Bezirks- und Gemeindesuche
"Hinschauen und verstehen versuchen"
Bildungswissenschafter Michael Wrentschur über die Kluft Arm/Reich und wie man sie überwinden kann.

Foto © FuchsWrentschur, Leiter von InterACT, Werkstatt für Theater & Soziokultur
Warum gibt es in einem reichen Land wie Österreich Armut? WRENTSCHUR: Oft geht es schnell und unerwartet, dass Menschen - etwa durch Krankheit, Trennung, Arbeitslosigkeit - in finanzielle Notlagen geraten. Frauen, besonders Alleinerzieherinnen, sind stärker betroffen. Dabei mangelt es nicht nur an Geld, sondern auch an der Möglichkeit, am sozialen Leben teilzunehmen. Menschen, die arm sind, haben oft mit Einsamkeit und Isolation zu kämpfen: Sie können nicht ins Kino oder essen gehen. Außerdem stehen diese Menschen unter großem Stress, da sie dauernd schauen mit dem wenigen Geld für Essen, Wohnen, Heizen und Kleidung irgendwie auszukommen.
Wie groß ist die Kluft zwischen Arm und Reich? WRENTSCHUR: Soziale Ungleichheit und Spaltung der Gesellschaft nehmen gerade in Krisenzeiten stark zu, wodurch sich soziale Probleme verschärfen.
Die Anzahl an Privatkonkursen ist heuer wieder angestiegen. WRENTSCHUR: Nur selten werden Schuldner bei der Kreditvergabe darauf hingewiesen, dass immer etwas passieren kann und sie deshalb das Geld nicht zurückzahlen können. Wichtig wäre auch, die Schuldnerberatung einzuschalten, bevor ein Kredit fällig gestellt wird und eine Lösung zu suchen.
Armut hat auch oft mit fehlender Bildung zu tun. WRENTSCHUR: Bei geringer Bildung besteht ein größeres Risiko arm zu werden. Umso wichtiger ist ein inklusives Bildungssystem mit qualitätsvoller frühkindlicher Förderung. Damit könnte bei Kindern aus bildungsfernen Familien noch Vieles ausgeglichen werden. Zudem hat sich die Unterstützung durch die Schulsozialarbeit bewährt. Diese hilft bei alltäglichen Problemen, Kinder und Jugendliche können sich so besser aufs Lernen konzentrieren.
Wie hängen Armut und Arbeitsmarkt zusammen? WRENTSCHUR: Zunehmend werden Anträge auf Mindestsicherung von Menschen gestellt, die zwei oder drei Jobs haben und trotzdem nicht genug verdienen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf - Arbeit muss Existenz sichernd sein! Außerdem ist es wichtig, bei Armut hinzuschauen und zu verstehen, dass Armut oft mit Vorurteilen und Stigmata verbunden ist.

















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