Bezirks- und Gemeindesuche
Ärmere Jugendliche haben größere Probleme
Erstmals zeigt ein Bericht umfassend auf, wie gesund die steirische Jugend ist. Wenig Bildung, Armut und schlechtere Gesundheitschancen hängen zusammen.

Foto © Franz Pfluegl - FotoliaWie gesund ein Kind oder Jugendlicher ist, hängt aber auch wesentlich vom Status und Einkommen seiner Eltern ab
Komasaufen, Fast-Food-Orgien. Österreichs Jugend kommt in vielen Medienberichten zurzeit nicht besonders gut weg. Leben sie tatsächlich so ungesund, wie es die Schlagwörter vermuten lassen? Umfassende Studien darüber gab es in der Steiermark bisher nicht. Der von der FH Joanneum erstellte steirische Kinder- und Jugendbericht 2010 zeigt nun auf, wie es um die Gesundheit der Jugend bestellt ist.
Eines zeigt der Bericht deutlich: Die Lebensumstände, gesundheitliche Risikofaktoren und mögliche Krankheiten haben sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert.
Einkommen der Eltern
Wie gesund ein Kind oder Jugendlicher ist, hängt aber auch wesentlich vom Status und Einkommen seiner Eltern ab. "Gesundheit und Gesundheitschancen sind ungleich verteilt", sagte Gesundheitslandesrätin Bettina Vollath gestern, bei der Präsentation des Berichts.
Bildung und Armut
In der Steiermark leben mehr Kinder und Jugendliche in einem Umfeld mit niedrigem sozialen Status als in anderen Bundesländern. Es gibt mehr Alleinerzieherinnen. Auch der Anteil jener Kinder, deren Eltern einen niedrigen Bildungs- und Beschäftigungsstatus haben, ist größer. Wenig Bildung, Armut und schlechtere Gesundheitschancen hängen zusammen.
Deutlich erkennbar ist dies etwa bei den Auswertungen zum Übergewicht oder zum Rauchen. So neigen etwa Buben aus sozial schlecht gestellten Familien deutlich eher zu Übergewicht als jene aus gut gestellten Familien. Bei Mädchen ist es interessanterweise umgekehrt. Doch stechen diese etwa beim Rauchverhalten hervor. Insgesamt rauchen mehr Mädchen als Burschen. Und überdurchschnittlich viele Mädchen aus ärmeren Familien greifen täglich oder wöchentlich zur Zigarette.
Ganz deutlich wird das Problem der sozialen Schicht aber beim Alkoholkonsum. Während insgesamt 15 Prozent der Jugendlichen von 11 bis 15 Jahren angeben, schon mindestens zwei Mal betrunken gewesen zu sein, waren es unter den Jugendlichen aus ärmeren Familien 22 Prozent.
Krankheiten
Krankheiten durch Bewegungsmangel, Fehlhaltung oder falsche Ernährung sind auch bei Jugendlichen häufiger geworden. "Gesundheitsfördernde Maßnahmen müssen deshalb so früh wie möglich einsetzen", sagte Vollath. Sie fordert gemeinsame strategische Lösungen. Die bestehenden steirischen Gesundheitsziele sollen so umgesetzt werden.
Zu wenig Bewegung
Nur jeder Fünfte zwischen 11 und 15 Jahren bewegt sich täglich mindestens eine Stunde. Jeder Zehnte zwischen 11 und 15 in der Steiermark ist übergewichtig oder gar adipös (fettleibig). Es gibt jedoch weniger übergewichtige Kinder und Jugendliche als im gesamtösterreichischen Schnitt.
Die Aktion "Gemeinsam Essen" mit regionalen Produkten in Kindergärten, Kasernen oder Lehrlingsheimen oder die Kariesprophylaxe in Schulen sieht Vollath als Beispiele dafür. Bei der steirischen Gesundheitskonferenz am 22. Juni sollen die Ergebnisse des aktuellen Berichts eine Diskussionsgrundlage sein.
Trotz aller Probleme steht übrigens nun fest: 87 Prozent der steirischen Jugendlichen sind mit ihrer Lebenssituation zufrieden.
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Zum Thema
Weniger junge Menschen
Der Anteil der Kinder und Jugendlichen (0 bis 19 Jahre) an der Gesamtbevölkerung sinkt. Gab es im Jahr 1991 in der Steiermark noch 24 Prozent, sank ihr Anteil bis 2001 auf 22 Prozent. Im Jahr 2009 waren es nur noch 20 Prozent. Zum Vergleich: In Österreich beträgt der Anteil der Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung 21 Prozent. In Österreich wie auch der Steiermark gibt es mehr männliche als weibliche Jugendliche.


















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