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Ab die Post
Was vom Traumjob übrig blieb: Ein Briefträger analysiert den täglichen Albtraum eines Berufs, der ihn mittlerweile an die Grenzen der Belastbarkeit treibt.

Foto © LeodolterDie Post bringt allen was: Briefträgern selbst bringt sie aber nicht einmal eine Abgeltung ihrer jetzt schon abfallenden Überstunden
Seine Geschichte beginnt mit einem Lächeln. "Bei der Einschulung vor 20 Jahren machte ich Kurse, wie man sich sozial verhält. Grüßen, Tür aufhalten und alten Frauen die Tasche hinauftragen, das stand damals auf der Liste der Dinge, die wir von der Post zu tun hatten." Das Lächeln erstarrt. "Damals war noch Zeit für so etwas."
Bilder von früher sind meist schwarzweiß. Im Fall des Briefträgers Gert S. (Name geändert) dominiert dagegen das Gelb. Das Gelb der Post. "Denn in den Achtzigern war das wirklich noch etwas. Das war ein toller Job." Und heute? Er nimmt sich die Tasche von der Schulter. "Heute habe ich keine Idee, wie ich das noch länger durchstehen soll."
Im Laufschritt. Der Mann ist 45 Jahre alt und hat eine Familie. Vom Smalltalk-Training von einst ist nur noch wenig übrig. Heute rennt er die Touren, die er früher locker unter der vorgegebenen Zeit schaffte. Kein Wunder: Damals waren es 380 Haushalte, denen er die Post brachte, heute sind es 800. Und wo früher ein so genannter Begehungsbeamter mit einer Stopp-Uhr die Zeit gemessen hat, um den Arbeitsaufwand einzuschätzen, gibt heute "KapNeu", ein gnadenloses Computerprogramm, den Takt vor. Und der sieht so aus: 0,1010 Minuten darf es dauern, einen Brief in einer Einzelstellenabgabe (also einem Einfamilienhaus) abzuliefern. In Hausbriefanlagen geht das naturgemäß schneller - in 0,0808 Minuten. "Die Wahrheit ist aber, es geht sich hinten und vorne nicht mehr aus. Die Manager reden von Einsparungen, von Kündigungen. Aber ich kenne Kollegen, die beginnen jetzt schon um fünf in der Früh, damit sie noch tagsüber ihre Kinder sehen."
Arbeitszeit. Das Einzige, was sich in all den Jahren nicht geändert hat, ist die Arbeitszeit. Sechs bis 14 Uhr. Mit einem klitzekleinen Unterschied. Früher war man vor der Zeit fertig - bei vollen Bezügen. Heute schafft es keiner mehr ohne Überstunden - und die werden nicht bezahlt. "Es gibt ja nicht einmal Arbeitszeitaufzeichnungen. Sogar das Computerprogramm gibt uns vor, die Werbeprospekte zum Großteil in der Freizeit zu falten. Viele Kollegen machen das dann zu Hause mit ihren Kindern. Das muss man sich einmal vorstellen." Er selbst faltet in der Firma. Und ärgert sich. Und denkt verzweifelt an seine Zukunft.
Kreuzschmerzen. "Früher ging ich gern zur Arbeit. Heute ist es nur noch Kampf und Krampf. Die Firma steht auf dem Standpunkt, wer nicht zusammenkommt, ist selber schuld. Ich spüre meinen Körper. Die Kreuzschmerzen nehmen zu." Ja, das sei auch ein Unterschied zu früher, sagt er bitter. "Die Krankenstände werden nicht nur häufiger, sie sind heute auch wirklich welche."
Keine Aufstiegschancen. Gert S. will weg. Irgendwie. "Aber das ist halt auch leicht gesagt. Wer will schon einen, der 20 Jahre bei der Post gearbeitet hat." Und eine Karriere innerhalb des Unternehmens sei heutzutage kaum noch möglich. "Früher hast wenigstens als Schalterbeamter weitergemacht, wenn du als Briefträger nicht mehr können hast. Das geht jetzt nicht mehr. Unterschiedliche Kostenstellen, unterschiedliche Manager." Außerdem: "Von der Pike arbeitet sich bei der Post keiner mehr hoch." Was ihm bleibt, ist eine Zukunft in der KEC, der "Karriere- und Entwicklungsabteilung". Was gut klingt, sieht in der Praxis so aus: Gert S. wäre einer von 800 "ausrangierten" Postbeamten, die nur noch als Springer und Urlaubsvertreter eingesetzt werden.
Verhandlungen. Am Mittwoch verhandelt der Aufsichtsrat einmal mehr über die Zukunft der Postbediensteten. Und wenn Faymanns Vorstoß wirkungslos bleibt, die Kündigungswelle letztlich doch anrollt? "Ganz ehrlich, mir fehlt die Fantasie dafür, wie es dann weitergehen soll. Der Druck der Vorgesetzten steigt, der Stress ist irre, viele haben Probleme zu Hause, kämpfen mit Burnouts und was weiß ich was noch." Er hebt die Schultern. Ratlos.
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Der Druck auf die Mitarbeiter steigtFoto © Leodolter



















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