Bezirks- und Gemeindesuche
Kripo ist einem Eier-Skandal auf der Spur
Hausdurchsuchungen und Kontrollen in oststeirischem Eierhandels-Betrieb. Ex-Mitarbeiter hatten Anzeige erstattetet. Wurden ungarische Eier als steirische verkauft?

Foto © APASind minderwertige Eier aus Ungarn durch falsche Deklaration als "steirische Frischeier" verkauft worden?
Einem möglichen Lebensmittelskandal sind derzeit die Staatsanwaltschaft Graz und das Landeskriminalamt Steiermark auf der Spur. In einem oststeirischen Eierhandels-Betrieb sollen grobe Ungereimtheiten aufgetreten sein. Der schlimmste Verdacht: Minderwertige Eier aus Ungarn wurden durch falsche Deklaration als "steirische Frischeier" verkauft.
Seit der Vorwoche sind in dem Betrieb die Kontrollore Dauergast. Die Prüfer der Agrarmarkt-Austria (AMA), dessen Gütesiegel ein Teil der Produkte der Firma zierte, interessieren sich für den Fall genauso brennend wie die Umweltgruppe des LKA Steiermark. Mehrere Hausdurchsuchungen wurden durchgeführt, Computer und Akten beschlagnahmt, Geschäftsführung und Mitarbeiter einvernommen.
Eier aus Ungarn
Im Zentrum der Vorwürfe steht der 36-jährige Geschäftsführer der als Genossenschaft organisierten Eierhandelsfirma. Er soll neben dem offiziellem Verkauf "schwarz" mit den Lebensmitteln auch gehandelt haben. Dabei ging es, so der Vorwurf, aber nicht nur um Eier aus steirischer Freiland- und Bodenhaltung. In großen Mengen sollen Eier aus ungarischen Legebatterien eingeführt und beim Verpacken mit einer falschen Herkunftsbezeichnung versehen worden sein. Wie die Kleine Zeitung erfuhr, sollen sich Mitarbeiter einmal sogar geweigert haben, die Eier zu abzupacken, weil sie schon augenscheinlich nicht mehr frisch waren. Offensichtlich haben also viele in der Firma von den Machenschaften gewusst, wohl aber aus Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes geschwiegen. Die Stimmung unter der Belegschaft war zuletzt am Boden, einige Angestellte wurden entlassen oder gingen freiwillig. Drei Mitarbeiter wollten dem Treiben aber nicht mehr länger zuschauen und erstatteten vor kurzem Anzeige. Sie dürften die dubiosen Geschäfte auch dokumentiert haben und über umfangreiches Beweismaterial verfügen.
Bei der Polizei bestätigt man entsprechende Ermittlungen. "Wir stehen aber erst am Anfang und müssen noch mehrere Personen dazu einvernehmen", sagt ein Kriminalbeamter. Auch der Geschäftsführer - für ihn gilt die Unschuldsvermutung - gab sich gegenüber der Kleinen Zeitung kurz angebunden: "Ich kenne die Anschuldigungen, sie kommen aus internen Firmenkreisen. Ich weiß nicht, ob damit die Firma geschädigt werden soll oder meine Person."
Über ihren Rechtsanwalt Roland Weinrauch ließ das Unternehmen mitteilen, dass die Vorwürfe nicht nachvollziehbar seien. Nun sei die AMA im Haus und würde alles prüfen, man müsse einmal abwarten, was dabei herauskommt. "Aus unserer Sicht sind die Warenflüsse jedenfalls nachvollziehbar. Die erhobenen Anschuldigungen bedrohen die Existenz der Firma und die damit verbundenen Arbeitsplätze", lautet die Stellungnahme. "Der Betrieb wurde von uns bis auf Weiteres im Rahmen des Gütesiegels gesperrt", bestätigt Martin Greßl, Leiter des Qualitätsmanagments der AMA. Nach Auftauchen erster Hinweise habe man die Kontrollen intensiviert und alle Warenflüsse überprüft, dabei sei man auf Ungereimtheiten gestoßen. "Diese betreffen aber die Vergangenheit. Wir haben strenge Maßnahmen gesetzt und überwachen laufend den Betrieb, um so etwas für die Zukunft auszuschließen", so Greßl, der von einem "kompletten Einzelfall" spricht.
Wie die an sich strengen Überprüfungen der AMA und der "Kontrollstelle für artgemäße Nutztierhaltung" umgangen werden konnten, müssen nun die Ermittler klären. Auch ist unklar, wer von den mutmaßlichen Schwarzgeschäften profitiert hat. Als Geschädigte bleiben neben den ehrlich produzierenden Landwirten auf jeden Fall die Kunden übrig. Die "Erzeugergemeinschaft Frischei", der die betroffene Firma angehört, beliefert sämtliche große Handelsketten in Österreich, aber auch Spitäler und Altersheime sowie Bäckereien und Teigwarenproduzenten. Die Handelsriesen haben nach Bekanntwerden der Vorwürfe bereits ihre Verträge gekündigt.

















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