Bezirks- und Gemeindesuche
Wenn ein Dorf seine Zukunft verliert
127 Kinder besuchten einmal die Schule in dem kleinen Bergort Soboth. Zuletzt waren es nur noch zwölf. Nun wurde die Schule geschlossen. Das Dorf büßt viel Leben ein.
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Am vorletzten Schultag war Johann Stiegler noch zum Lachen zumute. Da hat er, Direktor und Lehrer der kleinen Volksschule in Soboth, mit seinen zwölf Schülern, deren Eltern und anderen Dorfbewohnern Abschied gefeiert. Abschied von der Schule, die viel Leben in das kleine Bergdorf nahe an der Grenze zu Kärnten gebracht hat. Donnerstag wurde gegrillt, getrunken, gelacht, gespielt. "Zwölf Stunden lang", wie Stiegler betont. Kurz und nüchtern dagegen die Zeugnisverteilung am Freitag. Lust auf große Reden hat Stiegler nicht. "Ihr wards irrsinnig brav", lobt er die Buben und Mädchen. "Ja, das war's in der Volksschule Soboth."
Der "Regionale Bildungsplan für die Steiermark", Beamte, Politiker und Bildungsexperten wollen es so. 40 Volks-, Haupt- und Polytechnische Schulen erhielten einen Auflassungsbescheid, einige Fachschulen wurden ebenso geschlossen. Lehrer Stiegler hat vom Aus seiner Bildungsstätte von einem Journalisten erfahren, der plötzlich in dem kleinen Holzhaus stand. Im vergangenen Jänner.
"Es ist unverständlich, dass man mit der Schließung nicht noch bis 2014 warten konnte", ist Stiegler enttäuscht. Jeweils neun Kinder hätten nämlich die Volksschule in den kommenden beiden Jahren besucht. Erst dann wäre die Schülerzahl auf drei gesunken. "Die Geburten sind einfach nicht da. Aber wir hätten nicht gedacht, dass es so schnell aus ist."
Weniger Gemeindeleben
Schulschluss. Vogelgezwitscher, eine leichte Brise, der Postler stellt Prospekte zu. Wer Ruhe und Idylle sucht, ist auf der Soboth mit seinen 341 Einwohnern richtig. Schulbusfahrer Sigi Gollob scherzt mit den Kindern, Bürgermeister Hubert Koller spendiert eine Runde Eis. "Man muss sich mit den Tatsachen abfinden", ist er realistisch. Aber natürlich ginge viel verloren. "Wo es keine Schule gibt, wird das Gemeindeleben weniger", sorgt sich Ewald Enzi, Urgestein auf der Soboth. Von Geburt an lebt er hier, eigenen Angaben zufolge gehört er acht von zehn Vereinen an.
Er kann sich an Zeiten erinnern, in denen mehr als 100 Kinder die Schulbank in Soboth drückten. 127 Schüler, das war der Rekord 1952. Es wurlte so richtig im Dorf. Lange ist es her. "Das Treiben wird abgehen. Dass man die Kinder hört, dass man sie sieht", befürchtet Bürgermeister Koller. Er hofft nun auf eine Privatschule als Nachfolgeprojekt, träumt sogar von einer Art kleinem "SOS Kinderdorf".
Und die nähere Zukunft? Die älteren fünf Schüler besuchen ab Herbst die Neue Mittelschule in Eibiswald, die anderen sieben und zwei weitere Taferlklassler die Volksschule in St. Oswald. Zehn Kilometer sind es auf der kurvigen Bundesstraße bis dorthin. Manche Kinder von entlegenen Höfen haben es weiter. Vanessa und Philipp aus Laaken etwa müssen künftig 22 Kilometer pendeln. "Ihr werdets früh aufstehen müssen", so Stiegler bei der Verabschiedung. Auch er wird zum Pendler, vielleicht gemeinsam mit den Kindern im Schulbus. Nach 39 (!) Jahren in Soboth ohne Krankenstand wird er bis zur Pension im März in St. Oswald unterrichten. 33 Kinder zählt die dortige Volksschule ab Herbst. "Tuts lesen, lesen, lesen, haltet zusammen", gibt er seinen Kindern mit. "Und zeigt den Oswaldern, wie gut ihr seid."
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FAKTEN
Insgesamt 32 kleine Volks-, Haupt- und Polytechnische Schulen wurden in der Steiermark mit vergangenem Freitag geschlossen. Weitere acht Auflassungsbescheide sollen bis 2014 wirksam werden.
Zudem soll es bis 2013 nur noch 33 land-, forst- und ernährungswirtschaftliche Schulen geben.























