MissbrauchsvorwürfeTaten in Skihauptschule Neustift waren laut Betroffenen bekannt

Der Heimleiter, offenbar ein Pädophiler, sei jede Woche zu den Buben ins Bett gekommen. "Das war ein Mordstheater an der Schule. Alle wussten es damals", erzählte die Mutter eines ehemaligen Schülers dem Standard. Trotzdem verblieb der Mann weitere drei Jahre im Schuldienst.

TIROL: SKI-MITTELSCHULE NEUSTIFT IM STUBAITAL
© APA/EXPA/JAKOB GRUBER
 

In der Debatte über Missbrauch im österreichischen Sport haben nun ehemalige Schüler und die Mutter eines Betroffenen in der Tageszeitung "Der Standard" (Montagsausgabe) berichtet, dass die Taten in der damaligen Skihauptschule Neustift in den 70er-Jahren keine Einzelfälle und der Schulleitung bekannt waren. Der Täter sei sogar gedeckt worden und blieb im Schuldienst, lautet der Vorwurf.

Der Tiroler Skiverband (TSV), dem die Schulleitung damals unterstand, war für eine Stellungnahme für die APA vorerst nicht erreichbar. Der Heimleiter sei offenbar ein Pädophiler gewesen. "Das war ein Mordstheater an der Schule. Alle wussten es damals", erzählte die Mutter eines ehemaligen Schülers dem Standard. Er war offenbar jede Woche zu den Buben ins Bett gekommen. Ihr Sohn habe sie jedoch angefleht, nichts zu unternehmen, um seinen Traum von der Karriere als Skifahrer nicht zu gefährden.

Drei weitere Jahre im Schuldienst

Laut einem Protokoll einer Sitzung des TSV war die Absetzung des Heimleiters schon 1976 Thema in den höchsten Gremien des Verbandes. Doch erst 1979 wurde er offenbar abgesetzt, da sich die Schule im Herbst nach einem neuen Heimleiter umsehen musste, wie der TSV bereits vergangene Woche bekannt gegeben hatte. Warum der Mann noch drei weitere Jahre im Schuldienst verbleiben konnte und wohin er nach 1979 ging, sei noch unklar.

Die ehemalige Skirennläuferin Nicola Werdenigg, die die Debatte ins Rollen gebracht hatte, sagte indes gegenüber der "Tiroler Tageszeitung" (Montagsausgabe), dass sich bei ihr inzwischen 40 bis 50 Leute gemeldet hätten. Dabei sei es nicht mehr um Kleinigkeiten gegangen, meinte sie, Details wollte sie jedoch nicht bekannt geben. Auf APA-Nachfrage bei der Staatsanwaltschaft haben sich bis Montagvormittag keine weiteren Personen bei der Anklagebehörde gemeldet.

"Ganz normale Schule"

Der Tiroler Skiverband (TSV) hat nun die Trainer und Lehrer in Schutz genommen. "Trainer und Lehrer haben nichts mitbekommen", sagte TSV-Präsident Werner Margreiter. "Die Skihauptschule war eine ganz normale Schule. Der Skiverband stand zwar in enger Verbindung damit, hat aber eigentlich nur das Training übernommen", erklärte Margreiter. Der Heimleiter selbst sei seines Wissens nach lediglich dem Direktor unterstanden. Die damaligen Zuständigkeiten müssten aber erst eruiert werden, fügte er hinzu.

Aus Sitzungsprotokollen, die man mittlerweile gesichtet habe, gehe hervor, dass das Heimleiter-Ehepaar im Herbst 1976 kurz vor Schulbeginn gekündigt hatte, meinte Margreiter. Warum es zu der Kündigung kam, gehe aus den Protokollen aber nicht hervor. Auch, dass der Heimleiter danach noch weitere drei Jahre bis 1979 im Schuldienst verblieben sein soll, konnte Margreiter nicht bestätigen.

Morgen, Dienstag, wird sich der Tiroler Skiverband in einer Sitzung mit der Causa beschäftigen. Auch die Vorstandsmitglieder der Skihauptschule Neustift sollen im Landhaus beraten.

Kommentare (5)

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Spitzer Walter
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Damit

waren die Eltern,nur wegen einer Schikarriere des Kindes mit den
übergriffen einverstanden.Was sind das für Eltern?

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Redridinghood
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auch wenn es der Traum meines Kindes ist

aber wenn einer zu meinem Kind in Bett steigen würde
halte ich nicht die Schnauze!!

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pesosope
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Wem war das bekannt, der Polizei, der Staatsanwaltschaft, den Gerichten...?

...wahrscheinlich niemanden, weil die Kinder es ja zu was bringen sollen. Und das die damalige Verschwiegenheit der Mutter noch viele nachfolgende Schüler ausbaden mussten, ist ebenso eine Sauerei und sollte bestraft werden. Schon allein deswegen, weil auch der Mutter scheinbar die Karriere des Sohnes wichtiger war als sein Seelenheil!

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KleinerGrisu
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Fassungslos

Der Missbrauch von Jugendlichen ist verabscheuungswürdig. Derartiges gehört vor den Vorhang.

Als Verbrechen am eigenem Kind empfinde ich aber auch, dass man das Leben des Kindes für dessen Karriere opfert. Absolut dramatisch, wenn eine Mutter sagt, dass alle es wussten und sie selbst damals auch nichts unternahm.

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Jak39
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Für die Karriere wird

eben manches in Kauf genommen. Besonders von den ehrgeizigen Eltern.

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