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Steirischer Grünen-Spitzenkandidat Willnauer tritt zurück
Knalleffekt bei Grünen: Ab sofort stehen sie ohne Spitzenkandidat für die Landtagswahl da. Da muss wohl Parteichef Kogler selbst antreten.

Foto © APAJörg Martin Willnauer wirft das Handtuch
In den letzten Wochen fragten sich viele, was mit den Grünen los ist: Die Landespolitik legte zahlreiche Bälle auf, aber kaum ein Grüner fand sich, der versuchte, einzunetzen. Erklärbar war das noch bei Parteichef Werner Kogler, ihn hatte eine schwere Lungenentzündung mehrere Wochen außer Gefecht gesetzt. Jetzt ist er wieder halbwegs fit.
Völlig unverständlich hingegen die landespolitische Nicht-Existenz des vor wenigen Monaten aufs Schild gehobenen Spitzenkandidaten Jörg-Martin Willnauer. Des Rätsels Lösung fand sich in den Terminspalten der Kulturseiten: Statt großer Auftritte auf der politischen Bühne tingelte Willnauer als Kabarettist durch die Lande - angeblich auf seiner Abschiedstour.
Dabei ist er aber auf ganz andere Gedanken gekommen: "Politik und Kunst sind zwei unterschiedliche Parkette", ließ er gestern wissen. Er habe versucht, "einen anderen Stil" in die Politik zu bringen, sei damit in der kurzen Zeit aber gescheitert. Die Folge: Der Abschied aus der Politik noch vor dem Einstieg. Darüber sind nicht wenige Grüne froh, Willnauer wurde zwar akzeptiert, aber nie richtig integriert.
Jetzt blitzartig einen neuen Spitzenkandidaten aus dem Hut zu zaubern, ist unmöglich. Noch dazu einen, der im Land bekannt ist und der sowohl das grüne Innenleben als auch die Politik beherrscht. Offiziell wird hektisch gesucht, aber am Ende kann nur einer stehen: Parteichef Kogler selbst. Bisher hat sich der Nationalratsabgeordnete und Eva Glawischnig-Stellvertreter gewehrt. Jetzt wird er nicht mehr Nein sagen können.
Gefragt, ob nicht auch sie infrage käme, meint die Grazer Vizebürgermeisterin Lisa Rücker, es wäre "nicht gut, jetzt auch noch in Graz umzubauen", um die Baustelle auf Landesebene zu beenden. Kogler sei für sie "in vieler Hinsicht der Richtige", bei den Themen Finanzkrise, Gerechtigkeit und Energie gebe es "keinen Besseren als ihn".
Glück im Unglück haben die Grünen bei ihrer Listenerstellung für die Landtagswahl. Zwar haben sie die Listen in den Regionalwahlkreisen bereits erstellt und auf der Landesliste die wichtigen Plätze eins bis vier bereits gewählt. Weil man damals aber mit der ewigen Wählerei nicht fertig wurde, musste für die restliche Liste ohnehin eine weitere Landesversammlung einberufen werden. Da wird man auch Platz eins neu wählen müssen. Aktuell bastelt man daran, den Parteitag von Juni auf Mai vorzuverlegen (siehe auch Interview Seite 26).
Derzeit liegt die steirische FPÖ in Umfragen gut, aber nicht sensationell. Vor allem aber liegt sie deutlich unter ihrem Potenzial. So liegt sie in der aktuellen OGM-Umfrage in Graz bei rund zehn Prozent. Alexander Segert, bekannt durch die Anti-Minarett-Kampagne in der Schweiz, der neue Wahlkampfberater, verstreut Optimismus: Wegen ein paar Prozent mehr sei er "nicht in die Steiermark gekommen, dafür sind die Flugpreise zu hoch". Er will hoch hinaus, das Potenzial der FPÖ schätzt er auf 25 bis 30 Prozent. Gemeint: Selbst wenn es nur gelingt, knapp die Hälfte auszuschöpfen, sitzt die FPÖ mit Parteichef Gerhard Kurzmann wieder in der Landesregierung.

















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