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Zuletzt aktualisiert: 05.03.2009 um 05:34 UhrKommentare

Folterkommission prüfte die Psychiatrie in Graz

Ein Team von Psychiatern und Juristen der Folterkommission des Europarates untersuchte die Sigmund-Freud-Klinik in Graz.

Drei Tage lang wurden die geschlossenen Bereiche der Sigmund-Freud-Klinik in Graz unter die Lupe genommen

Foto © Erwin ScheriauDrei Tage lang wurden die geschlossenen Bereiche der Sigmund-Freud-Klinik in Graz unter die Lupe genommen

Die "Gäste" kamen unangemeldet: Ein isländischer und ein französischer Psychiater sowie zwei Juristinnen (aus Deutschland und Tschechien), ein Jurist (Deutschland) sowie zwei Dolmetscher von der Folterkomission des Europarates überprüften drei Tage lang die geschlossenen Bereiche der Sigmund-Freud-Klinik in Graz.

Fixiert. Also jene Abteilungen, in denen Patienten unter gewissen Umständen entweder mit Gurten fixiert oder in so genannten Schutzbetten (diese sind mit Netzen gesichert) festgehalten werden. Zum Schutz vor sich selbst und der anderen.

Großes Aufsehen. Die Untersuchung sorgte vor allem innnerhalb der Ärzteschaft für großes Aufsehen und wurde vorschnell auf den Mordfall in der Sigmund-Freud-Klinik vor wenigen Monaten zurückgeführt. Damals wurde ein mit Gurten fixierter und hilfloser Patient von einem anderen Patienten getötet.

Beurteilung der Klinik. Doch bei der Überprüfung handelte es sich lediglich um eine der allgemeinen periodischen Begutachtungen, wie sie europaweit in Psychiatrien durchgeführt werden. Die internationale Untersuchungskommission ging dabei so vor: Zuerst wurden Krankenakten und Gerichtsbeschlüsse studiert, denn jede Fixierung oder Unterbringung in einem Schutzbett muss zuerst von zwei unabhängigen Psychiatern genehmigt und dann von einer Gerichtskommission (Richter/Psychiater) bestätigt werden. Erst dann führte man die allgemeine Untersuchung durch.

Prüfbericht. Der genaue Prüfbericht der Kommission wird dem Ministerium vorgelegt, dem Vernehmen nach gab es positive Beurteilungen für die medikamentösen Therapien, die therapeutischen Ansätze durch die behandelnden Ärzte, die Atmosphäre in der Abteilung sowie die Kooperationsbereitschaft der Verantwortlichen bei der laufenden Untersuchung.

Kritische Aussagen der Untersuchungskommission erfolgten zu formalen Fragen (Aktenweitergabe) und zur Unterbringung in Schutzbetten - ein heikles Thema, das auch in Fachkreisen in Österreich immer wieder für Diskussionen sorgt, obwohl es rechtlich positive Aussagen dazu gibt (siehe Interview rechts).

DIDI HUBMANN, STEFAN WINKLER

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