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Zuletzt aktualisiert: 31.12.2009 um 04:00 UhrKommentare

Der Rutsch ins Glück 2010

Die letzte Nacht des Jahres ist etwas ganz Besonderes. Die Kleine Zeitung hat hinter die Mythen von Kleeblättern, Marienkäfern und Fliegenpilzen geblickt.

Schweinchen und Co. sind zu Silvester beliebte Glücksbringer

Foto © APASchweinchen und Co. sind zu Silvester beliebte Glücksbringer

Und dann ist wieder Mitternacht - die Glocken läuten, aus dem Radio ertönt der Donauwalzer und die Korken knallen mit den Feuerwerkskörpern um die Wette. Alle Jahre wieder - und genau das ist es, was diesen Tag so besonders macht und was für die Menschen auch so wichtig ist.

Ängste beim Jahreswechsel

Die Ritualforscherin Adelheid Schrutka-Rechtenstamm vom Institut für Kulturanthropologie der Karl-Franzens-Universität Graz beschreibt die Bedeutung des Jahreswechsels folgendermaßen: "Übergänge, wie auch jener ins neue Jahr, sind immer mit Ängsten verbunden." Was wird das kommende Jahr bringen, welche Veränderungen stehen bevor, werde ich meine Vorsätze in die Tat umsetzen können...?

"Fixe Rituale wie das Walzertanzen oder Bleigießen, die jedes Jahr wiederholt werden, geben Stabilität und Sicherheit und helfen uns, diese Angst zu überwinden." Man konzentriert sich so sehr auf das Einhalten des rituellen Rahmens, dass man die Angst - die meist unbewusst vorhanden ist - vergisst. Rituale, erläutert Schrutka-Rechtenstamm, sind im weitesten Sinn symbolische Handlungen, die dafür sorgen, das Leben in einen gleichmäßigen Fluss zu bringen. Und: "Je schwieriger die Zeiten und die individuelle Situation, desto mehr stützt man sich auf Altvertrautes."

Aber vor allem in den letzten 40 Jahren haben sich Rituale stark verändert. "Allgemein gültige Handlungsweisen verlieren immer mehr an Bedeutung. Persönlicher Lebensstil und regionale Faktoren prägen heutige Rituale", so Schrutka-Rechtenstamm. So muss also jeder für sich selbst den passenden Rahmen zum "Drüberrutschen" finden.

Unsere Vorfahren nannten sie ehrfurchtsvoll die "Zeit zwischen den Jahren", doch auch heute haben es die zwölf Nächte zwischen St.-Thomas-Tag (21. Dezember) und dem Dreikönigstag in sich. Ihren Höhepunkt erreichen diese "Unternächte" zu Silvester.

Tore zur Geisterwelt stehen offen

Da berichten die Geschichten der Alten zum Beispiel von der Frau Percht, die es auf die Seelen der ungetauften Kinder abgesehen hat. Hört man deshalb Schritte in der Nacht, sollte man nicht vor die Tür gehen. Das sollte man aber allein deshalb schon vermeiden, weil laut altem germanischen Glauben gerade zur Silvesternacht die Tore ins Geisterreich offen stehen. Nicht umsonst wird gerade zum Jahreswechsel seit jeher ganz besonders viel Lärm gemacht - weil dieser vertreibt bekanntlich die bösen Geister.

Kein Wunder auch, dass bis heute das Befragen von Orakeln - etwa durch Bleigießen - besonders beliebt ist. Wie schon am Heiligen Abend sollen in der Nacht auf den 1. Jänner sogar manche Tiere sprechen können und die Zukunft vorhersagen. Für jene Menschen, die das hören, bedeute es aber Unheil.

Die Silvester-Raunacht gilt mancherorts sogar als derart gefährlich, dass nicht nur unentwegt gebetet wird. Alles muss in Ordnung gehalten werden, es darf keine Wäsche hängen (weil sich darin die Geister verfangen könnten). Und die Bauern vergessen selten darauf, Haus und Stall mit Weihwasser und Weihrauch zu segnen.

Wirkungsvoll

Nach dem feuchtfröhlichen Jahreswechsel ist aber speziell der 1. Jänner von ganz besonderer Bedeutung: "Morgenrot am ersten Tag, Unwetter bringt und große Plag'", heißt es bis heute. Außerdem sollte man keine Hühner servieren ("die kratzen zurück"), sehr wohl aber einen Saurüssel (bringt Glück) und Linsensalat (Geld). Bevor man ans Essen denkt, sollte man die Reste vom Vorjahr aber weggeräumt haben, die bringen nämlich mindestens so viel Unglück wie die Begegnung (Pardon) mit einer alten Frau.

Überhaupt haben es die Steirer immer noch mit den Hexen: In der Südweststeiermark wird besagter Frau Percht ein Glas Milch bereitgestellt. In St. Lorenzen ziehen alte Frauen mit Besen von Haus zu Haus. Sie überprüfen, ob wirklich alles sauber ist - nach der rauschenden Silvester-Party.

HEIKE KRUSCH, ROBERT PREIS, SONJA SAURUGGER

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Marienkäfer

Seinen Namen hat der Glückskäfer von der Jungfrau Maria, die, so glaubte man im Mittelalter, das Insekt als Hilfe für die Bauern geschickt haben soll. Aber nicht nur sein Fleiß (ein Marienkäfer vertilgt bis zu 150 Blattläuse am Tag) macht ihn zum Glücksbringer. Trägt er doch auf seinem Rücken Punkte, und zwar genau sieben - eine magische Glückszahl.

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Fliegenpilz

Schon vor der Einführung des Alkohols war der Fliegenpilz in Sibirien in getrockneter Form ein beliebtes Rauschmittel. Die in ihm enthaltenen Gifte führen zu Halluzinationen und zu starker Erregung, bis hin zur Euphorie. In überschaubaren Dosen verabreicht, brachte der Fliegenpilz also Glück - eine Zuschreibung, die er bis heute behalten hat.

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Hufeisen

Dem Eisen wurden im Volksglauben Zauberkräfte nachgesagt. Es sollte vor Geistern schützen. Mit der Öffnung nach unten wurden Hufeisen deshalb an Eingängen angebracht, weil man meinte, der Teufel könne nicht unter einem Eisenbogen hindurchtreten. Heute hängt man sie mit der Öffnung nach oben auf, damit das Glück nicht herausfallen kann.

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Vierblättriger Klee

Die Legende besagt, dass Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies ein vierblättriges Kleeblatt fand. Seither steht es für Glück und Wohlstand. Auch sein seltenes Vorkommen dürfte für die Zuschreibung außerordentlicher Kräfte verantwortlich sein. Der Klee ist weiters ein Weltensymbol, er verkörpert die vier Himmelsrichtungen und die Elemente.

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Rauchfangkehrer

Im Mittelalter kam es häufig vor, dass in den Wohnräumen Feuer ausbrach, die den Bewohnern nicht selten das Leben kosteten. Die Ursache dieser Brände war meist ein schlecht gereinigter Rauchfang. Es galt daher als großes Glück, wenn der Rauchfangkehrer die Wohnung rechtzeitig aufsuchte, um so ein schlimmes Unglück zu verhindern.

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