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Zuletzt aktualisiert: 26.11.2009 um 19:49 UhrKommentare

Herr der Striche

Petar Pismestrovic, Karikaturist der Kleinen Zeitung, zählt für Kollegen zur Elite der politischen Zeichenkunst. Ironimus erklärt hier warum.

Petar Pismestrovic

Foto © Helmut WeichselbraunPetar Pismestrovic

Zu den ältesten Spuren menschlicher Existenz gehören Zeichnungen prähistorischer Kollegen, die wir in Höhlen und auf Felsplatten gefunden haben, ein triftiger Grund für die Behauptung, dass der älteste Beruf in vertikaler Position ausgeübt wurde.

Unter den frühen Künstlern befanden sich scheinbar nicht wenige Karikaturisten, da die meisten dieser Werke Merkmale der Karikatur tragen: in wenigen Strichen das Wesentliche zu zeigen.

Karikaturen im weitesten Sinne zeichnete man bereits im alten Ägypten, man findet sie auf den Vasen Griechenlands und in vielen Variationen im klassischen Rom. Die ersten Ansätze politischer Karikaturen gehen zurück auf die Zeit der Reformation und Konfessionskriege. Drei britische Künstler legten im 18. Jahrhundert die Basis für die moderne politische Karikatur: William Hogarth, Thomas Rowlandson und - last, but not least - James Gillray, der wohl als erster dieses Metier berufsmäßig ausübte.

In der heutigen Zeit sind die Zeitungskarikaturen (editoral cartoons) ein wichtiger Beitrag zur Sichtbarmachung der gesellschaftlichen Entwicklung in Österreich. In der Nachkriegszeit wurde erstmals die tägliche politische Karikatur vom damaligen Chefredakteur Gerd Bacher vom Bildtelegraph eingeführt.

Heute haben alle Tageszeitungen eine tägliche politische Karikatur mit meist eigenständigen Künstlern. Es waren Rudolf Angerer, Erich Sokol, Dieter Zehentmayr. Und heute herausragend im Blätterwald Petar Pismestrovic. Es ist der Herausgeberschaft und dem Chefredakteur der Kleinen Zeitung zu danken, dass sie Petar Pismestrovic zu ihrem Leibzeichner gemacht haben, der mit viel Erfolg auch international mit seinen beispielhaften Zeichnungen die Kollegen der schreibenden Zunft kräftig unterstützt.

Der politische Karikaturist hat sich kein leichtes Metier ausgesucht. Mit seiner künstlerischen Veranlagung hätte er genauso gut Maler, Werbegraphiker, Illustrator oder Zeichenlehrer werden können.

Vielleicht ist die Komplexität der Ansprüche, die dieser Beruf an Journalisten mit der Zeichenfeder stellt, der Grund dafür, dass sich eine neue Generation politischer Karikaturisten profiliert hat. Manchmal sind ihre Arbeiten zum Lachen, öfter Anlass zum Lächeln, doch wenn sie sich selbst übertreffen, erstirbt dem Beschauer die Mundbewegung. Dann ist die Karikatur zur Anklage oder Warnung geraten, und es ist dem Zeichner gelungen, graphische Signale zu geben, aufmerksam zu machen und zum Nachdenken anzuregen.

Paul Flora bemerkte sehr treffend: "Die Arbeit des Karikaturisten, sagt man, soll verwandt sein mit der Arbeit des Geschichtsschreibers: Beide tun dasselbe - sie sehen genau hin, lassen weg und übertreiben! Humoristen und Philosophen tun dasselbe: Beide riskieren die Narrenfreiheit und denken - beides ist der Verzicht auf die Anstrengung, dumm zu bleiben."

Die zeichnenden Journalisten, wie Petar Pismestrovic, sind wichtiger Bestandteil im heutigen Land der Printmedien. Vom Strichmännchen bis zur farbigen Porträtkarikatur wird alles aufgeboten, was zur Unterhaltung und zum Sichtbarmachen gesellschaftlicher Zustände gehört.

Vorrangig und international bemerkenswert sind die Karikaturen von Petar Pismestrovic, der zweifelsohne zur Elite der politischen Zeichenkunst in Europa gehört.


Fakten

Hinter dem Pseudonym "Ironimus" steht der Architekt Gustav Peichl, der selbst als einer der bedeutendsten Karikaturisten Europas gilt.

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