Bezirks- und Gemeindesuche
Reformpartnerschaft als neues Modell für Graz
Nagl-Fraktion ist wieder solo: Rot-Schwarz liebäugelt mit Schwarz-Rot in der Stadt. FPÖ will lachender Dritter sein. Kritik von Landesgrünen und KPÖ an "Theaterstück".

Foto © Kanizaj
Der Koalitionsbruch im Grazer Rathaus lässt die Politik im benachbarten Landhaus sowie in der Grazer Burg natürlich nicht kalt. ÖVP-Vize-Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer - er war spätestens Dienstagabend in die Pläne seines Bürgermeisters Siegfried Nagl eingeweiht - steht zu dessen "konsequentem Schritt." Zumal man "mit Blockierern keine Politik machen kann", so der VP-Landeschef. Dreinreden wird er Nagl bei der Partnersuche offiziell nicht. Nur so viel: "ÖVP und SPÖ hat sich im Land bewährt", verweist er auf die Reformpartnerschaft. Kompagnon und SP-Chef Franz Voves hält sich offiziell noch zurück, er wolle das Gespräch zwischen seiner Stadtparteiobfrau Martina Schröck und Nagl abwarten. Hinter den Kulissen wird Voves freilich die Fäden ziehen. Auch er weiß, dass das Ende von Schwarz-Grün die wahrscheinlich letzte Chance für die geschwächten Stadtroten ist, in Graz in Zukunft mitzureden.
Landes-SP und ÖVP war es immer ein Dorn im Auge, dass just die größte steirische Gemeinde ihrem Kurs nicht blind folgte", meint KPÖ-Klubchefin Claudia Klimt-Weithaler. Ergo nennt sie Nagls Bruch mit der Grünen Lisa Rücker ein "schönes Theaterstück, um Graz auf den Reformpartnerkurs einzuschwören". Schützenhöfer und Voves hätten aus KP-Sicht Nagls Entscheidung vorab beeinflusst. "Ob das auch Schröck gewusst hat?", stellt Klimt-Weithaler genüsslich in den Raum.
Man wurde überrascht, betonen die Grünen Sabine Jungwirth und Werner Kogler: "Nagl hat dem Druck der Bünde nachgegeben und die Nerven weggeschmissen", sagt Kogler. Man musste zwar regelmäßig "Fieberkurven planieren", aber der Koalitionsbruch sei "mut- und orientierungslos". Auswirkungen auf die Landtagsarbeit habe das aber nicht: "Das ist doch eine ganz andere Ebene", ergänzt Jungwirth.
Den Freiheitlichen kommt das Aus von Schwarz-Grün nicht ungelegen. "Eine gute Entwicklung für die Stadt", ätzt Landesrat und Parteiobmann Gerhard Kurzmann. Intern hatte man zwar gehofft, Nagl und Rücker im Doppelpack das Leben schwer machen und Stimmen sammeln zu können. Nun schießt man sich auf Schwarz-Rot ein, um womöglich stark genug für Schwarz-Blau zu sein.
Die Würfel sollen im Jänner fallen, denn sowohl SPÖ, ÖVP als auch Grüne (Jungwirth: "Ich erwarte mir von unseren Grazern, dass sie verlässlich weiterarbeiten") sind gegen vorgezogene Wahlen. T. ROSSACHER




















