Bezirks- und Gemeindesuche
Einmal online in die Kirche gehen
Die evangelische Kirche Judenburg überträgt als erste ihrer Art Gottesdienste online im deutschen Sprachraum. Am Sonntag um 10 Uhr startete die Premiere im Netz.

Foto © Sonja HaiderOnline-Gottesdienste: die beiden Computergenies Jonathan Prokop und Benjamin Galler (v.l.) mit Pfarrer Tadeusz Prokop
Wenn es um technische Daten, Onlinenetzwerke, Kabelverlegung und den Computer im Allgemeinen geht, ist Jonathan Prokop ein echtes Genie. Dieses Wissen rund um Internet und Co. ist für seinen Vater Tadeusz Prokop, Pfarrer der evangelischen Kirche in Judenburg, ein wahrer Segen.
"Wir haben ein Projekt gestartet und werden als erste evangelische Gemeinde im deutschen Sprachraum unsere Gottesdienste online übertragen", strahlt Pfarrer Prokop.
Seit Jänner tüftelt Sohn Jonathan gemeinsam mit Freund Benjamin Galler und auch Vater Tadeusz an der Installation von Kameras und anderen technischen Feinheiten, damit heute, am 1. Oktober, der erste Gottesdienst live übertragen wird. "Ich hatte in dieser Sache keine Erfahrungswerte und musste viel herumtelefonieren, Ausrüstung bestellen, Mikrofone überprüfen und was weiß ich noch", berichtet Jonathan Prokop. Er hat im Alleingang sämtliche Kabel verlegt und Kameras installiert.
Testphase
Nach einer zweimonatigen Testphase wird heute der erste Gottesdienst auf www.evang-judenburg.eu ab 10 Uhr übertragen. "Bei unseren Testläufen hatten wir sogar Zuseher aus Berlin", freut sich Tadeusz Prokop. Für ihn ist das Online-Angebot kein Ersatz für einen Kirchenbesuch. Vielmehr will Prokop eine eigene Online-Kirchengemeinde schaffen. "Die Menschen können sich auch per Internet einbringen. Wir haben einen Chatroom", erklärt Sohn Jonathan. In Zukunft möchte Pfarrer Prokop, dass sich die Internet-Zuseher auch live einbringen. "Ob das technisch möglich ist, müssen wir noch austesten", meint er.
Günstig
Ein ähnliches Modell gibt es bereits in der katholischen Pfarrgemeinde Hartberg. "Dort hat die Anlage aber rund 80.000 Euro gekostet, wir haben nur ein Zehntel, also 8000 Euro, ausgegeben", schmunzelt Tadeusz Prokop. Internetrecherchen und Material aus China sowie unentgeltliche Dienste von Sohn Jonathan, der das Projekt für sein Studium nutzen will, haben dazu beigetragen.
Für die Online-Gottesdienste werden Jonathan Prokop und Benjamin Galler in einem eigenen Regieraum die Übertragungen leiten. "Wir steuern in diesem Raum die drei Kameras per Joystick und können mit einem speziellen Gerät Bilder überblenden ", erklärt Benjamin Galler die Vorgangsweise.
Für die Gottesdienste muss Tadeusz Prokop nun auch Drehbücher schreiben. "Wir müssen uns abstimmen, wo wer wann steht und wie wir vorgehen. Sonst kann es vorkommen, dass niemand im Bild ist und das will ich nicht", erklärt er den Grund dafür.
Die Gottesdienste werden jeden ersten und dritten Sonntag ab 10 Uhr übertragen. Bereits abgehaltene Gottesdienste stehen zwei Wochen im Internet. "Wenn jemand eine Live-Übertragung versäumt hat, kann er die Aufzeichnung noch einmal ansehen", erklärt Jonathan Prokop.


















-Anzeigen



