Bezirks- und Gemeindesuche
"Der bravste Protest, den es je gegeben hat"
Bei einer weiteren Großdemo werden die Studenten am Donnerstag allerdings wieder lautstark auf die Barrikaden steigen.

Foto © Marija Kanizaj13 Tage harren die Studenten mittlerweile in den drei besetzten Hörsälen der Grazer Vorklinik aus
Zur Zib 2-Zeit geht es noch immer rund im Hörsaal A der Grazer Vorklinik. Es geht um die Dinge, die die Studenten am Donnerstag bei einer weiteren Großdemo - es werden rund 2000 Menschen erwartet - unter Beweis stellen werden. Um Krawall und Remmidemmi. Mit dem kleinen Unterschied, dass beides hier auch ganz leise funktioniert. Es geht ums "kämpferisch und trotzig bleiben" und darum, dass "alles schön romantisch besetzerisch abläuft." Im Plenum wird diskutiert, ob Hörsaal C wieder freigegeben werden soll.
Das Mikro wandert durch die Reihen, die Rednerliste wird eingehalten. Eine korrekte Rebellion mit einem Schuss Bürokratie. Müll wird getrennt, zu Mittag gibt's veganes Kartoffelgulasch, die Meinung des anderen wird akzeptiert und die Musik ab zwei Uhr morgens leiser gedreht. Nicht vorstellbar, dass diese Masse am Donnerstag mit Megaphonen und Trillerpfeifen bewaffnet durch die Grazer Innenstadt ziehen wird. "Es ist wahrscheinlich der bravste Protest, den es je gegeben hat", sagen Christina und Dani kurz nach Mitternacht und nehmen einen Schluck von ihrem Bier. Die Dose landet ordentlich im passenden Müllsack.
Einmaleins der Rebellion
Schließlich wird gegen die Freigabe des Hörsaals gestimmt, dafür wird aber eine Arbeitsgruppe "Verwaltung des Hörsaals C" gegründet. Eine von mittlerweile 14. Währenddessen verfasst Sebastian Wisiak von der Österreichischen Hochschülerschaft in ebendiesem eine seiner Botschaften. Sein kleines Einmaleins der Rebellion: "Man gibt einen Brief auf, aber keine Forderungen." Er ist seit dem zweiten Tag dabei und hat viele Nächte hier verbracht. Mit Isomatte und Schlafsack. Tagsüber geht er nach Hause. Duschen und umziehen. "Sonst sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr."
Viele meinten anfangs sie könnten ewig so weiter machen. Sie standen dann vorne am Rednerpult, blass um die Nase und wurden immer langsamer beim Reden. Am Donnerstag hängt neben "Ich will nicht protestieren, ich muss!"-Plakaten auch die Botschaft "Wichtig, schlafen!!!"
Kurz nach Mitternacht sitzen Christina, Dani und Flo beisammen. Es läuft Bob Marleys: "Get up, stand up". Vorgeschmack auf den Aktionstag. Zuerst haben sie sich gefragt, was das "Kasperltheater" soll, sie wollen kein Plenum versäumen. "Plötzlich gehören wir zusammen." Sicherheitsmann Ilir - wegen einschlägiger Plagegeister im Einsatz - tippt planlos auf dem Kopierer herum. Halb zwei, es ist still geworden in der Vorklinik. Wie lange sie wohl noch aushalten? "Bis auf weiteres", sagt einer und zerdrückt seine Bierdose. Sie landet im passenden Müllsack.



















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