Bezirks- und Gemeindesuche
Neue Rückhaltebecken für die Steiermark
Für die kommenden Tage wird wieder mit starken Regenfällen gerechnet. Kleine.tv traf Gerhard Baumann, Leiter der steirischen Wildbach- und Lawinenverbauung, und sprach mit ihm über das aktuelle Hochwasser und die Rückhaltebecken.
Quelle © reuckhaltebecken_digi120720.jpg | Foto: KLZ Digital Experte: Neue Hochwasserrückhaltebecken
Extrem – mit diesem Begriff lässt sich das heurige Wetter wohl am besten zusammenfassen: War es Anfang des Jahres deutlich zu trocken, ist es seit April zu feucht. Vor allem seit Sonnwend, also seit 20./21. Juni, kommt der Regen in rauen Mengen vom Himmel: Getroffen hat es mittlerweile fast die gesamte Steiermark: Waren es Ende Juni das Palten- und Mürztal, blieben die Gewitterwolken Anfang Juli rund um Obdach und in der Weststeiermark hängen. Am 7. Juli meldeten Liezen, Donnersbach und Lassing neuerlich Unwetter. Mitte Juli war das Aichfeld das "Epizentrum“ der Unwetter (Details siehe Grafik rechts). Über 300 Liter pro Quadratmeter hat es in den vergangenen vier Wochen in der nördlichen Obersteiermark geregnet – so viel wie fast nirgends sonst wo in Österreich. Südlich davon bis ins Grazer Becken hinein waren es immerhin noch beachtliche 200 bis 300 Liter. Zum Vergleich: Im nördlichen Niederösterreich gab es zur selben Zeit Regionen mit unter 50 Liter Niederschlag pro Quadratmeter.
Damit hat es im ersten Halbjahr in Graz und Aigen 100 Liter pro Quadratmeter mehr als üblich geregnet, in Zeltweg immerhin noch 70 Liter "zu viel". Überflutungen und Vermurungen haben enorme Schäden hinterlassen. Mit 15 Millionen Euro beziffert die Landwirtschaftskammer den Schaden, den Hagel seit Juni in der Steiermark angerichtet hat. Besonders schlimm getroffen hat es die Kulturen Mais, Kürbis, Getreide, Erdäpfel, Erdbeeren, Raps, Wein, Ribisel und Obst.
Vier Zentimeter große Hagelschloßen
Doch damit nicht genug: In den kommenden Tagen dürfte es wieder stark regnen. Erste Vorboten gab es am Donnerstagabend im Bereich Kindberg-Krieglach: schwere Regenfälle mit vier Zentimeter großen Hagelschloßen. "Es ist ein Italien-Tief, das über der Mur-Mürz-Furche liegen bleibt“, erklärt Hannes Rieder von der Zentralanstalt für Meteorologie. Im Gepäck hat die Kaltfront sowohl Dauerregen samt einiger Gewitterzellen als auch einen ordentlichen Temperatursturz: Während am Donnerstag vielerorts noch die 30-Grad-Marke erreicht wurde, fällt das Thermometer am Freitag im Ennstal auf 18 Grad. "Am Samstag macht sich das Schlechtwetter dann auch über Graz breit.“ Die Temperaturen dürften dann auch hier auf 15 bis 16 Grad einschwenken. Seinem Namen nicht gerecht wird auch der Sonntag: Vor allem im Ennstal und im Gesäuse ist noch mit ausgiebigem Regen zu rechnen.
Feuerwehren sind vorbereitet
Die insgesamt 779 steirischen Feuerwehren sind jedenfalls vorbereitet: "Die Gerätschaft ist gewartet und wir beobachten ständig die Lage“, erklärt Sprecher Thomas Maier. Im Katastrophenfall können jederzeit Wehren aus anderen Gemeinden oder sogar Bezirken zu Hilfe gerufen werden. 8500(!) Unwettereinsätze – angefangen vom Kellerauspumpen bis zum Wassertransport – waren es seit 20. Juni. Doch auch der Einzelne ist gefragt: "Wenn ein Sturm aufzieht, sollen keine losen Dinge draußen liegen, Sonnenschirme gehören abgespannt und Autos – falls möglich – in eine Garage.“ Viele Gemeinden stellen Sandsäcke zur Verfügung. Funktionierende Taschenlampen, ein kleiner Lebensmittel- und Trinkvorrat ist ebenfalls empfehlenswert. Mit Pumpen oder Saugern aus dem Baumarkt könnte man selbst den Keller wieder trocken legen. Und Maier warnt: "Wertvolles wie Fotos bitte nicht im Keller aufbewahren. Wenn sie nass werden, sind sie unwiderruflich verloren.“
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