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Zuletzt aktualisiert: 09.06.2012 um 05:34 UhrKommentare

Fördern, aber nicht überfordern

Ob sich Eltern für ihre Kinder zu Ausbildungen neben der Schule entscheiden, sollte vom Interesse des Kindes abhängen. Doch wo endet Förderung, wo beginnt Überforderung? Zwei Familien erzählen aus ihrem Alltag.

Foto © Marija Kanizaj

Sollten Eltern ihre Sprösslinge bereits im Kleinkindalter zu Fremdsprachen-, Sport- und Musikunterricht anmelden, damit sie später bessere Chancen haben? Oder ist es besser, wenn sie Alltag erleben können, um zu lernen? Bernhard Seidler vom Kinderbüro Steiermark meint dazu, dass "Kinder keine Gefäße sind, die sich beliebig befüllen lassen", und richtet sich damit an Eltern, die ihren Kindern zu viel zumuten und sie überfordern.

Um 8 Uhr in der Früh beginnt für die meisten Schüler das tägliche Pensum. Doch der Schuldruck ist schon lange nicht mehr alles, womit Kinder zurechtkommen müssen - auch ihre Freizeit ist oft durchgeplant: "Also am Dienstag habe ich Hip-Hop-Training und Latusch (eine Kombination aus Leichtathletik, Turnen und Schwimmen, Anm.), am Donnerstag habe ich auch Latusch und am Freitag Klavierunterricht", erzählt die neunjährige Paula Schimanofsky. Zudem bietet die Nachmittagsbetreuung montags Ballspielen an. Auch ihre elfjährige Schwester Johanna hat ein dichtes Programm in der Woche: "Ich mache Montag, Dienstag, Donnerstag und Samstag Rhythmische Gymnastik. Am Freitag habe ich Klavier und am Mittwoch Bühnenspiel in der Schule."

Zwei freie Nachmittage

Weil manche Einheiten kürzer dauern, haben die beiden jeweils an zwei Nachmittagen pro Woche frei. Ob ihnen das Training nicht zu viel ist neben der Schule? "Nein, es macht uns Spaß." Und ihre Mutter Ute Schimanofsky setzt Grenzen: "Wenn es wirklich einmal knapp wird, dann wird das Training gestrichen. Das ist mit den Trainern so abgesprochen und auch die Kinder akzeptieren das. Die Schule hat immer Vorrang. Aber beide sind sehr brave Schülerinnen und tun sich beim Lernen leicht."

Der Samstag ist immer flexibel, denn auch die Grazer Familie will einmal Zeit für sich haben: "Am Wochenende gehen wir gerne mountainbiken, wandern oder Schwammerl suchen", erzählt die zweifache Mutter. "Es ist zwar schon immer viel los bei uns, aber nicht stressig." Die Kinder hätten viel Spaß dabei, ohne ihn wäre das Training mühsam und sinnlos. "Als Johanna ins Gymnasium wechselte, war sie zwar überfordert, aber das hat sich nach einer Eingewöhnungsphase wieder eingependelt", erzählt die Mutter.

Auch die drei Kinder von Petra Auer-Nahold sind außerschulisch aktiv: Sie spielen jeweils ein Instrument und haben je einmal pro Woche Unterricht. Maria ist zehn Jahre alt und spielt seit vier Jahren Geige. Seit einem Jahr lernt der sechsjährige Klemens Trompete und Leo (acht Jahre) seit dem Kindergarten Gitarre.

Kinder brauchen Pausen

"Geübt wird, wenn die Kinder Lust haben, aber nicht, weil sie müssen." "Ich möchte gar nicht, dass sie mehr machen. Ich finde, Kinder brauchen Zeit, um Kind sein und mit anderen Kindern spielen zu können." Für die dreifache Mutter aus Hart bei Graz sind Pausen der Schlüssel: "Wenn Kinder ein zu dichtes Programm haben, kommt Erholung zu kurz und sie können nicht mehr innehalten."

Auch Familie Auer-Nahold hat verschiedene Angebote ausprobiert, aber "ich habe lernen müssen, dass weniger mehr ist, weil meine Kinder nicht mehr den Augenblick leben konnten". Auch Waltraud Hösele, Kindergartenpädagogin und Obfrau der Berufsgruppenvertretung der Kindergarten- und Hortpädagogen, meint, dass Kinder individuell gefördert werden müssen: "Co-Konstruieren heißt, dass Eltern ihre Kinder nicht instruieren, sondern ihre individuellen Fähigkeiten unterstützen und fördern" (siehe Interview). Ihr Leitsatz: "Kinder sollten nie nichts machen, aber auch nicht alles."

KATHARINA PILLMAYR

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