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Kraftstrotzende, aber uneitle Virtuosität
Lise de la Salle ließ den Steinway-Flügel ächzen.

Foto © Lise de la Salle/http://www.lisedelasalle.com/Lise de la Salle
GRAZ. Klischees will sie keinesfalls bedienen. Deshalb manövrierte sich Lise de la Salle in rekordverdächtig schnellem Tempo durch den viel strapazierten Kopfsatz von Ludwig van Beethovens "Mondschein-Sonate", um ja nie den Hauch des Anscheins zu erwecken, die Poesie bis zur Kitschgrenze zu treiben.
Spezifisch feminine Züge sucht man im Spiel der 24 Jahre jungen Französin, die bereits ein halbes Dutzend CDs aufgenommen hat, vergebens. Ihren ersten Soloabend für den Musikverein eröffnete sie mit einer ungestüm-forschen Darstellung von Beethovens Sonate "Les Adieux", bei der sie die Sforzati so stark betonte, dass beinahe schon der musikalische Fluss gefährdet zu sein schien.
Endgültig in den Grundfesten erschütterte sie den ächzenden Steinway-Flügel im zweiten Teil ihres Programms mit vier Werken aus ihrer jüngsten, im Vorjahr zum 200. Geburtstag von Franz Liszt erschienenen CD. Lise de la Salle stellte ihren kraftstrotzenden Oktavendonner nie in den Dienst der reinen Virtuosität. Sowohl in der zweiten Ballade als auch in der Dante-Sonate unterstrich sie das rhetorische Element. Dem Kondukt in den "Funérailles" verlieh sie eiserne Unerbittlichkeit und bei den subtil intonierten "Nuages gris" betonte sie die visionäre Harmonik des sich in atonalen Schlussakkorden auflösenden Spätwerks von 1881. ERNST NAREDI-RAINER
CD-Tipp: Liszt. Lise de la Salle. Naïve.




















