Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
22. Mai 2013 19:21 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren

Bezirks- und Gemeindesuche

56-Jähriger unter Baumwipfel eingeklemmt Auch Graz trägt Tracht Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Steiermark Nächster Artikel 56-Jähriger unter Baumwipfel eingeklemmt Auch Graz trägt Tracht
Zuletzt aktualisiert: 02.06.2012 um 22:02 UhrKommentare

Pfarrer Pucher nimmt Essl Social Prize 2012 entgegen

Im Esslmuseum in Klosterneuburg wurde am Samstagabend der Pfarrer von St. Vinzenz in Graz-Eggenberg vom Ehepaar Essl für sein Engagement geehrt. Pfarrer Pucher im Interview mit Christian Weniger.

1 / 7 

Sie haben am Samstag den Essl-Sozial-Preis überreicht bekommen. Eine Million Euro – was machen Sie damit, sind Sie jetzt reich?

WOLFGANG PUCHER: Es ist ein zweckgebundener Preis. Die Stiftung vergibt ihn nur an Einrichtungen, die eine innovative soziale Idee umsetzen. Wir von der Vinzigemeinschaft sind verpflichtet, dieses Geld für unser Projekt "Housing First“ in Salzburg einzusetzen. Dieses Modell gibt Obdachlosen sofort eine Wohnung, in der sie für drei Jahre betreut werden, damit sie nicht wieder alles verlieren.

Ein Vermögender zeichnete Sie aus, einer jener, von denen es im Neuen Testament heißt, dass ein Kamel eher durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt – was halten denn Sie von Millionären?

PUCHER: Es gibt solche und solche. Ich möchte nicht die Gruppe übersehen, die ungeheuer viel für in Not geratene Menschen tut. Wie beispielsweise Bill Gates. Ich kann auch aus meiner Pfarrgemeinde von solchen Personen erzählen. Und Essl ist ein tiefgläubiger evangelischer Christ, bei jeder Preisverleihung sagt er, dass der Reiche verpflichtet ist, das, was er hat, mit denen zu teilen, die weniger haben.

Soll dieses Teilen freiwillig erfolgen oder sollen Millionäre zum Beispiel über höhere Steuern stärker zum Teilen zwangsverpflichtet werden?

PUCHER: Zunächst einmal hat jeder die Pflicht, Steuern zu zahlen, die ihm zumutbar und auferlegt sind. Kein Mensch kann allein leben, man ist auch im Wohlstand davon abhängig, dass andere diesen Wohlstand mittragen.

Aber ist es nicht ungerecht, wenn wenige noch reicher werden, während viele andere immer mehr in die Armut abrutschen . . .

PUCHER: Sobald Menschen ihre Fähigkeiten vielfach unbeschränkt ausnützen dürfen, neigen sie dazu, immer mehr anzuhäufen. Je mehr die einen anhäufen, desto weniger bleibt für andere übrig. Und vor allem brauchen sie Sklaven. Die Antike hatte ihre Sklaven im eigenen Haus, heute haben die Reichen ihre Sklaven im Fernen Osten. Die arbeiten für Löhne, die man gar nicht als solche bezeichnen kann, dafür, dass wir hier im Wohlstand leben. So gehören wir alle zu den ausbeutenden Reichen. Wenn die Gier der Antrieb ist, steckt das ganze System in einer Sackgasse.

Steckt denn das System in der Sackgasse oder stottert es nur?

PUCHER: Selbstverständlich, es ist die Sackgasse. Wir leben vom sogenannten Mehr. Es muss immer mehr produziert werden, die Wirtschaft muss immer wachsen, es muss immer ein schöneres, ein besseres Auto sein. Diese Gier könnte man durch die Tugend der Bescheidenheit etwas zähmen.

Freiwillige Selbstbeschränkung?

PUCHER: Das ist eine Überlebensnotwendigkeit. Wer sein Leben nie beschränkt, geht über das Maß dessen, was Leben bedeutet, hinaus und ruiniert sich auf Dauer.

Wie schaut es bei Ihnen aus mit der Gier? Ist sie vorhanden?

PUCHER: Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Aber ich empfinde zumindest keine materielle Gier. Erst vor drei Jahren kaufte ich mir das erste neue Auto in meinem Leben, um 9500 Euro. Eines ohne Klimaanlage und anderen Komfort. Aber ich mache zurzeit das Kieser-Training, möchte dabei immer das Gewicht steigern und merke, dass es sinnlos ist. Im Menschen steckt etwas drinnen nach immer höher und weiter. Da bin ich auch nicht gefeit davor.

Nun sind Sie jemand, der sich vorbehaltlos für Obdachlose und Bettler engagiert. Doch Sie sind als Pfarrer auch Amtsträger der römisch-katholischen Kirche, der Kritiker nachsagen, dass ihre Hierarchie erfolgreichen Gierigen bessere Plätze zuteilt als Armen. Wie sehen Sie das?

PUCHER: Ein Beispiel: Als der Papst Österreich besuchte, ließ er sich ein Programm aufhalsen, das keine einzige Begegnung mit armen Menschen vorsah. Ich bat über den Kardinal, über den Bundespräsidenten, dass der Heilige Vater auch Armen einen Besuch abstattet. Das ist nicht passiert. Als er zum Abschied Hände drückte, waren das die von Vorsitzenden diverser Gremien. Ich war empört. Hätte er auch einem Obdachlosen die Hand gegeben, wäre das ein wunderschönes Zeichen gewesen. Die Kirche als Ganzes ist jedoch eine Kirche der Armen und sie wird das immer bleiben. Schauen wir nur nach Südamerika, nach Asien, nach Afrika. Auch in Europa gibt es genügend Beispiele für die Kirche der Armen, in der sich Laien und Bischöfe engagieren. Freilich, Macht und Ansehen sind auch in der Kirche verführerisch.

Wenden wir uns der österreichischen Kirche zu, durch die ein tiefer Riss geht. Auf der einen Seite die Pfarrerinitiative, die fordert, was der Vatikan nicht geben kann oder will. Wie die Abschaffung des Pflichtzölibats für Priester oder die Kommunion für geschiedene Wiederverheiratete. Auf der anderen Seite Bischöfe, die vor einer Kirchenspaltung warnen . .

.

PUCHER: Die Pfarrerinitiative auf Gegner des Zölibats zu reduzieren, wäre zu einfach. Es geht um ein Strukturproblem, um einen Grundfehler. Die westliche Kirche wuchs durch ihren geschichtlichen Werdegang in ein römisches Rechtssystem hinein, das Kirchenrecht des Codex Iuris Canonici. In dieses strenge Korsett kann sich der Einzelne oft nicht mehr so einbringen.

Es geht um Gehorsam. Bischöfe und Papst fordern dies von den aufmüpfigen Pfarrern ein. Wie weit darf ein Priester von der vorgegebenen Linie abweichen?

PUCHER: Als ich ein junger Priester war, mussten wir die Messe in lateinischer Sprache feiern, einer, den ich kannte, tat es schon vor der Liturgiereform trotzdem auf Deutsch. Damals war es Ungehorsam, heute ist es die Regel. Wir haben in diesen Wochen in den Pfarren die Erstkommunionfeiern. Ich behaupte, viele Eltern dürften dabei nicht zur Kommunion gehen, aber die meisten Pfarrer verweigern sie trotzdem nicht. Sie sind damit praktisch ungehorsam. Gott sei Dank. Doch sie sind gehorsam im Sinne des Evangeliums, dem mehr Bedeutung zukommt, als dem Codex Iuris Canonici.

Kann eine Organisation Kirche denn ohne Gehorsam überleben?

PUCHER: Blinder Gehorsam ist unmoralisch – auf jeder Ebene. Stolz sage ich, dass viele in der katholischen Kirche seinerzeit den Nationalsozialisten den Gehorsam verweigert haben. Katholische Priester waren eine der größten Berufsgruppen in den Konzentrationslagern. Die Treue zum Evangelium muss über jedem anderen Gehorsam stehen.

Der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski schrieb in "Die Brüder Karamasow“ ein Kapitel mit dem Titel "Der Großinquisitor“. In dieser Erzählung kommt Jesus zurück in die Welt und wird erkannt. Der Großinquisitor lässt ihn verhaften und wirft ihm vor, er habe kein Recht, auf die Erde zurückzukommen und die von der Kirche errichtete Ordnung zu stören. Können Sie sich vorstellen, was Jesus heute tun würde?

PUCHER : Wie sollte ich Jesus etwas unterstellen? Aber ich bin sicher, er würde nicht in einem Palast wohnen. Vielleicht in einer Siedlung von Delogierten, in einem Slum von Kalkutta, in einem U-Bahn-Schacht in New York. Er würde auf keinem Esel reiten, nicht barfuß gehen. Er käme als Bruder zu Brüdern und Schwestern, würde nichts aufoktroyieren, was man nicht leisten kann. Wohlhabenden würde er ins Gewissen reden. Er wäre ohne Titel, ließe keine Ehrungen über sich ergehen.

Sie wurden am Samstag geehrt, aber Sie werden auch wegen Ihres oft rüden Einsatzes für Bettler geschmäht. Fühlen Sie sich dann Jesus nahe?

PUCHER: Manchmal mehr, manchmal weniger.

Wann mehr?

PUCHER: Wenn ich das eigene Ich zurück und die Bedürfnisse anderer in den Vordergrund stelle.

INTERVIEW: CHRISTIAN WENIGER

Foto

Foto © Marija Kanizaj

Bild vergrößernDas Interview: Wolfgang Pucher und Christian Weniger Foto © Marija Kanizaj

Pfarrer Pucher

Wolfgang Pucher, geboren am 31. März 1939 in Hausmannstätten, unweit von Graz. Nach der Matura trat er in den Lazaristenorden ein, 1963 Priesterweihe. 1969 bis 1973 Internatsleiter am österreichischen St. Georgs-Kolleg in Istanbul, er kümmerte sich dort auch um Straßenkinder. Am 2. Juni 1973, also gestern vor 39 Jahren, wurde Pucher zum Pfarrer von St. Vinzenz in Graz berufen. Mit der Vinzenzgemeinschaft betreut er Obdachlose. Man baute zuerst in Graz ein Vinzidorf, dann Unterkünfte in Wien, richtete Sozialmärkte ein. Pucher setzt sich besonders für bettelnde Roma ein.

"Essl Social Prize"

Der "Essl Social Prize" wurde 2007 vom Ehepaar Gerda und Martin Essl (Unternehmer, Baumax AG) ins Leben gerufen. Der mit einer Million Euro dotierte Preis verfolgt zwei Ziele: Auszeichnung hervorragender Leistungen im sozialen Bereich, andererseits wird das Geld ausschließlich dafür verwendet, die ursprüngliche Idee des Preisträgers mit einem innovativen Projekt weiterzuentwickeln. 2011 ging der Preis an Almaz und Karlheinz Böhm für ihre Äthiopien-Hilfsorganisation "Menschen für Menschen".

Steirer des Tages

Mit der Musik Welten verbinden
Kennen Sie auch jemanden, der Besonderes leistet? Dann schreiben Sie uns!

KLEINE.tv

Brand in Graz: Polizei spricht über Brandhergang

Zu Mittag brach im Dachgeschoss einer Baustelle in der Annenstraße Feuer...Bewertet mit 5 Sternen

 




Aktuelle Fotoserien

Neuer Christus für das Wippel-Kreuz 

Neuer Christus für das Wippel-Kreuz

 

Wer wird Narzissenkönigin?

Jürgen Fuchs

20 Kandidatinnen haben sich für das Voting zur Narzissenkönigin 2013 qualifiziert. Bis 24. Mai können die User darüber abstimmen, welche Damen in die Finalrunde kommen.

Platzwahl 2013

Steiermark Tourismus

Es ist wieder "Platzwahl"-Zeit: Heuer werden die schönsten Wasserperlen des Landes gekürt. Stimmen auch Sie mit!

Die besten Forschungsprojekte

contrastwerkstatt - Fotolia

Die Kleine Zeitung präsentiert in Kooperation mit den fünf steirischen Universitäten, den beiden Fachhochschulen, den zwei Pädagogischen Hochschulen und Joanneum Research die besten steirischen Forschungsprojekte.

Steirische Strukturreform

APA

Die Landesspitze baut die Gemeindestruktur massiv um. Im Jahr 2015 soll es von den derzeit 539 nur mehr 285 Gemeinden geben.

Peter Rosegger-Jahr

Landesarchiv

Im Jahr 2013 feiert die Steiermark den 170. Geburtstag von Peter Rosegger (1843-1918) mit zahlreichen Projekten, Veranstaltungen und Aktivitäten.

Jobs auf kleinezeitung.at/karriere

3D-Rundgang durch die Steiermark

http://www.3dpanorama.at/

Wollen Sie die Steiermark mit ihren Sehenswürdigkeiten, Städten und Kirchen einmal aus einer ganz anderen Perspektive erleben? Dann unternehmen Sie doch einen 3D-Rundgang durch die grüne Mark!

Babyfotos

Steirer helfen Steirern

Mit "Steirer helfen Steirern" unterstützen wir gemeinsam mit unseren Leserinnen und Lesern Landsleute in Not.
Das Spendenkonto:
Steiermärkische Bank und Sparkassen AG, Konto: 170001, BLZ: 20815

 
Auch Ihr Foto soll hier erscheinen? Schicken Sie es uns via Upload!
 

Hochzeitsfotos

 
Sie haben auch eine Meldung? Werden Sie Leser-Reporter und schicken Sie uns Ihre Texte!
 

Todesanzeigen

Todesanzeigen aller steirischen Bezirke.

Für Sie da

Foto: Helmut Lunghammer

So erreichen Sie die Ombudsmann-Redaktion:

  • Tel.: (0316) 875-4910
  • Fax: (0316) 875-4904

E-Mail

 

Leserfotos

 
Auch Ihr Foto soll hier erscheinen? Schicken Sie es uns via Upload!
 

Wallpaper

 

Verkehrsmeldungen

Foto: ÖAMTC
 

Prospekte



Seitenübersicht

Zum Seitenanfang