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Zuletzt aktualisiert: 09.02.2012 um 16:43 UhrKommentare

"Verbale Bombe" bei Kartnig-Prozess: Urteil verschoben

Das Prozessende verzögert sich erneut. Obwohl schon Plädoyers gehalten wurden, müssen die Urteile im Sturm- Prozess noch einmal verschoben werden: auf nächste Woche.

Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt

Foto © AP Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt

D ie wirkliche Überraschung wäre, wenn der Sturm-Prozess reibungslos enden würde. Tut er nicht: Michael Pacher, Verteidiger von Hannes Kartnig, kritisierte am Donnerstag in seinem Plädoyer, dass weder Finanz noch sonst jemand geprüft habe, ob Spieler tatsächlich Schwarzgeld in Form von Wohnungs- und Autozuschüssen bekommen haben. Ob dieser Vorwurf stimmt, konnte Richter Karl Buchgraber nicht mehr klären.

Deshalb wurde der Prozess nach dem vorletzten Plädoyer vertagt. Frühestens nächste Woche soll der strittige Punkt geklärt werden, dann folgen das letzte Plädoyer und die Urteile.

Es wurden am Donnerstag tatsächlich Plädoyers gehalten. "Üben Sie Justiz!", appellierte Richard Soyer, der zweite Verteidiger von Hannes Kartnig an das Schöffengericht. Justiz, Gerechtigkeit, bedeutet für ihn in diesem Fall Freispruch von den Vorsatzdelikten Betrug und betrügerische Krida.

Was Staatsanwalt Johannes Winklhofer darunter versteht, erklärte er zuvor in seinem Plädoyer: "Die Freiheitsstrafe muss drei Jahre betragen. Irgendwann ist es aus. der Staat nimmt sich sonst nicht ernst." Am Vormittag wurden zuvor noch die ausstehenden wichtigen Aktenteile verlesen - überraschend wenige nach den vorangegangenen Diskussionen. Hannes Kartnig gab noch Auskunft über sein aktuelles Einkommen. Da seine Firma im Vorjahr keine Gewinne ausgeschüttet hat, verdient er nicht mehr 45.000 Euro monatlich, sondern nur 15.000 netto. Nach der Ablehnung eines noch offenen Beweisantrages glaubte man, jetzt seien alle Hindernisse vor dem Urteil weggeräumt. Glaubte man.

"Hier sind Leute ins Kriminelle abgedriftet, die solide Menschen sind", sagte der Ankläger in seinem Schlussvortrag. Solide Menschen, die so etwas sonst nie tun würden, "aber wenn es um eine Lederkugel geht, mit Luft drinnen . . .". Die Hauptverantwortung treffe Ex-Präsident Kartnig, aber auch die anderen Vorstände seien nicht stumm und taub in den Sitzungen gesessen.

Der Aufwand von Sturm für überbezahlte Profis sei ruinös gewesen. In fünf Jahren habe allein Tomislav Kocijan eine Million Euro verdient. "Wie lange muss ein Angestellter dafür arbeiten? 40 Jahre, ein Berufsleben lang." Dieses System sei nur durch systematische Lohnsteuerhinterziehung möglich gewesen, Verschleppung des Konkurses und Betrug seien die Folge gewesen.

Lautstark schlägt Kartnig die Hände zusammen und stöhnt. Aber Winklhofer setzt nach: Mit 1,7 Millionen bei "Perspektiven" und 8,3 Millionen bei Sturm hätten Kartnig und zum Teil die Mitangeklagten "die höchste Abgabenhinterziehung in diesem Land zu verantworten".

Für die anderen Angeklagten fordert der Ankläger geringere und bedingte Strafen. Für Kartnig aber eine strenge Haftstrafe und ein Fußfesselverbot: "Man kann sich nicht überall mit einem Witz hinausschwindeln."

"Life is not fair", hält Verteidiger Richard Soyer dagegen. "Das Leben ist nicht gerecht." Während andere mit Millionen in den Taschen herumliefen, säßen hier ehrenamtliche Fußballfunktionäre auf der Anklagebank. "Hier sitzen keine Elsners und Grassers, hier sitzen Menschen, die fasziniert waren von dieser Kugel mit Luft drinnen."

Aber es gebe eben auch "Justice": Recht und Gerechtigkeit. "Darum ersuche ich Sie, sprechen Sie Recht und lassen Sie Gerechtigkeit walten!" Kartnig, der Volkstribun, der Laienschauspieler, und seine Kollegen hätten einen Traum gehabt. "Das macht das Leben lebenswert, dass es solche Leidenschaften gibt."

Kartnig wisse, dass "das mit den Steuern nicht geht". Aber für die Vorsatzdelikte sei die Anklage die Beweise schuldig geblieben, Es seien Fehler passiert, aber es habe keinen Schädigungsvorsatz gegeben. Danach ließ Pacher seien Bombe platzen. Fortsetzung nächste Woche. Vielleicht.

ALFRED LOBNIK

Zitiert: Die Verteidigung

Vor Gericht und auf hoher See sind wir in Gottes Hand. Es gibt die Fußball-Leidenschaft, die blind macht, aber die gehört nicht vor ein Strafgericht.

Das Leben ist nicht gerecht. Andere gehen mit Millionen in den Taschen spazieren. Hier sitzen ehrenamtliche Fußballfunktionäre auf der Anklagebank.

Sie hatten einen Traum, sie waren nicht getrieben vom Motiv der Bereicherung. Alle haben nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt.

Lassen Sie die Kirche im Dorf. Sprechen Sie Recht und lassen Sie Gerechtigkeit walten. Hier sitzen keine Elsners und Grassers. Hier sitzen Menschen, die fasziniert waren von dieser Kugel mit Luft drinnen.

Hannes Kartnig hat Sturm laut Gutachter um 1,2 Millionen Euro mehr gegeben, als er genommen hat. Nach der günstigeren Rechnung um 1,7 Millionen. Die Vorstände haben geglaubt, sie kriegen das hin. Was der Gutachter sagt, sind theoretische Berechnungen im Nachhinein. Das Fundament dieser Anklage ist Treibsand.

Zitiert: Der Staatsanwalt

Die größte Verantwortung trifft Hannes Kartnig, aber auch die anderen Vorstände sind nicht taub und stumm in den Vorstandssitzungen gesessen. Dass es alle so machen müssen und man es so machen muss, stimmt einfach nicht. Am jetzigen Erfolg von Sturm sieht man, dass man auch reell wirtschaften und Erfolg haben kann.

Dafür legt Frank Stronach kein Sozialbudget an, dass er es Pleitiers hinterherwirft, die das Geld verschnalzen.

Hier sind Leute ins Kriminelle abgedriftet, die solide Menschen sind. Aber wenn es um eine Lederkugel geht, mit Luft drinnen . . .

Sturm hatte in der Bundesliga nichts mehr verloren. Das war ein Pleiteverein. Wenn die anderen neun es auch waren, soll sich ein anderer drum kümmern.

Die Freiheitsstrafe muss hoch sein. Irgendwann ist es aus. Der Staat nimmt sich sonst nicht ernst.

Man kann sich nicht immer und überall mit einem Witz hinausschwindeln.

Ich beantrage auch ein Fußfesselverbot. So etwas schreckt ab.

Kommentar

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