Bezirks- und Gemeindesuche
Wo Fasten einfach Stille heißt
Alfred Eichmann ist "Gastmeister" des Stifts St. Lambrecht. Er begleitet Menschen auf der Suche nach sich selbst durch die Fastenzeit.

Foto © Peter Haselmann"Kloster auf Zeit“: Alfred Eichmann wird heuer Hunderte Gäste im Stift
Vom Alltag aussteigen. Zu sich selbst finden. Auch wenn man in dieser Stille auf seine dunklen Seiten trifft. Auch das ist Fasten. Fernab von strengen Diätplänen und Verboten. "Die 40 Tage bis Ostern sind wie ein Angebot der Kirche, um sich einmal mit sich selbst zu beschäftigen", erklärt Pater Alfred Eichmann. Er ist einer der Wegweiser durch die Ruhe, an deren Ende die Antworten auf persönliche Fragen stehen sollen.
Seit 1. Jänner ist Eichmann Gastmeister des Stifts St. Lambrecht. Hunderte Besucher wird er dieses Jahr persönlich bei ihrem Aufenthalt im "Kloster auf Zeit" begrüßen. Und gerade jetzt, in der Fastenzeit, ist die Nachfrage groß. "Wir haben Schulklassen, Pilgergruppen, aber auch Einzelpersonen bei uns", erklärt der 36-Jährige. Von Arm bis Reich, vom Bettler bis zum Manager, vom Gläubigen bis zum Zweifler, sie alle finden hinter den Mauern des geschichtsträchtigen Hauses ein offenes Ohr.
"Fasten heißt, einmal aus dem normalen Leben auszusteigen. Die Bremse ziehen, anhalten, sich nicht in Aktivitäten flüchten, um vor seinen Problemen davonzurennen", so Eichmann. Die Lebensgeschichten, sie strömen mit den Gästen in das Stift herein. "Viele scheuen sich davor, etwas an ihrem Leben zu ändern. Selbst wenn sie merken, dass etwas nicht stimmt", berichtet der Priester.
Jährlich werden es mehr, die an die Tore des Klosters klopfen. "In der Gesellschaft steigt der Druck. Jeder muss an der Oberfläche schön, gesund und erfolgreich sein. Inhalte und Werte wie das Miteinander rücken dabei immer mehr in den Hintergrund", meint Eichmann.
Finden können die Gäste der Benediktiner Antworten auf ihre persönlichen Fragen im Klosterleben. Seminare zum Thema Fasten, Malgruppen, das gemeinsame Essen stehen auf der Tagesordnung. Um den Denkprozess anzuregen, wird der Körper gereinigt. "Natürlich ist in der Fastenzeit auch die Ernährung ein Thema. Kuren bieten wir aber nur mit ärztlicher Begleitung an", erklärt Eichmann.
Ruhe im Gebet
Auch er kennt ihn übrigens, den Alltag. Neben seiner Tätigkeit im Stift unterrichtet er noch Religion und leitet die Pfarren Neumarkt und Zeutschach. Ein Termin jagt schnell den nächsten. "Die Leute glauben immer, dass uns Priester ein solcher Alltag nicht trifft. Aber das Leben macht vor den Klostermauern nicht halt. Auch wir müssen immer wieder bewusst über unser Leben nachdenken", erzählt er. In der Fastenzeit wird er das verstärkt im Gebet tun.
Ein wichtiger Halt in seinem Leben ist die Gemeinschaft im Stift. "Ich bin im Nachbarort Mariahof aufgewachsen und war schon immer fasziniert von den Benediktinern", erinnert er sich. Schon als Kind stand daher für Eichmann fest, dass auch er im Orden leben wollte. Mit 19 trat er ein, danach folgte ein Theologiestudium in Salzburg und Rom. Nach Stationen in Bruck und Mariazell kehrte er wieder heim, in sein Stift. Eine Entscheidung für eine Lebensform, über die er bis heute glücklich ist.
Features
Fakten
Alfred Eichmann wurde am 18. Dezember 1975 geboren und wuchs in Mariahof auf.
Nach der Matura trat er in den Benediktinerorden ein. 2002 wurde er zum Priester geweiht.




















