Bezirks- und Gemeindesuche
Sinnsuche führt Steirer immer öfter zur Religion
Von der katholischen Kirche über den Islam bis zum Buddhismus - das Interesse an Glaubensgemeinschaften ist in Zeiten der Krise groß.

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Es ist eine alte Mär. Wenn es den Menschen schlecht geht, kommen sie in die Kirche. Im Schatten der Wirtschaftskrise müssten die steirischen Gotteshäuser demnach im Moment bis auf den letzten Platz gefüllt sein. Und die Mitgliedszahlen der Kirchen belegen tatsächlich einen Zuwachs. 893.476 Katholiken gibt es derzeit in der Steiermark, das entspricht einer Steigerung der Eintritte von 41,9 Prozent im Vergleich zum Jahr 2007. Das allein der Wirtschaftskrise zuzuschreiben greift für Georg Plank von der Diözese Graz-Seckau aber zu kurz. "Und das Jahr ist noch nicht vorbei." Wegen der Skandale außerhalb der steirischen Kirche befürchtet er sogar einige Austritte.
Neuer Trend zur Religiosität
Hermann Miklas, Superintendent der evangelischen Kirche, nimmt wahr: "Es gibt eine Trend-umkehr unter den Gläubigen." Diese wollen nicht mehr nur am Papier einer Religionsgemeinschaft angehören, sie wollen aktiv werden. "Die Menschen sind in der heutigen Zeit nicht nur auf der Suche nach dem Sinn, sondern auch nach dem sinnhaften Tun." Gemeinschaft, Geborgenheit und vor allem Spiritualität sind die Werte, welche Gläubige in Religionsgemeinschaften suchen würden.
Und nicht nur dort. Denn abseits der anerkannten Glaubensrichtungen boomt vor allem der Esoterikmarkt.
Auch die kleineren Konfessionen in der Steiermark bieten eine Alternative. So verzeichnen beispielsweise die altkatholische Kirche und die Zeugen Jehovas, die erst seit kurzem den anerkannten Religionsgemeinschaften zuzurechnen sind, jedes Jahr einen Zuwachs an Mitgliedern. Im buddhistischen Zentrum Graz besuchen dieser Tage sogar gut viertausend Gläubige aus ganz Europa einen Sommerkurs mit Lama Ole Nydhal.
Bischofsvikar Heinrich Schnuderl glaubt, dass die Menschen in Zeiten der Krise nachdenklicher werden. Auch die Auseinandersetzung mit anderen Glaubensgemeinschaften würde die Menschen zum Überlegen bringen. "Die Menschen sehen das Fremde und fragen sich dann: Wie schaut eigentlich mein eigener Glaube aus?" Die Art des Glaubens an sich verändere sich dadurch aber nicht.
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Interview mit Georg Plank von der Diözese Graz-Seckau
Herr Plank, spüren Sie die Krise in der Form, dass wieder mehr Menschen den Schoß der katholischen Kirche suchen?
GEORG PLANK: Es gibt einen Trend zur Religiosität. Aber Zeiten der Not sind nicht automatisch eine Zeit des Revivals der Kirche. Die aktuelle Krise ist auch eine Vertrauenskrise und für uns die Chance, die Institution zu sein, die sagt, wie Vertrauen wieder aufgebaut werden kann.
Woran liegt es dann, dass Menschen, die Halt suchen, nicht automatisch der Kirche vertrauen?
PLANK: Für viele ist die Kirche museal, traditionell. Da haben wir ein Kommunikationsproblem. Wir sind breit aufgestellt, viele wissen es aber nicht.
Wie kann die Kirche die Chance für sich nützen?
PLANK: Wir sollen leben, was uns aufgetragen ist, mehr tun und weniger reden - zum Beispiel trotz Priestermangels das Netz der Seelsorge und die Infrastruktur erhalten.






















