er, der Lauslingbach. Ein fröhliches Plätschern, dazu weht an diesem Mittwochabend bei 21 Grad ein laues Lüfterl. Wir marschieren den Bach, besser das Bächlein, entlang. Und mögen fast nicht glauben, was er angerichtet hat, wären da nicht entlang des Ufers diese untrüglichen Zeichen: Geröll, Baumstämme, Wurzeln, Reste einer Straße, ein zerstörtes Auto, das der Bach seinem Besitzer entrissen hat an diesem 3. Juli, als extremer Regen den sonst netten Lauslingbach in Obdach zum wütenden Ungeheuer werden ließ. Inmitten des Geröllhaufens eine verschmutzte blaue Mappe, von der wie zum Hohn das Werbepickerl einer Versicherung leuchtet: "... denn der Teufel schläft nie."

In der Tat: Der Teufel hat nicht geschlafen in jüngster Zeit, er scheint es auch dieses Wochenende nicht zu tun - schwere Regenfälle sind angesagt. Wie so oft sind sie wieder auf alles vorbereitet: Christina Adlpoller, Werner Scheucher, Günther Stelzer, Wilfried Stocker und Thomas Zeiler. Alles Feuerwehrleute aus dem Bezirk Murtal, wo die Unwetter heuer arg gewütet haben - in Obdach am schlimmsten, im Raum Knittelfeld ebenso wie in Fohnsdorf, Hohentauern, und, und, und. Hier, am Lauslingbach, haben wir uns versammelt, um zu philosophieren. Über die Feuerwehr und die Welt. Darüber, dass es die eine Sache ist, mit Blaulicht zum Unfall, zur Unwetterkatastrophe, zum Feuer zu eilen. Und die andere, dass da immer eine zitternde Familie zurückbleibt. "Natürlich haben sie daheim Angst, zum Beispiel war ich beim Unwetter zwei Tage in einem Graben im Einsatz, konnte mich 14 Stunden nicht melden, weil keine Verbindung da war", schildert Günther Stelzer von der Feuerwehr Obdach.

"Sonst geht's nicht"

Bei Christina Adlpoller ist das anders. Hier waren der Uropa und der Opa bei der Feuerwehr St. Marein bei Knittelfeld, der Papa ist dabei, der Bruder auch: "Da weiß jeder, worum es geht. Wir passen aufeinander auf."

Rückhalt aus der Familie haben sie alle. "Sonst geht's nicht", ist sich die Runde einig. "Wenn die Sirene losgeht, ruft meine sechsjährige Tochter Ina-Theres: Papa, laufen, laufen, laufen!" Die Augen von Wilfried Stocker von der Feuerwehr St. Lorenzen strahlen beim Gedanken an solche Szenen. Freilich, und auch da ist man sich einig: Wenn die Nachbesprechung nach den Einsätzen etwas länger dauert und die Feuerwehr mit Festen oder Sitzungen allzu viel Zeit verschlingt, stößt das größte familiäre Verständnis irgendwann an Grenzen.

Brutal

Wer bei der Feuerwehr ist, schaut oft in verzweifelte Gesichter. Da stets cool bleiben - geht das? "Wenn du als Kommandant flippst, ist der Einsatz im Eimer", stellt Werner Scheucher von der Feuerwehr Fohnsdorf fest. Brutal sei es, zu Unfällen zu kommen, wo man die Nummerntafel, das Auto kennt: "Da steigt der Blutdruck." Leichenbergungen, ein Albtraum: "Bei uns sind drei Menschen bei einem Autounfall verbrannt, da gehst du emotional über den Haufen." Die Stimme von Günther Stelzer fängt Jahre danach noch zu beben an.

Thomas Zeiler, Feuerwehrmann in Apfelberg, hebt die schönen Erlebnisse hervor: "Ein Mann ist in Zeltweg in die Mur gesprungen, wir haben ihn lebend gerettet - ein Traumgefühl." Es muss nicht immer so spektakulär zugehen, um bei Feuerwehrleuten Traumgefühle auszulösen. Werner Scheucher: "Das Schönste ist, wenn einer Danke sagt." Das ist für alle - neben Kameradschaft, Freundschaft, Zusammenhalt - die größte Motivation, vielleicht schon heute wieder dort zu helfen, wo der Teufel seine Spuren hinterlassen hat.

JOSEF FRÖHLICH

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