Bezirks- und Gemeindesuche
Wenn Freundschaft am Zug ist
"Match 100 Boards" als Zeichen der Verbundenheit: Bei Kaiserwetter zogen 100 Steirer gegen 100 Slowenen in der Innenstadt von Marburg in die Schach-Schlacht.
1 / 71
Simon Lehmsitzer grübelt. Der innere Kampf ist ihm ins Gesicht geschrieben. Ist der Zug wirklich der richtige? Seine Stirn legt sich in Falten. Nach einigen weiteren Sekunden zieht der Volksschüler mutig mit seinem Turm ein paar Felder weiter. In die Schlacht. Und schaut, ein bisschen skeptisch, auf sein Gegenüber. Leo Vajzovic aus Slowenien scheint ihm mindestens viermal so groß wie er selbst. Und er könnte sein Opa sein. Mutig bleibt Simon, bislang nur Hobbyspieler, aber bis zum Schluss. Obwohl er in der großen Schlacht der Könige verliert.
100 Steirer traten gestern beim Schach-Länderspiel "Match 100 Boards" in der Innenstadt von Marburg, der europäischen Kulturhauptstadt 2012, gegen 100 Slowenen an. "Unsere Gastgeber zu schlagen, ist eine Herausforderung. Sie sind im Spiel unglaublich stark", meinte Schachbund-Präsident Kurt Jungwirth noch vor der offiziellen Eröffnung. Sieg oder Niederlage war am Völker verbindenden Spieltag aber ohnehin Nebensache. Das betonte auch Georg Mohr, Großmeister und Team-Chef der Slowenen, bei der Eröffnung. "Es ist schön, dass unsere Freunde aus Österreich den Weg zu uns gefunden haben", freute er sich.
Zurück an die Bretter. Immer mehr Schaulustige beobachten inzwischen das schwarz-weiße Treiben auf dem Freiheitsplatz. Selbst die Kellnerin im angrenzenden Café kommt ins Schwitzen. "Auf das waren wir nicht vorbereitet", meint sie und serviert hektisch weiter. Kabarettist Jörg-Martin Willnauer muss sich unter neugierigen Blicken endgültig geschlagen geben. "Auf Zeit zu spielen, das hat mich ganz schön irritiert. Ich habe ja noch nie bei einem offiziellen Turnier mitgemacht", gesteht er und legt Sonnencreme nach. 30 Grad im Schatten. Es ist, als würde sich nicht nur die Stadt, sondern auch der Himmel für das Match von seiner besten Seite zeigen.
Punkt des Präsidenten
Langsam lichten sich die Reihen. Jungwirth steht strahlend vom Brett auf. "Den Punkt habe ich geholt", freut er sich. Anfängliche Zweifel, er wäre im Denksport derzeit zu schlecht trainiert, sind verflogen. "Ich spiele ja eigentlich nur ein Mal pro Jahr offiziell, nämlich beim Generationen-Turnier. Durch Maribor habe ich meine Frequenz um 100 Prozent gesteigert", lacht er. Und setzt kurz darauf mit Künstler Richard Kriesche zur Analyse eines anderen Spieles an. Spitzenspieler Robert Kreisl hat seinen Gegner im Griff. Als er zum Schachmatt ansetzt, strahlt selbst der Präsident stolz.
Dennoch: Am Ende ist den Steirern der Sieg nicht vergönnt. Die slowenische Mannschaft gewinnt ganz klar mit 63 : 37 Punkten. Dafür haben die Österreicher an den Brettern der Spitzenspieler mit 7,5 : 2,5 die Nase vorn.
Von Enttäuschung war aber keine Spur zu finden. Man hat neue Freunde gefunden. Das wird erst einmal gefeiert. Gemeinsam und ohne Grenzen. Und mit dem Versprechen, dass man sich bald wiedersieht.
Features
Fotoserie
Fakten
Auf 100 Brettern wurde gestern in der Innenstadt von Marburg Schach gespielt. Das Freundschaftsturnier wurde von Schachbund-Präsident Kurt Jungwirth und dem slowenischen Großmeister Georg Mohr initiiert.
Die Spieler waren in die Kategorien Promis, Jugend, Kultur, Spitzen-, Hobby- und Vereinsspieler sowie Damen unterteilt.
Am Ende siegte die slowenische Mannschaft klar mit 63 : 37 Punkten.
Als Schachland ist die Steiermark besonders im Jugendbereich erfolgreich. 2012 gingen bei den österreichischen Jugendmeisterschaften 15 von 48 möglichen Medaillen an die Grüne Mark, die damit bundesweit die unan- gefochtene Nummer eins ist.





















