Bezirks- und Gemeindesuche
Voves: "Traurigste Stunde der Grazer SPÖ"
Nach ruinösem Machtkampf in der Grazer SPÖ lässt Landeschef Franz Voves die Köpfe rollen. Elke Edlinger und Wolfgang Riedler müssen gehen. Bis Herbst wird die Partei völlig neu aufgestellt.
Quelle © KLZ DIGITAL Voves beendet Sesselrücken in der Grazer SPÖ
Nur sechs Tage lang stand Elke Edlinger an der Spitze der Grazer Genossen - am Donnerstag um 18.30 Uhr musste sie unter dem Druck von Landesparteichef Franz Voves das Handtuch werfen. Es war ein schmerzhafter Schlusspunkt nach einem ruinösen Kampf um die Macht in der Grazer SPÖ, der in den 24 Stunden davor endgültig eskaliert ist. Edlingers Polit-Karriere ist vorbei, auch wenn sie als Sozialstadträtin bis 23. September weitermacht.
Der zweite Knalleffekt: Ihr Vorgänger und Widersacher Wolfgang Riedler musste doch das Amt des Stadtrates zurücklegen. Ihn beerbt vorübergehend eines der - wie er selbst sagt - "altgedienten Schlachtrösser" der Partei, Karl-Heinz Herper. Der 64-jährige Grazer Gemeinderats-Klubchef wurde noch am Nachmittag angelobt.
Trotz dieser Notoperationen ist die Grazer SPÖ in Totenstarre. Voves, der gerade in Graz eine geeinte Partei braucht, um im September das Amt des Landeshauptmannes gegen die ÖVP zu verteidigen, war der Operateur der - noch - nicht vollendeten Aktion. Intensive Gespräche sollen bis Mittwoch die Basis legen, dass die Grazer SPÖ wenigstens wieder für Voves kämpft und nicht sich selbst zerfleischt.
Elke Edlinger, nach sechs Tagen schon Ex-Vorsitzende der SPÖ-Graz
Frau Stadträtin, Sie haben die Partei mit dem Versuch der Machtübernahme zur Implosion gebracht. Wie lautet Ihr Fazit?
ELKE EDLINGER: Aus meiner Sicht war es immer noch ein notwendiger Schritt für die Partei. Dass das so ausgegangen ist, damit war nicht zu rechnen. Aber durch meinen Rücktritt heute mache ich den Weg frei für die Totalerneuerung der Grazer SPÖ.
Aber diese öffentliche Selbsthinrichtung einer Partei in Kauf zu nehmen – war Ihr Schritt nicht auch ein politischer Fehler?
EDLINGER: Ich bin überzeugt, dass Stillstand das Schlechteste für diese Partei ist. Ich hoffe nun aber, dass die Grazer Sozialdemokratie die Chance auf einen Neustart wirklich nützt, um 2013 bei der nächsten Grazer Gemeinderatswahl wieder gewinnen zu können.
Wie sehen Ihre nächsten Schritte aus? Ihre politische Laufbahn ist nach diesem Fiasko ja beendet.
EDLINGER: Ich bleibe ein politischer Kopf, aber jetzt muss ich mich neu orientieren, überlegen, was ich in Zukunft beruflich mache. Ich bin jetzt noch drei Monate lang Stadträtin und werde natürlich noch voll arbeiten.
INTERVIEW: BERND HECKETränen und Leichenblässe
"Es geht uns allen nicht gut", bilanzierte Voves bitter, als er sich den Medien stellte. Keiner der Mitakteure widersprach. Die vier Parteigranden waren nach stundenlangen Verhandlungen, Vorwürfen und Selbstvorwürfen, Rücktritten und Schlichtungsversuchen vor die Medien getreten.
Elke Edlinger konzentriert und gefasst, mit steinerner Miene. Wolfgang Riedler leichenblass. Er hatte am Nachmittag im Grazer Rathaus bei seinem Abgang die Tränen der Enttäuschung nicht mehr halten können. Herper mit der ernsten und offenen Miene des schon oft Geprüften. Und Franz Voves, der sich "in einer der traurigsten Stunden der Grazer Partei" bei aller Konzentration einen Rest an professioneller Lockerheit bewahrte.
Die Stunden davor müssen für alle unglaublich hart gewesen sein. Auch für Landesrätin Bettina Vollath, die als Hoffnungsträgerin für Graz gilt, und für Sozialreferent Siegfried Schrittwieser, auch eines dieser "alten Schlachtrösser" mit der Kraft der Erfahrung. Sie hatte Voves in etlichen Gesprächen beigezogen. Bezüglich Vollath machte er aber klar, dass diese "dezidiert nicht" nach Graz wechseln werde, wie das manche gern hätten. Offensichtlich soll sie in dieser Phase keinen Schaden nehmen.
Das Ergebnis ist nicht mehr als das absolute Minimum, um die Handlungsfähigkeit der Partei zu gewährleisten. Edlinger und Riedler sind in der SPÖ weg vom Fenster, Herper neben Edlinger Statthalter im Grazer Stadtsenat. Doch die SPÖ der zweitgrößten Stadt Österreichs hat momentan keine Führung. Und das gezählte 13 Wochen vor der schicksalhaften Landtagswahl.
Desaster
Einen geschäftsführenden Parteichef will Voves bis Mittwoch gefunden haben. Dann tagt der Parteivorstand, der ihn legitimiert. Da Vollath offenbar nicht zur Verfügung steht, ist Rätselraten angesagt. Die Partei, ihre Funktionäre und die Mitglieder werden nicht zur Ruhe kommen. Auch die große Autonomie, welche die Grazer SPÖ laut Parteistatut hat, steht nach diesem Desaster längerfristig auf dem Prüfstand. Schon seit Jahrzehnten bereiten die Grazer Sozialdemokraten den Landesparteivorsitzenden Missvergnügen.
Voves, der sonst gern langatmig und ausschweifend wird, zeigte ungewöhnliche Schwächeerscheinungen: "Ich bin nicht böse, wenn es heute keine Fragen mehr gibt". Es war wahrscheinlich der einzige Wunsch, der ihm erfüllt wurde. Demonstrativ herzte Voves zum Abschluss erst Edlinger, dann Riedler. Es waren endenwollende Umarmungen.


















-Anzeigen


