Bezirks- und Gemeindesuche
Rückzug des manipulierten Tierfutters
Der nächste Streich: Nach dem Geflügelfleisch forciert der Handel nun auch bei der Schweinemast gentechnikfreie Futtermittel. Das bringt die steirische Branche unter Zugzwang.

Foto © Hoffmannn der konventionellen Schweinemast dominieren noch gentechnisch veränderte Futtermittel. Jetzt bahnt sich ein Wandel an
Jetzt also auch das Schweinefleisch. Neuerdings flüstert der "Billa-Hausverstand" den Konsumenten zu, zum "Schwein ohne Gentechnik" zu greifen. Der Rewe-Konzern (Billa, Merkur, Penny und Adeg) hat ab sofort Schweinefleisch aus konventioneller Produktion in den Regalen, das das "Gentechnikfrei-Siegel" trägt. Eine Novität - und der jüngste Vorstoß gegen die Agrogentechnik, die in Österreich aus dem Handel verschwinden soll.
Zwar sind nach Definition der EU bereits jetzt alle Lebensmittel in den heimischen Supermärkten gentechnisch unverändert. Der Buchstabe des Gesetzes lässt aber eine Lücke offen: Wenn ein Nutztier mit Gentech-Futter ernährt wird, muss das auf der Fleischverpackung nicht aufscheinen. Nur Biobetriebe sind verpflichtet, auf genmanipulierte Futtermittel zu verzichten. So kommt es, dass nach wie vor jährlich 550.000 Tonnen an gentechnisch verändertem Sojaschrot nach Österreich importiert werden. Fast drei Viertel der größtenteils aus Südamerika stammenden Ware gehen in die Schweinemast. Das so erzeugte Fleisch kann sogar das AMA-Gütesiegel tragen.
Dass es in den Rewe-Märkten nun auch konventionelles Schweinefleisch frei von Gentech-Futter gibt, fügt sich in eine Entwicklung, die in den letzten Jahren stark an Fahrt aufgenommen hat. Den Beginn machte im Juni 2010 die österreichische Milchwirtschaft, die komplett auf gentechnikfreies Rinderfutter umstellte. Ein halbes Jahr später folgte die Legehennenbranche. Heuer zogen schließlich 90 Prozent der Mastgeflügelproduzenten nach.
Bei Rewe sieht man das gentechnikfreie Schweinefleisch als Testballon für eine eventuelle großflächige Umstellung. Lieferant ist die oberösterreichische IBO Schwein, ein Zusammenschluss aus 65 Bauern. Zehn Prozent sei das gentechnikfreie Futter teurer, sagt Geschäftsführer Franz Oberndorfer. Er ist aber überzeugt, dass der Konsument das zu schätzen wisse.
Damit erhöht sich der Druck auf die starke steirische Schweinebranche, die jährlich etwa 100.000 Tonnen importiertes Gentech-Soja verschlingt. Eine großflächige Umstellung hält Josef Polz, Obmann der Vermarktergemeinschaft Styriabrid, für unrealistisch. "Da würde es einen Futterengpass geben, so etwas wäre für uns nicht umsetzbar."
Ohne Importe geht nichts
Dem widerspricht Österreichs größter privater Futtermittelimporteur, der Unternehmer Karl Pilstl. "Eine gänzliche Umstellung ließe sich für die Steiermark und für ganz Österreich machen. Es wäre nur eine Vorlaufzeit von ein paar Jahren nötig, damit man die Ware vorab bestellen kann. Ohne Importe geht es allerdings weiterhin nicht." Dass jetzt die gesamte Schweinebranche unter Zugzwang gerät, ist für Pilstl so gut wie sicher. "Der Zug in diese Richtung ist abgefahren und nicht mehr aufzuhalten."
Das bestätigt Florian Faber, Geschäftsführer der Arge Gentechnikfrei. "Der Handel spürt, dass die Konsumenten zu 100 Prozent gentechnikfreie Lebensmittel wollen. Danach werden sich auch die Hersteller richten müssen." Und sie scheinen es rasch zu tun: Vor einem Jahr trugen in Österreich 1200 Lebensmittelprodukte das "Gentechnikfrei-Siegel". Inzwischen sind es bereits um die Hälfte mehr.
Oberndorfer denkt mit seiner IBO Schwein indes schon weiter. Nach dem Handel will er auch die Industrie mit gentechnikfreiem Schweinefleisch beliefern.



















