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Zuletzt aktualisiert: 03.05.2012 um 21:40 UhrKommentare

Studieren in einem großen Europa

Vor 25 Jahren startete das europäische Austauschprogramm Erasmus. Steirische Studenten sind seit 20 Jahren eifrig dabei.

Foto © Fotolia / Stephen Coburn

Kaum ein internationales Programm ist so erfolgreich und auch wegweisend wie das europäische Studentenaustauschprogramm "Erasmus". Benannt nach dem großen europäischen Humanisten und Universalgelehrten Erasmus von Rotterdam (1467-1536), sollte vor allem die Jugend zur Einheit Europas beitragen. Heute sind jährlich 220.000 Studierende (und Uni-Angehörige) unterwegs und absolvieren einen Teil des Studiums an einer Partneruniversität. Österreich entsendet und empfängt etwa 5500 Studierende pro Jahr, das entspricht rund 2,5 Prozent der Studierenden. Für den Erfolg entscheidend war und ist, dass über sogenannte ECTS-Punkte Vorlesungen gegenseitig anerkannt werden. Die EU unterstützt das Programm mit rund 450 Millionen Euro pro Jahr.

Steirische Studenten eifrig dabei

Dagmar Oswald: Seit Erasmus eine Nomadin

Sie war unter den Ersten, die vor 20 Jahren von der Uni Graz aus am Erasmus-Programm teilnahmen. Das Jahr im spanischen Saragossa war Dagmar Oswalds erster längerer Auslandsaufenthalt - aber es sollte nicht der letzte bleiben. Das Fremdsprachenstudium - Romanistik - war für die damals 24-Jährige von vornherein der Schlüssel, um ins Ausland gehen zu können. "Ich sehe mich als eine Nomadin", sagt sie heute. Und für dieses Nomadendasein sei ihr Erasmus-Jahr der Beginn gewesen. Nach ihrem Studium blieb Oswald nicht lange in Graz. Zuerst zog es sie als Lektorin nach Zadar, kurz darauf ging es nach Japan - daraus wurden 15 Jahre an japanischen Universitäten, erzählt Oswald, die seit Kurzem wieder in Graz lebt. "Wenn man einmal hinausgeht, verändert sich etwas", sieht sie Erasmus als Schlüsselerlebnis dafür, dass es sie immer wieder "juckt" wegzugehen und etwas Neues kennenzulernen.

David Zottler: Er lebt Erasmus auch in Graz weiter

"Es war so toll, es hat mein ganzes Leben verändert." Die Begeisterung über sein Erasmus-Semester in Straßburg ist bei David Zottler auch heute, drei Jahre danach, noch ungebrochen. Er kam mit so viel Energie zurück, dass er sich bis heute ehrenamtlich im Erasmus-Netzwerk ESN engagiert. Zottler ist Buddy, das heißt, er betreut Austauschstudierende, die nach Graz kommen: vom Abholen am Flughafen über den Campus-Rundgang bis zu Ausflügen in die Weinstraße. "Und so habe ich in Graz Freunde aus der ganzen Welt gefunden", erzählt der 25-Jährige. Und er weiß auch, dass Graz bei ausländischen Studierenden immer beliebter wird: "Es hat die richtige Größe, die perfekte Lage in Europa und es gibt immer irgendwo eine Studentenparty."

Markus Robert Hausmann: Island brachte ihn zurück zur Uni

Es begann mit der Musik. Mit 15 Jahren hörte Markus Robert Hausmann die Band Sigur Rós und fragte sich: "Wo kommt die Musik her?" Aus Island, und seither begeisterte er sich für das Land und erwartete sich "Fantastisches" vom Jahr in Reykjavik. Er wurde nicht enttäuscht. Das isländische "Exil" war für ihn auch "Therapie", er konnte Probleme in Graz zurücklassen. Nur: "Das Nachhausefahren hat mich angezipft." Er machte aber eine Erfahrung, die viele teilen: Mit Einheimischen in Kontakt zu kommen war schwierig. Doch er fand Freunde, die moderne Uni und die Kulturszene begeisterten ihn und nun wird er sein Studium abschließen, woran er vor Island nicht geglaubt hatte.

Anne Schwartz: Eine Französin verliebt in Graz

Ursprünglich wollte Anne Schwartz, die aus dem französischen Vittel stammt, ihr Auslandssemester in Amerika oder Australien verbringen. Da das aber nicht funktionierte, kam sie schließlich im Februar an die Karl-Franzens-Uni nach Graz. Und ist nun vollauf begeistert. "Die Stadt ist so schön und sauber", schwärmt sie, und ständig sei etwas los: Partys im Studentenheim, in dem sie wohnt, und Ausflüge auf den Dachstein oder in die Therme, organisiert vom Erasmus-Netzwerk. Die Studenten in ihren Uni-Seminaren seien hilfsbereit, der Umgang mit den Professoren viel entspannter als in Frankreich. Und auch ihren Freund hat die 23-Jährige in Graz kennengelernt.

SONJA SAURUGGER, NORBERT SWOBODA

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