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Zuletzt aktualisiert: 27.12.2011 um 19:11 UhrKommentare

Hannes Urdl: "Der Clown ist sinnfrei und bereit für allen Unfug"

Hannes Urdl ist Clown und Musiker. Mit den Roten Nasen hilft er Kindern, denen es schlecht geht. Mit Improvisation und ganz viel Leidenschaft.

Foto © Leodolter

W ie ist die Grundstimmung eines Clowns: fröhlich-tollpatschig oder traurig-tragisch?

HANNES URDL: Ein guter Clown ist offen und bereit für das, was ist. Im Krankenhaus ist das so: Wenn man offen ist, sind die richtigen Themen da. Dann wird es intensiv und oft schräg, schrullig, lustig. Es ist wichtig, das Gegenüber wahrzunehmen, seine Ängste, Freuden und Gedanken.

Sie arbeiten als Rote-Nasen-Clown nicht nur mit Kindern, sondern auch mit Erwachsenen im Krankenhaus. Wie unterschiedlich ist das?

URDL: Die Grundsituation ist die gleiche. Der Clown ist sinnfrei und bereit für allen Unfug. Dann kommen alle menschlichen Sachen zum Vorschein. Anders sind die Themen und Zugangsweisen. Wichtig ist bei allen das Nähe-Distanz-Verhältnis.

Was bringt einen Clown zum Lachen, was zum Weinen?

URDL: Wenn ein Kind Spaß hat, lacht der Clown gerne mit. Wenn einem ein Kind im Spaß Schmerz zufügt, etwa mit einem Plastikhammer, weint der Clown im Spaß. Das ist eine Metapher fürs Leben und wie wir damit umgehen. Kinder im Krankenhaus müssen vieles erleiden an Widrigkeiten. Es darf dem Clown dann auch "Schmerz" zufügen und somit ein Stück seinen eigenen Schmerz verarbeiten.

Und was bewegt den Menschen hinter der Maske? Sie haben es schließlich auch, gerade in der Kinderonkologie, mit schwer kranken Kindern zu tun.

URDL: Die Freude, auch bei Angehörigen und Personal, wenn ein Kind fragt: "Kommst du morgen schon wieder?" Der Clown ist auch ein Mensch, und wenn er einen andern sieht, dem es nicht gut geht, ist man betroffen. Man muss akzeptieren, und das ist manchmal Geistesarbeit. So gibt man dem Kind auch die Möglichkeit, die aktuelle Situation zu akzeptieren.

Wie wird man ein Clown?

URDL: Man spürt das im Herzen. Die Ausbildung muss man sich in Österreich selbst zusammenstellen. In der Schweiz, Frankreich oder Italien gibt es eine lange Tradition an Clownschulen. Man sollte jedenfalls eine abgeschlossene Schauspielausbildung oder etwas Adäquates haben.

Was ziehen Sie aus Ihrer Arbeit als Rote-Nasen-Clown?

URDL: Es bringt etwas in Resonanz. Man kann dabei üben, Respekt zu haben vor der Unterschiedlichkeit von Menschen, Situationen anzunehmen, wie sie sind, man kann seine Wahrnehmungsschärfe und inneres Selbstvertrauen üben. Wir reflektieren über das Leben, indem wir spielen, und helfen so, das zu bewältigen.

Welche sind die berührendsten Momente in Ihrer Arbeit mit kranken Kindern?

URDL: Wir drehen die Realität um. Wenn ein Kind aus der Onkologie entlassen wird, freut es sich und die Clowns "weinen". Dann spricht das Kind freudig aus: "Ich gehe jetzt heim!" Das schließt es ab wie ein Ritual. Es ist berührend, wenn das gelingt.

Wie reagieren die Kinder auf Sie? Sind sie manchmal auch genervt?

URDL: Kinder sind oft genervt im Krankenhaus. Wenn der Clown kommt, kann eben das, wie es den Kindern geht, herauskommen. Es ist auch gut, wenn die Genervt- heit herauskommt.

Sie sehen viel Leid. Wie schaffen Sie es, sich abzugrenzen?

URDL: Beim Schminken und Umziehen schlüpft man in seine Rolle, ist ein bisschen eine andere Figur. Danach zieht man wieder die Privatkleidung an und streift das ein wenig ab. Wichtig ist, dass man mit Kollegen redet und durchatmet. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit einer psychologischen Supervision. Und es gibt eine Obergrenze: Mehr als sieben Mal im Monat ist man nicht als Clown im Krankenhaus.

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