Winokurow gedopt: Der Radsport ist nicht mehr zu retten
Einer der Helden der Tour de France ist ein Betrüger: Alexander Winokurow war gedopt und nimmt dem Sport das letzte Vertrauen.

Foto © GEPAIm Doping-Fadenkreuz: Alexander Winokurow
Vor acht Tagen war Alexander Winokurow in Tränen aufgelöst. Nach einem schweren Sturz hatte er in der ersten Alpen-Etappe viel Zeit und damit seiner Ansicht nach den Tour-Gesamtsieg, seinen großen Lebenstraum, verloren. Seine Reaktion darauf aber stürzt einen ganzen Sport noch tiefer in ein Tal der Tränen, in dem er ohnehin schon ist: Der Kasache wurde nach seinem überragenden Sieg im Zeitfahren am Samstag, zwei Tage vor seinem Erfolg auf der schweren Pyrenäen-Etappe nach Loudenvielle, des Blutdopings überführt. In seiner Probe wurden zwei verschiedene Arten von roten Blutkörperchen gefunden. Das deutet darauf hin, dass er kurz vor dem Rennen Blut von einem passenden Spender erhalten habe. Die Ergebnisse der Probe nach Winokurows zweitem Etappensieg stehen noch aus.
1. Doping-Fall
Erst seit den Olymp-
Fehltritt als Absturz.
Eine Nachricht, die den ohnehin schon von vielen totgesagten Sport und sogar die als "unsterblich" geltende Tour de France auf dem linken Fuß erwischt. In Zeiten, in denen die beiden Spitzenreiter - der Däne Michael Rasmussen und der Spanier Alberto Contador - des Dopings verdächtig werden und Auskunft über ihre Versäumnisse bzw. ihre vergangenen Kontakte mit überführten Doping-Ärzten geben müssen, ist jeder Fehltritt ein Absturz. Im Falle einer Ikone - und das war Winokurow zumindest in seiner Heimat - ist es eine Katastrophe.
Razzia
Die französische Polizei hat noch am Dienstag eine
Razzia im Mannschaftshotel des aus der Tour zurückgetre-
Winokurow suspendiert.
Der 33-jährige Winokurow wurde zwar sofort von seinem Team Astana, das er selbst mit Geldern aus Kasachstan gegründet hat, suspendiert. Das Astana-Team wurde vom Tour-Veranstalter ASO "eingeladen", sich sofort zurückzuziehen. Was auch geschah. Doch auch mit diesen Blitzmaßnahmen wird das letzte Fünkchen Vertrauen, das Optimisten noch hatten, nicht mehr entzündet werden können. "Ich bereue es, Astana zugelassen zu haben. Ich bin verraten worden", sagte Patrice Clerc, Präsident der ASO, verbittert.
Suche nach positiven Seiten.
Da mutet es fast wie ein schlechter Scherz an, dass Astana-Manager Marc Biver noch versuchte, positive Seiten zu entdecken. "Vielleicht ist es für den Radsport gut. Weil es zeigt, dass es unmöglich ist, die neuen Kontrollen durch Manipulation auszutricksen", sagte er. Und zitierte wie zum Hohn Winokurow, der die Anomalien in seinem Blut mit seinem schweren Sturz in der ersten Woche erklärte. Warum er deshalb Fremdblut im Körper hatte, wird nur er wissen.
Verzweiflung.
David Millar, selbst des Dopings überführt und seither einer der größten Anti-Doping-Kämpfer im Feld, drückte die Stimmung wohl am besten aus. Der Brite brach in Tränen aus, als er von der Sachlage erfuhr, und stammelte: "Wenn das in unserer Situation einem Fahrer dieses Formats passiert, ist der Radsport nicht mehr zu retten." Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer dem Kommentar eines anderen Radprofis: "Wenigstens holen sie die raus, die rausgehören."
Features
Alexander Winokurow
- Geboren: 16. September 1973 in Petropawlowsk/ Kasachstan geboren.
- Laufbahn: mit 14 Jahren begann er mit dem Radsport, 1992 Übersiedlung nach Frankreich. 1998 erster Profi-Vertrag bei Casino, 2000 - 2005 Team Telekom bzw. T-Mobile, 2006 Liberty Seguros, im Mai 2006 Gründung des Rennstalls Astana
- Erfolge: Silbermedaille Olympia 2000 in Sydney, Sieger Tour de Suisse 2003, Vuelta 2006, Paris - Nizza 2002/2003, Dritter Tour de France 2003
Tour im Doping-Sumpf
Fotoserie
Fakten
Unter den Begriff Blutdoping fallen nur Transfusions-Methoden mit Eigen- (autologe) und Fremdblut (homologe Methode).
Foto

Foto © GEPA
Fakten
Blutdoping-Sünder können nur mittels Blutproben überführt werden. Bis zu drei Wochen nach einer Infusion ist der Nachweis möglich. So findet man in positiven Proben vor allem Spuren von Glykol, das in der Medizin verwendet wird, um Blut zu konservieren.












