Bezirks- und Gemeindesuche
Im Apfelpreis ist der Wurm drin
Der Apfelpreis hat sich seit dem Vorjahr halbiert, weil die Lager randvoll sind und der Export in den Osten immer schwieriger wird. Die Preisschlacht trifft vor allem steirische Bauern.

Foto © APAApfelpreise fielen in den Keller
Zwei Kilogramm steirische Qualitätsäpfel um 0,99 Euro. Ein Sechs-Kilo-Kübel randvoll mit saftigen steirischen Golden-Delicious-Äpfeln um 3,99 Euro. Was in den heimischen Supermärkten derzeit rund um die heimische Obstsorte Nummer eins passiert, kann wohl nur mit dem Titel Preisschlacht umschrieben werden.
Saurer Apfel für Bauern
Während Konsumenten angesichts solch historisch niedriger Preise genussvoll zugreifen, müssen die steirischen Obstbauern derzeit in den sauren Apfel beißen. "Die Preise haben sich seit dem Vorjahr schlichtweg halbiert", sagt der junge Apfelbauer Lorenz Spielhofer, der in Nitscha bei Gleisdorf einen Obstbaubetrieb bewirtschaftet. Der laut Eigendefinition "grundsätzlich immer optimistische" Obmann der steirischen Obstbauern sieht aber auch für die kommenden Jahre "sehr, sehr schwierige Zeiten" kommen. Der Grund: Es ist viel zu viel Ware da, die im kommenden Jahr wahrscheinlich nicht zur Gänze verkauft werden kann.
"Die steirischen Lager sind mehr als randvoll", erklärt Ulrich Gößl, Betreiber des Obstlagerhauses in der Apfelregion Puch. "Wir müssen zwischendurch sogar nach Deutschland ausweichen und dort freie Lagerkapazitäten nutzen." Das Problem liegt darin, dass noch immer Äpfel aus dem Vorjahr in den Lagern liegen, die jetzt zu Billigstpreisen entweder zu Fruchtsaftkonzentrat verarbeitet werden oder gar in Biogasanlagen zur Stromproduktion verwendet werden müssen.
Und die Lage spitzt sich zu: Die heurige Ernte in der Steiermark wird mit geschätzten 185.000 Tonnen noch einmal um zehn Prozent über dem Vorjahr liegen. Europaweit sind laut Manfred Stessl von der steirischen Erzeugerorganisation OPST mit 11,5 Millionen Tonnen sogar um 15 Prozent zu viel Äpfel auf dem Markt.
Da wird der Export - die Hälfte der steirischen Äpfel geht ins Ausland - immer schwieriger. "Durch die Währungsabwertung können sich wichtige Abnehmerländer wie Ungarn unsere Ware schwerer leisten", so Gößl. Auch werden die Ostländer vermehrt zu Eigenversorgern. Daher sieht auch Gößl als Großabnehmer die Schleuderaktionen im Supermarkt mit äußerst gemischten Gefühlen. "In Anbetracht dessen, dass wir diese großen Mengen an den Kunden bringen müssen, müssen wir da mitmachen, sonst kommt der erstbeste Lastwagen aus Polen". Andererseits sei der Preis für die Bauern eine Katastrophe.
Drei Cent für Pressobst
Spielhofer befürchtet, dass der Kilopreis für die steirische Hauptsorte Golden Delicious heuer noch unter 20 Cent fallen könnte "Damit unsere Kosten gedeckt sind, brauchen wir 35 Cent." Das könne viele Kleinbetriebe ohne Nachfolger zum Aufhören zwingen. Maximilian Holzmann, ein 26-jähriger Apfelbauer aus Floing, bringt die Preissituation auf den Punkt: "Den Preis, den wir heute für Top-Qualität bekommen, haben wir vor zwei Jahren für Pressobst erhalten." So wurden für einen Kilogramm jener Ware, die nicht für Frischobst geeignet ist, 2007 bis zu 20 Cent bezahlt. Heute sind es zwischen drei und sechs Cent - weil auch hier viel zu viel Angebot und bei der Verarbeitungsindustrie viel zu wenig Nachfrage gegeben ist.
Das trifft auch viele Steirer, die ums Haus ein paar alte Apfel- und Birnbäume stehen haben, wo sich aufsammeln nicht mehr lohnt. Daher werde derzeit auch weniger Pressobst angeliefert, so Gößls Beobachtung. Erwerbsobstbauern wie Spielhofer oder Holzmann setzen als Ausweg auf die Eigenproduktion und -vermarktung von Apfelsaft und Schnaps, statt Pressobst "zum Spottpreis" abzuliefern.
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Lohnt sich nicht
Der schlechte Pressobstpreis trifft auch Tausende Steirer mit einer Streuobstwiese rund ums Haus. Eine Leserin der Kleinen Zeitung aus Mooskirchen liefert ein eindringliches Preisbeispiel: Sie klaubte einen Tag lang Pressobst vom Boden auf, um einen Pkw-Anhänger vollzufüllen. Dann fuhr sie auf eigene Kosten zum Lagerhaus. Für die abgelieferte Menge (530 Kilogramm) erhielt sie gezählte 15,90 Euro.



















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