Bezirks- und Gemeindesuche
Auch der ÖB spürt die harten Zeiten
Sie machen Ihre erste größere Wirtschaftsflaute als steirischer ÖGB-Vorsitzender mit. Wie erleben Sie das?
HORST SCHACHNER: Es war überraschend, dass diese Blase im US-Immobilienmarkt geplatzt ist. Was sich jetzt abspielt, ist für uns schon eine mittlere Katastrophe. Wir haben jeden Tag Hiobsbotschaften über Freisetzungen.
Sind die Mittel der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik für Sie ausreichend?
SCHACHNER: Sie bewähren sich schon. Was der Staat, die neue Regierung, aber machen müsste: Man müsste viel mehr Geld in die Hand nehmen, um die Wirtschaft zu beleben. Wir dürfen nicht Angst verstreuen, sondern müssen sehen, dass die Leute wieder zuversichtlich sein können. In dieser Situation sagen sie: Warten wir, was passiert, wer weiß, wie es weiter geht. Davon kann die Wirtschaft nicht leben.
Also stimmt der Spruch "Geht's der Wirtschaft gut, geht's allen gut"?
SCHACHNER: Wir können es umdrehen: Geht es den Menschen gut, geht's der Wirtschaft gut.
Wie lange wird die Flaute dauern, ist der Tiefpunkt bald erreicht?
SCHACHNER: Das kann noch keiner sagen, keiner traut sich das.
Spürt der ÖGB die Krise, etwa durch vermehrte Austritte? SCHACHNER: Wir spüren die "stillen Austritte": Wenn einer den Arbeitsplatz verliert, überweist die Firma nicht mehr den Gewerkschaftsbeitrag. Wir müssen den dann ausfindig machen und ihn informieren, dass er als Arbeitsloser einen niedrigeren Beitrag zahlt. Wir sind bemüht, das in den Griff zu bekommen.
Welche Initiativen gibt es auf überbetrieblicher Ebene in der Steiermark, um ein Ausbreiten der Flaute zu bekämpfen?
SCHACHNER: Es gab schon einen Sozialpartnergipfel und es werden verschiedene Modelle ausgearbeitet. Für die Arbeiterkammer und den ÖGB ist es ein ganz wichtiger Punkt, dass im Fall von Kündigungen vom Bund und vom Land Geld kommt, um Schulungen über das AMS durchzuführen. Wir müssen diese Leute qualifizieren, damit dann, wenn diese Krise überwunden ist, Top-Facharbeiter auf dem Markt sind. Also: weiterbilden, weiterbilden, weiterbilden!
Also trifft die Welle offenbar jene am schnellsten, die am wenigsten qualifiziert sind?
SCHACHNER: Es trifft die gering Qualifizierten immer als Erste. Man hört es ja auch jetzt bei Magna-Steyr: Die haben viele Leute freigesetzt und nebenbei suchen sie 200 Ingenieure für die Forschung.




















