Kjetil Jansrud ist am Donnerstag im zweiten Abfahrtstraining der alpinen Ski-Herren im Grödnertal der Schnellste gewesen. Der Führende im Abfahrtsweltcup nahm dem dreifachen Gröden-Sieger Steven Nyman aus den USA 0,05 Sekunden ab und distanzierte den Kärntner Max Franz um 0,12 Sek. Wie am Vortag fuhren drei Österreicher in die Top Ten.

Otmar Striedinger (0,31) wurde eine Hundertstel vor Aksel Lund Svindal Fünfter, Romed Baumann (0,46) belegte den zehnten Platz. Klaus Kröll (0,61), der in Gröden seine 150. Weltcup-Abfahrt in Serie bestreiten wird, und Vincent Kriechmayr (0,74) folgten auf dem 14. beziehungsweise 15. Rang. Auffallend am zweiten Trainingstag waren die extrem engen Zeitabstände, lagen die ersten 20 Läufer doch innerhalb von einer Sekunde.

Weniger gut erging es diesmal Matthias Mayer (1,08), der noch am Vortag Bestzeit erzielt hatte. Der Kärntner, der im Vorjahr auf der Saslong brutal zu Sturz gekommen war, kam nicht über Platz 22 hinaus. Hannes Reichelt (1,66), der erneut mit Nummer eins gestartet war, wurde gar nur 32., wobei dem vor ihm liegenden Christof Innerhofer noch eine Disqualifikation drohte. Die Gröden-Abfahrt findet am Samstag statt, am Freitag geht der Super-G über die Bühne (beide 12.15 Uhr/live ORF eins).

Aufwind bestätigt

Franz sah seinen dritten Rang als Bestätigung des Aufwinds, der die Speed-Truppe des ÖSV nach Val d'Isere angeblich erfasst hat. "Während dem Fahren oben habe ich noch mir gedacht, es war wieder nicht so sauber. Aber dann bin ich gut ins Fahren reingekommen", sagte der Kärntner. "Es ist cool, dass wir da jetzt einmal beim Training schon gut mitreden haben können. Jetzt heißt es Arschbacken zusammenzwicken und das am Samstag noch einmal zeigen."

Ähnlich klang das Statement von Striedinger. "Es ist gut, wenn man im Training schon dabei ist", befand der gebürtige Villacher. Wie Franz musste er sich der ÖSV-internen Quali stellen, beide meisterten diese. "Wie man sieht, wir können schon mehr, als wir in Val d'Isere gezeigt haben", meinte Striedinger. Für Samstag werde er sich allerdings "keine Wunschvorstellungen" zurechtlegen.

Mayer experimentierte am Donnerstag mit einem anderen Ski, wie er im Zielraum verriet. "Der war ein bisschen aggressiver für mich zum Fahren", gab sich der Olympiasieger wenig begeistert. "Also den werde ich am Samstag nicht fahren." Zusätzlich habe er im oberen Teil "gleich einmal einen festen Fehler" gemacht.

Reichelt ratlos

Relativ ratlos zeigte sich Reichelt. "Gestern habe ich runtergebremst, heute bin ich normal runtergefahren und bin nicht viel schneller gewesen", sagte der Salzburger. "Ich bin nicht wirklich vom Fleck gekommen. Vielleicht zu genau gefahren, zu rund teilweise."

Svindal könnte am Samstag den sechsten Erfolg auf der Saslong insgesamt feiern. Gewinnt er am Freitag, wäre es sein fünfter Super-G-Sieg in Gröden. "Es war besser als gestern. Aber darum hat man ja ein erstes Training, da muss man nicht unbedingt Bestzeit fahren", verglich der Tagessechste seine Leistung mit jener am Mittwoch, als er 17. war. Als Favoriten für Samstag bezeichnete er die, "die immer schnell sind".

Das trifft klarerweise auf seinen Landsmann Jansrud zu, aber auch auf US-Boy Nyman. Der 34-Jährige aus dem Bundesstaat Utah hat die Abfahrt 2006, 2012 sowie 2014 gewonnen. Es waren die bisher einzigen Weltcupsiege des Routiniers. "Ich fühle mich in Gröden einfach rundum wohl", sagte der US-Amerikaner. "Schon 2005, als ich das erste Mal hier war, habe ich bei meiner ersten Besichtigung das Gefühl gehabt, dass ich auf dieser Piste gewinnen könnte."