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Koralmbahn: Kritiker verstummen nicht
Offiziell ist bei der Koralmbahn alles auf Schiene, inoffiziell aber rumort es weiter: Obwohl bereits 800 Millionen Euro verbaut sind, zweifeln Experten an dem Milliardenprojekt.

Foto © APABau der Koralmbahn
"Wir bleiben im Zeitplan und im Finanzierungsplan": sagt Verkehrsministerin Doris Bures (SP). Für sie sind Nachfragen zum größten Infrastrukturprojekt in der Steiermark und Kärnten, der Koralmbahn, bereits zur Routine geworden. Die Gefahr, dass das finanziell angeschlagene Kärnten den Bau ins Wanken bringen könnte, sieht man in Wien zur Zeit aber nicht. Auch Landeshauptmann Gerhard Dörfler beruhigt: "Für mich ist dies das wichtigste Projekt im Süden, wir kommen unseren Verpflichtungen nach. Alles andere ist Blödsinn." Kärnten musste nach der Hypo-Schlappe 150 Millionen Euro für die Verstaatlichung der Bank locker machen, Geld, das für die Koralmbahn reserviert war. Der Kärntner Anteil für 2010 sei gesichert, sagt Dörfler, ab 2011 werde das Land die Raten wie die Steiermark aus dem laufenden Budget zahlen.
Querschüsse
Dennoch: Kritiker verstummen nicht und aus Wien kommen weiterhin politische Querschüsse gegen das Projekt. VP-Verkehrssprecher Ferry Maier hatte zuletzt die Verschiebung "um 40 Jahre" aufs Tapet gebracht. "Kommt nicht in Frage", kontert das Verkehrsministerium. Doch Maier bleibt im Gespräch mit der Kleinen Zeitung bei seiner Linie: "Ich halte die Investition für überprüfungswürdig, denn es kommen enorme Kosten für Finanzierung und Betrieb auf uns zu. Hingegen bezweifle ich, dass es die Warenströme geben wird, die diese Strecke rechtfertigen." Er sage das nicht, "weil ich Wiener bin", fügt Maier hinzu. Eine Rüge der steirischen Verkehrslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder (VP) ist ihm gewiss: "Über die Wichtigkeit dieses Projektes besteht in der Steiermark Einigkeit, auch wenn das manche Gruppen in Wien nicht zur Kenntnis nehmen wollen."
Experten uneinig
VP-Mann Maier ist nicht allein mit seiner Kritik. Fachleute listen eine Fülle von Argumenten auf - die einen pro, die anderen kontra. Einig sind sich alle darin, dass die Koralmbahn nur in Kombination mit dem Semmeringbasistunnel sinnvoll ist. Dort stehen die Signale derzeit auf grün. Die ÖBB hatten die Koralmbahn einst zurückgereiht, weil sie beim Kosten-Nutzen-Verhältnis schlecht abschneidet - nun findet sich auf der Website der Bundesbahn das "Argumentarium Koralmbahn" des Instituts für Eisenbahnwesen und Verkehrswirtschaft der Technischen Universität Graz (siehe "pro"), das zehn Seiten lang Gründe für den Bau auflistet. Dagegen wird sich Sebastian Kummer, Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik der Wirtschaftsuniversität Wien, mit seiner Position in der Steiermark wenige Freunde machen. "Die ÖBB bauen alles gleichzeitig und sind damit überfordert", sagt Kummer mit Verweis auf mehrere Großprojekte und den riesigen Schuldenberg. "Doch man wird den Verdacht nicht los, dass das schlechteste Projekt zuerst gebaut wird." Die Semmeringröhre sei für die Steiermark wichtig, stimmt Kummer zu, "an zweiter Stelle sehe ich aber den Ausbau der Pyhrnstrecke, den die Industrie mit Nachdruck eingefordert hat". Der Autocluster würde davon mehr profitieren. Auch Kummer sagt: "Mit der Koralmbahn wird eine enorme Kapazität aufgebaut, die wenig Nutzen stiftet. Die Steiermark müsste mehr in Richtung Osten schauen."
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Die Koralmbahn
Die Koralmbahn soll Graz und Klagenfurt verbinden. Kernstück ist der 33 Kilometer lange Koralmtunnel mit seinen beiden Röhren. Die bisherige Auftragssumme beträgt rund eine Milliarde Euro, rund 800 Millionen Euro wurden verbaut. Die Gesamtkosten betragen 5,1 Milliarden Euro (Basis 2009). Geplanter Vollbetrieb: Ende 2020.






















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