Bezirks- und Gemeindesuche
Krise trifft junge Steirer am härtesten
Vom Lehrstellensuchenden bis zur Jungakademikerin: Die Krise trifft sie am härtesten. Die steigende Jugendarbeitslosigkeit hat viele Gesichter.

Foto © APA"Man sieht, dass man was schaffen kann" - Rici, Kerstin und Crina mit dem eigenhändig neu gestalteten Mini
Ich war mir immer sicher - ich werde die Leiterin der Vogue", sagt Marie* und lacht. Manche Menschen stecken sich ihre Ziele hoch. Dafür arbeiten sie hart. Ein Studium in Anglistik- und Amerikanistik, die Wifi-Fachakademie für Marketing und Management, Französisch, Gebärdensprache. Marie ist bestens ausgebildet. Dennoch will die 25-Jährige ihren richtigen Namen nicht preisgeben. "Sie wissen nicht, wie peinlich das wäre", sagt sie und die sonst feste Stimme zittert leicht. "In unserer Gesellschaft ist man nur etwas, wenn man einen Job hat."
Marie hat keinen. So wie viele junge Menschen in der Steiermark. 5886 waren es im Juli, um 35 Prozent mehr als vor einem Jahr. Dazu kommen 5869 Jugendliche in Schulungen sowie 1632 Lehrstellensuchende. Und Leute wie Marie, die aus verschiedenen Gründen in keiner Statistik aufscheinen. Etwa, weil sie ihr Studium möglichst zügig absolvieren wollten, und nicht lange genug gearbeitet haben, um Arbeitslosengeld zu beziehen.
Nicht einmal eine Absage
Nach dem Studium war plötzlich nichts mehr sicher. Seit einem Jahr hat sie 40 Bewerbungen geschrieben. 40 in jedem Monat. Jede einzelne gut durchdacht. An Firmen in ganz Europa. "Ich bekomme nicht einmal als einfachste Sekretärin etwas", sagt Marie. "Entweder bin ich überqualifiziert oder sie wollen Erfahrung." Oder es kommt, wie so oft, nicht einmal eine Absage zurück. Schule, Ausbildung, Arbeit. So hatte sie sich ihr Leben vorgestellt. Wie man es von den Eltern kennt. Wer etwas lernt, wird etwas.
Anfangs war sie optimistisch. "Nach zwei, drei Monaten wurde es schrecklich. Man verliert den Sinn fürs Leben, fühlt sich als Mensch zweiter Klasse", sagt sie. Jetzt schreibt sie täglich eine Liste. Der Tag ist eingeteilt, aufstehen um 6.30 Uhr mit ihrem Freund, Ausschlafen gibt es nur am Wochenende. Von einkaufen bis Bewerbungen schreiben steht alles auf der Liste: "Damit man sieht, man hat etwas geschafft." Denn das schlechte Gewissen begleitet Marie ständig. "Die finanzielle Abhängigkeit ist schlimm. Und das Schlimmste ist: Du hast das Gefühl, du kannst es nicht von dir aus ändern."
Gestiegener Druck
Crina und Rici sind stolz auf den nun nagelneuen Mini Cooper, den sie aus einem verrosteten Modell anno 1977 zusammengeschraubt haben. Sie nehmen mit zehn anderen Jugendlichen am Projekt Mini.Art teil, das Mentor mit ACStyria Autocluster im Auftrag des AMS anbietet. Es ist eine Vorbereitung für den Einstieg ins Berufsleben. Die 24-jährige Crina aus Rumänien will KFZ-Mechanikerin werden. "Das größte Problem ist, dass die Firmen keine Mädchen nehmen", sagt sie in akzentfreiem Deutsch. Dennoch lacht sie viel. Und Rici, der Gymnasium und Abendschule abgebrochen hat, strahlt. "Man sieht endlich, dass man was schaffen kann."
"Selbstwertgefühl, das versuchen wir den Jugendlichen zu geben", sagt Sozialpädagogin und Projektmanagerin Beatrix Arlitzer. "Es ist in den letzten Jahren gesunken." Sie führt das auf den gestiegenen Druck zurück, von der Gesellschaft, von den Eltern.
Arlitzer leitet auch das Projekt Kunst.Werk.Arbeit. 32 Jugendliche haben ein Kunstprojekt organisiert und öffentlich aufgeführt. Kerstin war dabei. Die Kindergartenpädagogin wollte nicht länger als Springerin arbeiten und sucht nach einem Kolleg seit einem Jahr eine Stelle als Werbegrafikerin. Oder auch etwas anderes, doch da hört auch sie immer wieder: überqualifiziert. Das Projekt hat ihr Halt gegeben, doch danach? "Ich brauche was zu tun. Es ist schwierig, immer zu sagen, dass man arbeitssuchend ist. Alles ist so unsicher." Und dann die Löcher im Lebenslauf.
Arlitzer ist ehrlich: "Einige wollen lieber vom Staat leben, als zu arbeiten." Diese drei hier sind sich hingegen einig: "Wir wollen arbeiten, unbedingt."
Selbstvertrauen
Das gilt auch für Marie, die ebenso wenig untätig ist, viel Fachliteratur liest und an einer Homepage über Modekommunikation bastelt. Designen und Schneidern, da sieht sie ihr Talent. Und weil sie mit Studium keine Chance hat, selbst Praktika fast unmöglich zu bekommen seien, will sie es jetzt mit einer Lehre als Herrenkleidermacherin versuchen. Um endlich eines zu haben: Eine Aufgabe, die Selbstvertrauen gibt. Und Sicherheit.




















