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Prähistorische Siedlung Falkenberg war Metropole
Mit der Entdeckung der größten prähistorischen Siedlung des Südostalpenraumes und seiner gut erhaltenen Schätze erstrecken sich für Judenburg neue Horizonte am kulturtouristischen Himmel.

Foto © Peter HaselmannArchäologe Georg Tiefengraber am Fürstengrab bei Judenburg
Früher, nämlich sehr viel früher, wir sprechen vom 8. bis 6. Jahrhundert vor Christus, da war Judenburg eine echte Größe. Weitläufige Kontakte in alle Richtungen, die älteste Erzabbau- und Erzverhüttungsstätte Österreichs, ein führendes Zentrum Mitteleuropas. Was diese Bedeutung unterstreicht, wird sichtbar auf einem umzäunten Areal eines Ackers am Fuße des Falkenberges. Unter einem Zeltaufbau, zwischen Industriestaubsauger und Kellen, einer mobilen Toilette und der ältesten bekannten Steinarchitektur des Landes: Die heiße Spur des Archäologenehepaares Susanne und Georg Tiefengraber verpuffte nicht als Fehlzündung am Asphalt der Gaudiumskultur. Sie ist nachhaltiges Zeugnis der ewigen Frage, woher wir sind, wohin wir gehen.
Die drei durch Geoprospektion georteten Fürstengräber (wir berichteten) sind Tatsache, die Tiefengrabers legen das erste Grab dieser mit einem Ausmaß von 50 Hektar größten prähistorischen Siedlung des Südostalpenraumes frei. Einen Steinwurf entfernt vom Fundort des Strettweger Kultwagens, vom Bundesdenkmalamt bereits als bedeutendste aktuelle Grabung Österreichs geadelt. Eine Besonderheit zeichnet die Mission Falkenberg gegenüber der Kultwagen-Stätte - wo die Tiefengrabers auch nachgraben möchten - und anderen aus: Das Grab ist unangetastet. Georg Tiefengraber: "Sonst wurde im 19. Jahrhundert alles ausgeraubt." Wachdienste rund um die Uhr gebieten ähnlich kriminellen Gelüsten Einhalt, etliche Sondengänger wurden bereits angezeigt.
Leica
Gut aufgelegter Wind macht an diesem Vormittag den Pinseln des Archäologenteams Konkurrenz, Hündin Leica trägt erdigen Schmuck am Fell. 4000 Menschen lebten in dieser Siedlung der eisernen Ära, mehr als im mittelalterlichen Judenburg, das beinahe steirische Hauptstadt geworden wäre. Woher sind wir, wohin gehen wir? Die hallstattzeitlichen Fürsten hier gingen jedenfalls nicht ohne all das ins Jenseits, was man für ein standesgemäßes Leben braucht. Ihr Hügelgrab war monumental, zehn Meter hoch, 40 Meter Durchmesser, weiß der Archäologe. Platz genug für einen Diener und die Witwe, ebenso "brandbestattet".
Bronzeurnen, ganze Waffenarsenale vom Streitbeil bis zur Lanzenspitze, Reste von eisernen Pferde- und Wagengeschirren, ein Bronzeschwert als Insigne der Macht kamen zutage. Und an einem Sonntagabend geschah es: Georg Tiefengraber bläst den Staub der Jahrtausende vom fürstlichen Bronzehelm. Rot bemalt, figürlich verziert.
Alles ist verpackt, muss "erdfeucht" bleiben, wird in Deutschland und der Steiermark restauriert. Für die Zukunft ist eines bereits vertraglich vereinbart: Anders als der Kultwagen von Strettweg werden diese Schätze ins Stadtmuseum Judenburg kommen - wo immer sein künftiger Sitz ist.
Horizont
Erstrecken sich doch mit der zumindest österreichweiten Bedeutung dieser Funde neue Horizonte über einer aus finanziellen und politischen Gründen vereisten Idee. Für das ehemalige Minoritenkloster der Stadt lagern fertige Pläne für ein "Haus des Lesens, Haus der Geschichte" in der Lade. "Eine tolle Gelegenheit, daraus kulturtouristischen Nutzen zu ziehen", findet Georg Tiefengraber. Er registriert reges Interesse auch außerhalb archäologischer Insiderkreise. Rund 1000 Besucher ließen sich durch die Geschehnisse am Acker führen. Er hofft auf Bewusstseinsbildung für das kulturelle Erbe. Für die Größe, die Judenburg früher, sehr viel früher einmal war.






















