Bezirks- und Gemeindesuche
Bankräuber von Thal entpuppt sich als Serientäter
Vor zwei Jahren hatte ein Ungar in Graz eine Bank ausgeraubt. Nur eineinhalb Jahre saß er dafür im Gefängnis, zwei Tage nach seiner Entlassung schlug er in Graz wieder zu. Bei seiner dritten Tat in Thal war am Dienstag Endstation.

Foto © APA/SujetbildDer Täter wurde in einem Wald am Steinberg von einem Suchhund aufgespürt
Imre R. (25) kauert hinter einem Baumstumpf und versteckt sich vor den schwer bewaffneten Polizisten, die das Waldstück am Steinberg Meter für Meter durchkämmen. Er hört den Hubschrauber, der über den Bäumen kreist. Er hört das Kläffen der Hunde. Immer enger zieht die Polizei den Fahndungsgürtel zusammen. Imre R. weiß, wie es ist, wenn man als Räuber gejagt wird. Er ist nicht das erste Mal auf der Flucht.
Schon vor zwei Jahren hatte er die Volksbank in Graz-Liebenau ausgeraubt und sich danach in einem Maisacker versteckt. Er war noch während der Alarmfahndung gefasst worden. Dann saß er eineinhalb Jahre in Haft, schlug aber bereits zwei Tage nach seiner Haftentlassung Ende März dieses Jahres bei einem Überfall auf eine Filiale der Raiffeisenbank in der Wetzelsdorferstraße schon wieder zu und konnte flüchten. Diesmal - am Dienstag in Thal - gibt es für den Ungar aber kein Entkommen.
Überfall auf Raiba Thal
Wenige Minuten vorher, Dienstag, 11.50 Uhr: Imre R. stürmt in die Raiffeisenbank in Thal bei Graz - mit einer Pistolenattrappe in der Hand und mit dunklen Sonnenbrillen "maskiert". "Schnell, Schnell", sagt er zu den beiden weiblichen Angestellten. Zwei Kunden verlassen den Schalterraum fluchtartig.
Die Kassierin - sie ist schon mehrmals überfallen worden - öffnet die Kassenlade. Der Täter bedient sich selbst. Vor der Bank wartet der Komplize in einem blauen Nissan Primera, der auf eine in Graz lebende Ungarin zugelassen ist. Der Raubüberfall dauert nur 35 Sekunden. Dann flüchten die Täter Richtung Steinberg.
Vor dem Anwesen Steinbergstraße 6, nur wenige Kilometer vom Tatort entfernt, ist die Fahrt zu Ende. Christa (46) und Manfred (51) Dirnbäck arbeiten im Garten, als der blaue Pkw auf der Zufahrtsstraße vor ihrem Bauernhof auftaucht. Die Bäuerin: "Das Auto hat angehalten, zwei Männer sind herausgesprungen und über die Straße in den Wald gerannt. Sie wirkten nervös. Uns kamen sie sofort verdächtig vor."
Die Großfahndung nach den Bankräubern läuft bereits. Alarmpunkte werden besetzt. Die Hitzendorfer Streife rast zum Tatort nach Thal. Die Streife Lieboch 1 biegt in die Steinbergstraße ein - und wird von Christa und Manfred Dirnbäck gestoppt: "Sucht ihr jemanden, da sind zwei Männer in den Wald gelaufen", teilt die Bäuerin der Polizei mit. Sofort werden die Einsatzkräfte aus dem ganzen Bezirk Graz-Umgebung zusammengezogen. Die Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität, Streifen des Grazer Stadtpolizeikommandos, Hundestreifen und Beamte der Raub-, Fahndungs-, und Tatortgruppe des Landeskriminalamtes jagen die flüchtenden Täter. Einsatzleiter Josef Stummerer: "Wir sind gut 40 Mann hier."
Aufgespürt
Auch die Hundeführer Bernd Walk und Robert Zettinig sind mit ihren vierbeinigen Schnüfflern im Gehölz unterwegs. Zuerst finden sie zwei Pistolenattrappen, welche die Täter weggeworfen hatten. Kurze Zeit später schlagen "Patton" und "Akino" erneut an. Sie haben Imre R. gestellt, hinter dem Baumstumpf, hinter dem er sich versteckt hält.
Der Komplize kann zwar entkommen, er wird aber rasch identifiziert. Denn im Fluchtfahrzeug finden die Kriminalisten zahlreiche Hotelrechnungen und Dokumente mit seinem Namen: Es handelt sich um den Ungarn Carolly D. (40). Nach Stunden wird die Fahndung abgebrochen.
Am späten Nachmittag ist auch die Flucht von Carolly D. zu Ende. Er irrt in der Gegend umher und wird von Passanten gesehen. Als die Polizei eintrifft, flüchtet er neuerlich in den Wald und versteckt sich hinter einem Gebüsch. Die Polizisten entdecken ihn sofort und nehmen ihn fest. Das Geld vom Überfall hat er eingesteckt. Die Beute wird zur Gänze sichergestellt.
Auch nach der Fahrzeughalterin läuft eine Fahndung. Denn es ist nicht auszuschließen, dass sie in den Überfall verwickelt ist. "Wir suchen diese Frau", sagt Werner Rampitsch, Leiter der Raubgruppe im Landeskriminalamt und lobt den Polizeieinsatz. "Dieser Erfolg war nur möglich, weil das Zusammenspiel zwischen allen Einsatzkräften erstklassig funktioniert hat."
Übrigens: Die Räuber hatten sogar in einem Grazer Luxushotel genächtigt.

















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