Bezirks- und Gemeindesuche
Cornelia Crombholz: "Sprengstoff freisetzen"
Cornelia Crombholz inszeniert Feydeaus "Floh im Ohr" im Schauspielhaus Graz. Mit einem billigen Lachschlager hat sie aber nichts im Sinn.

Foto © JÜRGEN FUCHS Inszeniert Feydeau in der Jelinek-Übersetzung: Cornelia Crombholz
F rau Crombholz, naheliegende Frage: Wer hat Ihnen diesen Floh ins Ohr gesetzt? Ist es ein Wunschstück von Ihnen?
CORNELIA CROMBHOLZ: Schon. Ich bin sogar ein richtiger Fan von diesem Stück. Ich mag diese scheinbar trivialen Geschichten, die in Wahrheit ja auch einigen Sprengstoff in sich bergen.
Das billige Lachtheater, das Feydeaus Stück ja auch zulässt, liegt Ihnen, wie in allen Ihren Grazer Regie-Arbeiten, also fern?
CROMBHOLZ: Völlig. Zumal es ja zeitlose Themen behandelt, die bürgerliche Heuchelei, die Doppelmoral. Und da sind wir wieder beim Spreng- oder Zündstoff. All das muss man zuspitzen und freisetzen. Ich weiß gar nicht genau, wie oft im Stück das Wort Tragödie vorkommt. Das trifft auch zu. Es ist letztlich eine bürgerliche Tragödie, dargeboten als Farce, die viel Lächerlichkeit und Grund zum Lachen in sich birgt.
Das Stück verlangt, nicht nur durch sein Tür-auf-Tür-zu-Prinzip, enorme Präzision. Schränkt das die Freiräume bei der Inszenierung nicht ein?
CROMBHOLZ: Ja und nein. Dieses Werk hat ein ganz starkes Konstrukt, es hat eine irre Mechanik. All das muss man natürlich beachten, sonst würde dieses Gerüst zusammenbrechen.
Klingt nach sehr viel Arbeit, Herausforderung und Stress?
CROMBHOLZ: Klar, so soll und muss es ja auch sein. Zumal man mir ja nachsagt, dass ich die Akteure gerne sogar überfordern würde, also in der Probenarbeit. Was aber im konkreten Fall oft übersehen wird, ist die Tatsache, dass Feydeau ein Mammutwerk schuf, das wir ohnehin strafften.
Es ist ja für Grazer Verhältnisse auch von der Besetzung her ein recht großes Stück?
CROMBHOLZ: Zweifellos. Immerhin spielen 14 Personen mit. Und da kommt die vorher erwähnte Mechanik wieder ins Spiel. Diese muss man unterfüttern, da muss sehr viel Lebendigkeit hinein, damit auf der Bühne nicht nur Figuren stehen, in einem starren Umfeld, sondern im nackten, durchaus realen Wahnsinn. INTERVIEW: WERNER KRAUSE Floh im Ohr. Premiere am 28. 4., 19.30 Uhr, Schauspielhaus Graz. Karten: Tel. (0 3 16) 80 00




















