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Zuletzt aktualisiert: 11.05.2010 um 21:40 UhrKommentare

Kirche will "heiße Eisen" wie Priesterkinder diskutieren

Mit einem "offenen diözesanen Gespräch" will Bischof Egon Kapellari die steirische Kirche aus der Krise führen. Und vielleicht auch Signale nach Rom aussenden.

Bischof Egon Kapellari will die steirische Kirche aus der Krise führen

Foto © KanizajBischof Egon Kapellari will die steirische Kirche aus der Krise führen

Am Anfang stand die Krise: sexueller Missbrauch von Jugendlichen durch Geistliche und Prügelstrafen in kirchlichen Erziehungseinrichtungen. Sie bewirkten, dass in der gesamten Steiermark die Austrittszahlen nach oben schnellten.

Nach einer Schrecksekunde stand in der Kirchenleitung fest: es gilt zu reagieren. Aber bereits in diesem Punkt schieden sich die Geister. Die Beharrlichen in der Diözese forderten, es dabei zu belassen, die Priester außer Dienst zu stellen, die sich Vergehen hatten zuschulden kommen lassen. Radikalreformer hingegen verlangten ein steirisches Konzil oder eine Synode. Zu beiden war Diözesanbischof Egon Kapellari nicht bereit. Er argumentierte, dass er im nächsten Jänner mit Vollendung seines 75. Lebensjahres seinen Rücktritt als Bischof in Rom einreichen werde. Und er wolle seinem Amtsnachfolger keinen Prozess überlassen, den dieser nicht initiiert habe.

Aber an der Basis rumorte es deutlich weiter, was Bischof Kapellari veranlasste, ein "offenes diözesanes Gespräch" zu initiieren. Den Startschuss setzte er am Dienstag, indem er die Namen jener Laien und Priester bekannt gab - siehe Info-Kasten - die in den nächsten Wochen all jene Fragen bündeln sollen, die die Menschen bewegen. Über diese soll im Herbst ein Gesprächsforum eröffnet werden, an dem nicht nur Katholiken, sondern auch Ausgetretene teilnehmen sollen.

"Es soll ein möglichst umfassendes Gespräch sein", erklärt Andrea Ederer, Vorsitzende des Diözesanrates. "Wir wollen zunächst einmal zuhören. Und zwar wo die Nöte der Gläubigen, der kirchentreuen und kirchenfernen, liegen, wo jene der Priester ohne Amt sind und wie es den Priesterkindern geht, die es eigentlich gar nicht geben darf."

Es würde in der Kirche schon lange brodeln, aber "jetzt dürfe man endlich darüber reden", meint Ederer zu dem in Gang gesetzten Gespräch hoffnungsvoll. Sie setzt aber hinzu: "Wir werden immer weniger Katholiken und nicht selten stehen wir vor der Situation, dass man die Botschaft der Kirche nicht hören will. Wir müssen, um das pastorale Netz zu stärken, ganz ungewöhnliche Zugänge eröffnen, vielleicht auch bislang nie gedachte Wege beschreiten."

Schulterschluss gefragt

Doch da gibt es natürlich auch Grenzen. Denn viele der Themen, wie etwa der Zölibat, sind nicht auf diözesaner Ebene, sondern nur im Rahmen der Weltkirche lösbar.

Aber auch da will die steirische Kirche nicht - wie dies bislang oft geschehen ist - auf die Zuständigkeit Roms verweisen, sondern "gute Argumente sammeln, um sie in Rom vorzubringen".

Ein weiterer Schritt, so Georg Plank, Pressesprecher der Diözese, könnte ein "Schulterschluss innerhalb der österreichischen und dann mit den deutschen Diözesen sein. Wenn diese gemeinsam ihre Anliegen in Rom vorbringen, dann hat das sicher Gewicht."

Eine solche erste Möglichkeit der Vernetzung bietet die Tagung von 500 Pfarrgemeinderäten aus ganz Österreich an diesem Wochenende in Mariazell. Daran nehmen auch alle Bischöfe teil. Sie werden sich sehr klare Fragen anhören müssen.

Zurück in die Steiermark, wo zwar schwer große inhaltliche, aber doch strukturelle Änderungen vorgenommen werden können: "Es ist vorstellbar, dass Laien und da wiederum Frauen in Führungsrollen aufsteigen und sogar Frauen in die Ausbildung von Priestern eingebunden werden", erklärt Plank.

WOLFGANG SOTILL

DIÖZESANES GESPRÄCH

Unter der Leitung von KA-Generalsekretär Erich Hohl gehören der Gesprächsgruppe an: Andrea Ederer und Nikolaus Putzen bacher aus dem Diözesanrat, Eva Fraißler (DKO), die Pfarrer Johannes Freitag (Pfarrverband Trofaiach) und Rudolf Rappel (PV Knittelfeld), Sonja Hiebler, Weizer Pfingstvision und Ex-Leiterin des Amtes für Junge Kirche sowie ihre Nachfolgerin Tamara Strohmayer, Pastoralassistentin, Ruth Jaroschka, Vorsitzende der Diözesanen Frauenkommission, Bernhard Körner vom Institut für Moraltheologie und Dogmatik, Hans Putzer, KA-Präsident und Karl Veitschegger vom diözesanen Pastoralamt.

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