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Zuletzt aktualisiert: 11.07.2012 um 07:25 UhrKommentare

Grünen-Frontfrau Lisa Rücker gibt sich kämpferisch

Lisa Rücker im Sommergespräch mit Steiermark 1 und der Kleinen Zeitung über Parkplätze, ihr Verhältnis zur Macht und Umfragewerte. Die grüne Spitzenkandidatin sieht das Rennen um Platz zwei offen.

Rücker: Argumente gegen die Umweltzone sind "teilweise an den Haaren herbeigezogen"

Foto © Marija KanizajRücker: Argumente gegen die Umweltzone sind "teilweise an den Haaren herbeigezogen"

Das Aus von Schwarz-Grün hat Lisa Rücker am falschen Fuß erwischt. Die grüne Vizebürgermeisterin hat aber rasch wieder Tritt gefasst und gibt sich im Interview kämpferisch.

Das sagt Lisa Rücker . . .

. . . zum Eindruck, dass sie extrem polarisiert.

LISA RÜCKER: In den vergangenen Jahren wurde das Bild inszeniert von Papa Nagl, der immer das Gute verkündet, und der Mama Lisa, die für alles Schlechte zuständig ist. Damit habe ich umgehen gelernt. Ich weiß, dass es viele gibt, die die Politik, die ich mache, für notwendig halten.

. . . über grüne Regierungsfähigkeit.

RÜCKER: Die ÖVP hat ein massives Regierungsproblem. Die haben viele Koalitionen gesprengt, wenn es ihnen zu heiß geworden ist - wie mit uns. Die Grünen haben in Graz, in Oberösterreich, in Bregenz, in Salzburg und jetzt in Wien bewiesen: Wir können regieren.

. . . über das Verhältnis zur Macht.

RÜCKER: Ich bin für ein sehr unkompliziertes Verhältnis zur Macht: Wenn man etwas gestalten will, soll man die Möglichkeiten dazu nutzen. Aber: Wir Grüne haben die Macht nicht missbraucht. Es gab Besetzungen in Aufsichtsräten, weil wir einen Prozess durchbegleiten wollten, aber wir haben keine Postenversorgungsmentalität entwickelt.

. . . über Umfragen, die die Grünen bei 14 Prozent sehen.

RÜCKER: Umfragen muss man mit Vorsicht genießen. Unser Ziel heißt, stärker werden, Platz zwei ist möglich. Die Frage nach einer Regierungsbeteiligung stellt sich erst nach der Wahl. Mit Nagl in eine Koalition zu gehen, ist für mich derzeit schwer vorstellbar, ich kann ihn nicht einschätzen.

. . . zum Reizwort Umweltzone.

RÜCKER: Die Umweltzone ist eine von mehreren dringenden Maßnahmen im Kampf gegen den Feinstaub, weil im Bereich des Verkehrs bisher viel zu wenig passiert ist. Die Autofahrerklubs haben teils an den Haaren herbeigezogene Argumente: Aus keiner deutschen Stadt kennen wir einen wirtschaftlichen Einbruch durch die Umweltzone.

. . . über Alternativen zum Auto.

RÜCKER: Die meisten Wege werden in Graz ohne Auto zurückgelegt. Wir reden über einen harten Kern von 20 Prozent, der immer mit dem Auto in die Stadt fährt, wo die Fahrten zum Teil unter drei Kilometer ausmachen. Das Auto ist manchmal ein notwendiges Mittel, keine Frage; aber nicht das einzige Mittel.

. . . über gestrichene Parkplätze.

RÜCKER: Die Parkplätze werden nicht willkürlich reduziert, sondern - als Beispiel - weil sie Kinder beim Überqueren der Straße gefährden. Oder am Bahnhof: Wer kennt einen mitteleuropäischen Bahnhof mit riesiger Parkplatzfläche davor? Es gibt dort Kiss&Ride-Parkplätze zum Bringen und Abholen, aber der Spar hat eine Tiefgarage. Nur die benutzt niemand, solange oben die Parkflächen sind.

. . . über die Bürgerbefragung.

RÜCKER: Am Beispiel Annenstraße zeigt sich, wie ich Bürgerbeteiligung verstehe. Da sind wir mit der Idee der sanften Mobilität hingegangen und haben die Menschen mit eingebunden; sie entscheiden mit, wie sich das anfühlen soll. Aber wenn ich hergehe und frage: "Wollt ihr mit dem Auto fahren oder nicht?", dann ist das eine abgeschobene Verantwortung. Das VP/SP-Modell ist Demokratie light, aber keine Bürgerbeteiligung von unten.


Fakten

Ab heute auf Sendung: Die grüne Vizebürgermeisterin Lisa Rücker im Interview mit Gregor Withalm (Steiermark 1) und Bernd Hecke (Kleine Zeitung).

Fixe Sendetermine: täglich 18.30 Uhr und 20.30 Uhr auf Steiermark 1 via Kabel-TV und DVBT Kanal 29 sowie auf

4,56%

... der Stimmen erreichten die Grünen bei der Gemeinderatswahl 2008. Das war das beste Ergebnis der Grünen bisher und bedeutete den Einzug in die Stadtregierung.

6,3

... Prozentpunkte konnten die Grünen damit im Vergleich zur Wahl 2003 zulegen. Mit diesem deutlichen Plus ging sich eine solide Mehrheit für die schwarz-grüne Regierung aus.

Ziel 2013:

"Stärker werden", sagt Lisa Rücker. Und: Die grüne Spitzenkandidatin sieht das Rennen um Platz zwei offen und glaubt, SPÖ und FPÖ überflügeln zu können.

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