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Zuletzt aktualisiert: 26.06.2012 um 22:23 UhrKommentare

Arena: Von flachen Flundern und Chancen

Soll die Stadt Graz das Reininghaus-Areal kaufen? Diese Frage stellte Dienstagabend die Kleine Zeitung bei einer "Arena" - und erntete einen interessanten wie launigen Schlagabtausch im Grazer Kunsthaus.

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Wenn der Kenntnisstand zu einem Thema auch eine Holschuld ist, dann kann sich halb Graz an Alexandra, Charlotte und Magdalena ein Beispiel nehmen. Denn an diesem Dienstagabend sitzen die Mädchen im Alter von drei, fünf und sieben Jahren im Kunsthaus. Und lauschen aufgeregt der "Arena" der Kleinen Zeitung zum Thema Reininghaus.

Dass sie nach rund 45 Minuten aufbrechen, mag mit einem unruhigen Schlaf zu tun haben. Oder damit, dass wohl der Papa auf diesen Termin gedrängt hat. Am Unterhaltungswert liegt es definitiv nicht: Denn Kleine-Redakteur Gerald Winter führt durch einen spannenden Abend im überfüllten Space 04.

Zitiert

Fritz Kleiner, Wirtschaftsprüfer: Im Falle eines Kaufes würde die Bank mit der Stadt Graz halt einen solventen Schuldner bekommen. Überhaupt habe ich den Eindruck, dass die Stadt und die Bank an einem neuen Bankrettungspaket basteln. Die Bürgerbefragung halte ich politisch mit Verlaub für eine Zumutung.

Gerhard Rüsch (ÖVP): Eines muss allen klar sein: Man kann mit keinem Flächenwidmungsplan einen privaten Eigentümer dazu zwingen, dass er sein Bauland auch tatsächlich bebaut. Schaffen wir als Stadt nicht Reserven, dann nimmt der Wohndruck auf Bezirke wie Geidorf zu.

Martina Schröck (SPÖ): Hier würde man einfach so 75 Millionen Euro lockermachen. Aber die drei Millionen Euro für einen Sozialpass kriegen wir seit Jahren nicht auf die Reihe.

Bernhard Astner (Asset One): Der Verkauf ist kein Notverkauf, es gibt einen Plan B. Glauben Sie mir, die Asset One fährt nicht gegen die Wand und lässt sich auch nicht erpressen.

Johannes Fiedler, Architekt: Bei vergleichbaren Stadtteilentwicklungen gibt es sehr wohl Erfolgsstorys. Dazu muss man, wie immer bei zivilisatorischen Errungenschaften, nach Norden und Westen schauen.

Dazu trägt nicht zuletzt Fritz Kleiner bei: Der renommierte Wirtschaftsprüfer seziert launig den geplanten Kauf des Reininghaus-Areals durch die Stadt Graz um 75 Millionen Euro. So meint Kleiner, dass der Verkauf durch den Eigentümer Asset One "ein Notverkauf ist. Denn die Bilanzen zeigen, dass die Asset One flach wie eine Flunder ist." Angesichts dessen hätte die Stadt wohl noch einen günstigeren Kaufpreis herausschlagen können.

Bernhard Astner, Asset-One-Geschäftsführer und Sprecher der Eigentümer, dementierte umgehend: "Wie wir wissen, sagen Bilanzen im Ernstfall nix aus." Das Unternehmen erlebe zwar derzeit eine "nicht besonders erfreuliche Situation", doch gerade in den letzten Jahren habe man "eine sehr gute Entwicklung hingelegt". Und eines möchte er betonen: "Die Stadt Graz ist für uns der logische erste Partner, wenn es um den Verkauf des Areals geht. Das heißt aber nicht, dass wir keine Alternative hätten."

VP-Finanzstadtrat Gerhard Rüsch wiederum verteidigte den geplanten Kauf: Nur auf diese Weise könne die Stadt garantieren, dass der steigende Bedarf an Wohnflächen künftig auch gedeckt wird. Und: "Der Kaufpreis von umgerechnet 145 Euro pro Quadratmeter ist für uns ein angemessener Preis."

Hamburg als Vorbild

Auf die Frage eines Zuhörers, wie viel zum Vergleich die Eigentümer seinerzeit bezahlt haben, meint Astner (Asset One): Dies lasse sich nicht genau sagen. Bei einem Gesamtpaket, das auch Grundstücke etwa in Schwechat beinhaltete, "wurde ein Durchschnittspreis von 80 Euro kalkuliert". In puncto Reininghaus habe es seither Entwicklungs- und Planungskosten gegeben.

SP-Chefin Martina Schröck erneuerte ihr Nein zu einem Ankauf durch die Stadt Graz. Stattdessen sollte man mithilfe des Geldes "allen Grazer Bezirken mehr Flair verleihen". Dennoch unterstütze die SP die Bürgerbefragung. Und wenn zumindest 45.000 Grazer abstimmen und die Mehrheit für einen Kauf ist, "dann ist das zu akzeptieren".

Stadtplaner Johannes Fiedler schließlich brachte die architektonische Komponente ein: Wie etwa das Beispiel Hamburg zeige, könnte die Planung eines Stadtteils gelingen. "Dazu aber dürfen Straßen und Häuser nicht länger als Feindbilder bei Planungen fungieren. Eine Straße klingt vielen zu sehr nach Verkehr und Häuser nach Schrebergärten."

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