Das "Gelbe Trikot" liegt im Staub der Tour der Schande
Das "Gelbe Trikot" der Tour verliert die Farbe, wechselt in ein Schmutzig-Schwarz. Damit wird auch der Sieger am Sonntag leben müssen.

Foto © APADas "Gelbe Trikot" der Tour verliert durch die Ereignisse der letzten Monate immer mehr an Farbe
Sie rollte am Donnerstag weiter Richtung Paris. Nach den Unwettern in den Pyrenäen. Ohne unerwünschten möglichen Sieger und ohne Gelbes Trikot, das verschmutzt und zerfetzt im Staub der Tour der Schande liegt. Das Peloton strampelt dahin, ohne auch nur den winzigsten Anspruch an fairen Sport zu erheben. Bloß noch als Show, als Sommerparty ohne Wert. Der Radsport steht nicht mehr vor dem Abgrund, man sei einen Schritt weiter, hatte Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer laut überlegt. Aber die Organisation denkt nicht einen Augenblick daran, das Chaos nach den neuesten positiven Erkenntnissen (Winokurow, Rasmussen) zu stoppen.
Ein Feld von Junkies.
Der Pulk rollt. Ein Feld von Junkies, das schon so lange verdächtigt wird. Wer war gedopt, wer bemüßigte die Pharmaindustrie als Beschleuniger. Fausto Coppi hatte nach seinem Tour-Sieg 1952 erwähnt, dass es Hilfsmittel gebe, man die aber nur bei hoher Notwendigkeit verwende. Zusatzfrage: Wann war es notwendig? "Bei der Tour - immer", so der Italiener. 1952? Wen hat's interessiert?
Unfähige Reanimierungsversuche.
Die neuesten Toursieger haben entweder gestanden (Riis), schweigen (Ullrich), leben nicht mehr (Pantani), werden noch immer verdächtigt (Armstrong) oder wissen bis heute nicht, ob sie gewonnen haben oder zu den Blutpanschern zu zählen sind (Landis). Es ist eine Armseligkeit des gesamten Radsports, dass Floyd Landis noch immer nicht Doping 2006 nachgewiesen wurde. Dass es für 2006 noch immer keinen Sieger gibt. Unfähige Reanimierungsversuche eines dahinsiechenden Sports.
Ein Lebenstraum.
Und warum das alles? Warum fahren sie nicht mehr dem Feld voran, sondern den Dopingfahndern davon? Warum ziehen sie Russisches Roulette mit Fremdblut einer Niederlage vor? Die Tour de France wurde zur "Tour der Leiden" hochstilisiert, von Anfang an, mit Etappen über 400 km auf Schotterstraßen, tiefen Abgründen entlang. Und in den Bergen heulten die Wölfe. Das Gelbe Trikot nach Paris zu führen war der einzige Lebenstraum. Dafür riskiert man medizinische Versuche. Auch wenn man weiß, dass sie den Tod bringen können - oder günstiger - bloß die Lebenszeit verkürzen.
Neuer Führender auch Tatverdächtiger.
Es führt nun Alberto Contador aus Spanien. Er rollte im Weißen Trikot (bester Jungprofi) im Kielwasser des "Schon-Schmutzig-Gelben". Der Discovery-Profi gehörte ebenso zum Favoritenkreis, wie sein Name in den Dokumenten des Dopingarztes Eufemiano Fuentes aufgetaucht war. Contador hat die Aufstiegszeit des Lance Armstrong auf das Plateau de Beille (45:30) mit 44:08 pulverisiert. Und so wird auch er damit leben müssen, beim Defilee im Gelben am Sonntag auf dem Champs-Elysee zu den Tatverdächtigen gezählt zu werden. Die Rad-Mafia zu säubern wird eben einige Jahre in Anspruch nehmen.
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Zum Thema
Tour im Dopingsumpf
Michael Rasmussen
Geboren:
1. Juni 1974 in Tølløse (DEN)
Erfolge:
Mountainbike-
Weltmeister 1999,
Straßen-Profi seit 2000,
Gewinner des Tour-Bergtrikots 2005 und 2006.














