Bezirks- und Gemeindesuche
Briefkastenfirma, die nicht einmal einen Briefkasten hatte
Grazer Geschäftsmann soll Investoren um 1,5 Millionen Euro betrogen haben. Staatsanwalt sprach am Mittwoch von "Scheingehabe" des Angeklagten, um seine Geschäftspartner zu täuschen.

Foto © APA/Sujet
Schon bei der Feststellung der persönlichen Verhältnisse des Angeklagten keimt der Verdacht: Es wird kompliziert. "Wie viel haben Sie bis zu Ihrer Verhaftung verdient?", fragt Richter Karl Buchgraber den 46 Jahre alten "Dr. h.c. der Universität Colombo" und "Honorarprofessor der Uni Madras". "7000 Euro plus 1500 . . ." - "Sie hatten ja nicht einmal ein eigenes Konto." - "Ja, ich kann das auch erklären." Wenn auch weitschweifig. "Warum waren Sie nicht bei Ihrer Frau gemeldet?" - "Ein Versehen. Aber jeder wusste, wo ich bin."
Geschäftsmann
Da hakt Staatsanwalt Heinrich Bubna-Litic in seinem Vortrag ein. Der Grazer Geschäftsmann Heinz-Peter P. habe gezielt versucht, für seine Gläubiger nicht greifbar zu sein. Er habe gewerbsmäßig Geschäftspartner unter anderem mit dubiosen Bauprojekten im Irak betrogen. In der kurdischen Stadt Sulaymania sollte etwa ein ganzer Stadtteil, "Fort Knox", errichtet werden, das ebenso wie ein noch größeres Nachfolgeprojekt "Europapark" durch das Versagen Platzers nicht zustande gekommen sei. Zehn Betrugshandlungen mit einem Schaden von rund 1,5 Millionen Euro listet die Anklage auf. Nach einem Konkurs habe P. 500.000 Euro Schulden mitgeschleppt. "Er ließ alle Partner über seine finanziellen Verhältnisse im Unklaren. Er täuschte Bonität vor, die er nie hatte."
Am Sitz der "Sunshine Investment SE" in Brüssel etwa gab es nicht einmal einen Briefkasten, nur eine Pizzeria. "Er ist wie eine Spinne in einem Netz gesessen, hat die Fäden gezogen, Opfer hineingelockt, sie ausgesaugt und wieder ausgespuckt", fasst der Staatsanwalt zusammen. Er habe noch nie, entgegnet Verteidiger Gerald Ruhri, eine "so schlechte und tendenziöse Anklage gehört". Sein Mandant sei Opfer einer Intrige. Gezielt seien etwa Gerüchte gestreut worden, er sei ein Spion Israels. "Das kann in Kurdistan ein Todesurteil sein." Zeugen aus Israel, Frankreich oder Russland seien nicht gehört worden. Einige Geschäfte seien nur durch die Haft nicht zustande gekommen. Überhaupt: "Ein fehlgeschlagenes Investment ist Pech, kein Betrug."
"Fühlen Sie sich in irgendeinem Punkt schuldig?", fragt der Richter den Angeklagten. "In keinem einzigen." Er sei froh, nach 41 Wochen U-Haft endlich zu allem Stellung nehmen zu können. - "Das ist Ihr Recht." 16 Verhandlunsgtage sind angesetzt.

















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