Bezirks- und Gemeindesuche
Hoffen, dass Rom reagiert
Sonja Hiebler von der "Pfingstvision" über das "offene Gespräch".

Foto © KanizajSonja Hiebler
Die Krise der letzten Wochen hat gezeigt, dass den Menschen viele kirchliche Fragen unter den Nägeln brennen, die nicht in Graz, auch nicht in Wien, sondern nur in Rom zu lösen sind. Welchen Sinn macht also dieses "offene diözesane Gespräch" überhaupt?
SONJA HIEBLER: Natürlich können wir nichts ändern, was Rom vorbehalten ist. Aber wir als Ortskirche haben sehr wohl auch unsere Möglichkeiten. So haben wir die Chance auf strukturelle Veränderungen innerhalb der Diözese. Aber wichtiger sind inhaltliche Erneuerungen. Um ein Beispiel zu nennen: Es geht etwa in Fragen der Arbeitswelt darum, dass wir wieder näher bei den Menschen sind. Wir wollen als Kirche an ihrem Leben teilhaben und sie sollen mitgestalten. Zudem ist es uns ganz wichtig - und zwar in einem positiven Sinn - wieder mehr Einfluss auf die Gesellschaft zu gewinnen, indem wir als Kirche Werte einbringen.
Lenken solch schöne Worte nicht ein wenig von der jüngsten Krise ab, die selbst Menschen, die sich zum Kernkreis der Kirche zählen, verärgert hat?
HIEBLER: Ja, die Leute haben recht, wenn sie auf die Kirche böse sind, die einen Boden bereitet hat, auf dem Menschen, die ein stark verschobenes Sexualverständnis hatten, gedeihen konnten. Vielleicht sind es tatsächlich kirchliche Strukturen, die solche Menschen anziehen. In allen Fällen müssen wir - freilich den Opfern zuerst und dann den Tätern - helfen, vorausgesetzt, sie zeigen den ehrlichen Willen zur Besserung. Aber ohne von unseren kircheninternen Problemen abzulenken: Wir müssen den Blick auf die Menschen richten und viele von ihnen durchleiden gleichzeitig mehrere Krisen. Finanzielle, in der Arbeitswelt, spirituelle. . .
Die steirische Kirche ist veränderungswillig. Wie aber überbrückt man doch ein deutliches Lagerdenken innerhalb der Diözese und was wird Rom sagen? HIEBLER: Wir müssen die Vielfalt zulassen. Aber man wird achten müssen, dass keine Gruppierung ihre partikularen Interessen anderen aufzwingt. Und Rom? Die katholische Kirche will und muss sich verändern. Wir können nur hoffen, dass auch Rom reagiert.

















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