Bezirks- und Gemeindesuche
Zu Tode geschüttelt: Aufklärungskampagne für Eltern
Grazer Mediziner warnt: "Gefährlichkeit des Schüttelns von Babys wird verkannt". Das Schütteln des Säuglings ist auf jeden Fall zu unterlassen. Es kann im schlimmsten Fall zum Tode führen.

Foto © APA/Sujet
Ein schreiendes Baby kann Eltern an den Rand der Verzweiflung führen. Auch wenn erneutes Füttern, Windelwechseln, Herumtragen oder sanftes Wiegen nichts nützen: Das Schütteln des Säuglings ist auf jeden Fall zu unterlassen. Es kann beim Kind schwere Verletzungen verursachen, die mitunter sogar zum Tode führen können. Als erste Stadt in Österreich hat nun Graz eine entsprechende Aufklärungskampagne initiiert.
Verletzungen
Erschöpfung, Frustration und das Gefühl der Ohnmacht können dazu führen, dass Eltern versuchen, das Kind durch heftiges Schütteln zum Schweigen zu bringen: Das Ergebnis sind schon nach wenigen Sekunden innere Blutungen, Gewebe- und Knochenverletzungen, schilderte Nikolaus Krebs vom Ludwig Boltzmann Institut (LBI) für Klinisch-Forensische Bildgebung am Donnerstag im Pressegespräch. Das Institut und das Amt für Jugend und Familie haben eine Informationskampagne initiiert, als im Vorjahr ein zu Tode geschütteltes Baby eingeliefert wurde. "Die Gefährlichkeit des Schüttelns von Babys wird verkannt. Wir wollen bekanntmachen, welche Folgen es hat und welche Hilfe es für verzweifelte Eltern gibt, damit es nicht dazu kommt", so Hein.
Durch das Schütteln prallt das Gehirn des Babys an die Schädelinnenseite. Es entstehen Kräfte, die zum Einriss von Blutgefäßen, Einblutungen unter die harte Hirnhaut, Hirnschwellung, Netzhauteinblutungen, Knochenbrüchen bis hin zu Weichteilverletzungen führen können, schilderte der Mediziner. Auch wenn die Folgen nicht unbedingt tödlich sind, können ernste Schäden im Zentralnervensystem entstehen, die erst nach Jahren und manchmal nie wieder heilen. "Die Kinder bekommen z. B. Entwicklungsstörungen mit Seh-, Hör- oder Sprachausfällen", schilderte Veronika Zobel, Leiterin des Ärztlichen Dienstes des Grazer Jugendamtes. Ab sofort bekommen junge Eltern einen Info-Folder in die Grazer Geburtenmappe beigelegt, der über die Gefahren aufklärt und Adressen auflistet, wo genervte Eltern Hilfe erhalten können. Konkrete Zahlen zur Häufigkeit dieser Misshandlung fehlen für Österreich. An der Grazer Kinderchirurgie wurden in den vergangenen zehn Jahren ein Fall mit tödlichem Ausgang und fünf Fälle mit ernsten Verletzungen bekannt, so Axel Haberlik, stellvertretender Leiter der Grazer Kinderchirurgie. Mit Hilfe von modernen radiologischen Verfahren ist es heute möglich, die Folgen des Schüttelns genau von Verletzungen nach Stürzen oder anderen Unfällen zu unterscheiden, betonte Katrin Yen, Leiterin des LBI für Klinisch-Forensische Bildgebung.


















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