Bezirks- und Gemeindesuche
Klein-Kyoto in Krakauhintermühlen
Noch zehn Tage lang besetzt die regionale12 das Murtal mit künstlerischen Arbeiten zum Wetter, zur Region, zum Zusammenleben. Bitte hinschauen!

Foto © REGIONALE12 | Nikola Milatovic
Wie das Wetter wird? Ausgezeichnet, keine Frage. Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking versprühten Flugzeuge Chemikalien, um drohende Regenwolken abregnen zu lassen. Auch zum 60. Jahrestag der Volksrepublik überließ das chinesische "Wetteränderungsamt" das Paradenprachtwetter nicht dem Zufall. Nur zwei, wenn auch besonders drastische, Beispiele für menschliche Eingriffe in das Wetter. Im Zweiten Weltkrieg hieß es: "Wer das Wetter kontrolliert, kontrolliert die Welt." Science-Fiction ist das lange nicht mehr - jeder Blitzableiter ist eine Gewittermanipulation, in der Oststeiermark bewahren Hagelflieger das Obst vor Schäden.
Klein-Kyoto
Mit der der Manipulation von Wetterbedingungen, aber auch Eingriffen zur Eindämmung des Klimawandels beschäftigt sich das von Klaus Schafler für die regionale12 kuratierte "Kühllabor". Ganz am Ende des Murtals, im (ab)gelegenen Krakauhintermühlen, erfährt der mobile Pavillon "White Noise", 2011 vom Architektenteam "soma" für Salzburg geschaffen, eine neue Funktion: als Labor, Ausstellungsort, futuristischer Kontrapunkt zur beinahe unberührten Natur der Krakau. Im Inneren des "Igels" (so der Spitzname) stellt Christoph Keller Wilhelm Reichs 1953-54 durchgeführte Experimente zur Beeinflussung der Atmosphäre nach (zu sehen als Dokumentation), Weather Permitting zeigen ihre "Forecast Factory" - Geo-Engineering-Modelle in Schneekugeln -, Ralo Mayer beschäftigt sich in einer Video-Installation mit einem der bekanntesten Bilder der Welt: nämlich jenem der Weltkugel, 1968 aus dem Weltraum fotografiert.
Schafler selbst zeigt einen "künstlichen Baum", ein Prototyp aus US-Forschungen, der im Vergleich zu einem natürlichen Baum ein Vielfaches an CO² aufnehmen soll - ein Baum 2.0. Und auch die Umgebung wurde in Beziehung zur Klimamanipulation gesetzt: Den "Albedo-Effekt", die Temperaturabkühlung durch helle Oberflächen, macht Schafler mittels weißer Abdeckung von Hausdächern anschaulich.
Dieses Wochenende wird die Krakau zu Klein-Kyoto: mit einem Schwerpunktwochenende samt Energie- und Klimaforum, Symposium und "KlimaHof", Aktionen wie "Climate Cooking" und Wetterspruch-Sticken. Infos: www.kuehllabor.net
Nicht der einzige gute Grund, die weite Reise bis ganz ans Ende des Murtals anzutreten: Im rustikalen Dorfmuseum Krakaudorf, haben Werner Koroschitz und Uli Vonbank-Schedler eine Ausstellung zu gesellschaftlichen und kulturellen Kontinuitäten und Brüchen in der touristisch geprägten Region geschaffen. In der Bauernkuchl singt Pipilotti Rist per Videoinstallation "I'm Not The Girl Who Misses Much", in der Tenne lassen Jeanne Faust und Jörn Zehe polnische Gast-Landarbeiter erzählen, im Obergeschoß hat Hans Schabus ein Modell des Museums platziert. Hinweis: Am Sonntag führt Uli Vonbank-Schedler um 11 Uhr durch die Ausstellung.
Kunst nistet sich ein
Ein völlig anderer Kosmos als die bäuerlich geprägte Krakau befindet sich eine Dreiviertelstunde entfernt in St. Lambrecht - das reiche Benediktinerstift mit seinem frühbarocken Kloster, dem großzügigen Klostergarten und dem historischen Vogelmuseum des Pater Blasius Hanf. Letzteres ist Ausgangspunkt für eine der beiden zentralen Ausstellungen in St. Lambrecht: "Nisten ziehen irren" vereint Interventionen der Kuratorin Gertrude Moser Wagner direkt im Museum, eine wunderschöne "Zugvogel"-Installation von Sabine Maier im Fischkalter und das "Archiv für Nistbeobachtungen", in dem das Duo Horst Maria Einblicke in St. Lambrechter Privatdomizile gibt.
Im Obergeschoss des Stiftspavillons hat sich Oliver Ressler "eingenistet": die Ausstellung "Occupy Everything" vereint seine eigene Videoarbeit, für die er den "Square Movements" in Athen, Madrid und New York nachspürte, mit Positionen von Stefano Savona ("Tahrir, Liberation Square") und der Gruppe "Not an Alternative", die sich mit dem visuellen Aspekt von Demonstrationen beschäftigt. Dass das gelbe "Occupy"-Absperrband dabei dem visuellen Erscheinungsbild der regionale zum Verwechseln ähnelt, ist ein schöner Zufall.
























