Belgischer Doppelsieg bei Tour de France
Gert Steegmans feiert auf der zweiten Etappe einen Heimsieg vor Teamkollegen Boonen. Gesamtführender bleibt der Schweizer Cancellara. Bernhard Eisel belegte als bester Österreicher den zwölften Rang.

Foto © APASteegmans jubelt nach seinem Sieg
Tempo-Macher schlägt Champion. Gert Steegmans, eigentlich als Helfer für Tom Boonen vorgesehen, hat den Ex-Weltmeister am Montag auf der zweiten Etappe der Tour de France ausgestochen. Der 26-Jährige setzte sich im bergauf führenden Zielsprint nach dem 168-km-Abschnitt von Dünkirchen nach Gent vor seinem Teamkollegen durch, womit beim Abstecher der 94. Tour nach Flandern ein belgischer Doppelsieg perfekt war. Bernhard Eisel, der nach einem Massensturz kurzfristig selbst Verantwortung übernehmen musste, belegte Rang zwölf.
Erfolgreich Außenseiter gejagt.
Die belgischen Teams QuickStep und Predictor-Lotto (Vortagssieger
Robbie McEwen belegte Rang sechs) hatten im Finale erfolgreich drei
Ausreißer gejagt. Marcel Sieberg (GER), Ruben Perez (ESP) und Cedric
Herve (FRA) hatten auf ihrer langen Flucht rund fünf Minuten
Maximalvorsprung herausgeholt, wurden aber wenige Kilometer vor dem
Ziel eingeholt. Und dort jubelten auch die Verantwortlichen von
Team-Sponsor QuickStep, der in Gent seinen Sitz hat, über das Double.
Fahrbahn blockiert.
Vom Sturz rund 2,5 km vor dem Ziel waren rund 20 Fahrer betroffen,
die gesamte Fahrbahn war blockiert. Menschen, Räder lagen
übereinander, zum Glück ging alles ohne ärgere Blessuren ab. Der
britische T-Mobile-Sprinter Mark Cavendish hielt sich die schmerzende
Schulter, der Kärntner Peter Wrolich schlug sich das rechte Knie an
und erlitt Abschürfungen. Für die folgende längste Etappe der Tour am
Dienstag von Waregem nach Compiegne (236 km) sollte der
Gerolsteiner-Profi aber wieder halbwegs fit sein.
Sturz hatte Auswirkungen auf Eisel.
Der Sturz von Cavendish, der auch schon am Sonntag auf englischem
Boden seine Chancen nach einem Missgeschick vorzeitig begraben
musste, hatte auch Auswirkungen auf Eisel. "Wir hatten eine perfekte
Position, machten zu dritt für Mark Tempo, als dieser plötzlich nicht
mehr bei uns war", schilderte Eisel. Einfach umzustellen und selbst
einen Spitzenplatz herauszuholen, war unmöglich. "Ich habe noch
probiert, eine gute Position zu bekommen, aber ich bin vorher schon
drei- oder viermal für Mark angefahren, das habe ich gespürt", sagte
der 26-jährige Steirer, der am Vortag Elfter gewesen war.
Steegman überraschender Sieger.
Auch Eisel hatte eher auf Ex-Weltmeister Boonen gesetzt, der heuer
noch keinen wichtigen Sieg gefeiert hat und für Gent extra motiviert
war. "Tom war wohl selbst überrascht, wie stark Steegmans gefahren
ist", meinte der österreichische T-Mobile-Profi. Der 1,90-m-Hüne
Steegmans, der im Vorjahr noch für McEwen die Sprints angezogen
hatte, wurde für 2007 als Helfer von Boonen verpflichtet, obwohl er
mit seiner Explosivität in anderen Rennställen selbst die Nummer eins
wäre. Vier Siege bei kleineren Rundfahrten hat er heuer schon
gefeiert, in Gent zeigte der 82-kg-Athlet aus Hasselt erstmals bei
der Tour seine Spitzenklasse.
Explosion von Emotionen.
"Es war eine Explosion von Emotionen", sagte Steegmans nach seinem
Erfolg. "Ich weiß nicht, ob mich Tom Boonen gewinnen ließ, aber falls
ja, dann war es das schönste Geschenk, das ich je bekommen habe. Es
war der schönste Sieg am schönstmöglichen Platz."
Features
Ergebnisse
1. Gert Steegmans (BEL) Quick
Step 3:48:22 Stunden
2.
Tom Boonen (BEL) Quick Step gleiche Zeit
3. Filippo Pozzato (ITA) Liquigas
12. Bernhard Eisel (AUT)
T-Mobile
84. Bernhard
Kohl (AUT) Gerolsteiner
173. Peter Wrolich (AUT) Gerolsteiner
Fotoserien
Fakten
Tour-Direktor Christian Prudhomme setzte durch, dass die Tour in der ersten Woche nicht mehr aus- schließlich mit Flachetappen eröffnet wird. Schon auf der 5. Etappe ist kaum ein Meter flach, bereits im Verlauf des 7. Abschnitts erreicht das Peloton die Alpen, und tags darauf steht in Tignes die erste Bergankunft auf dem Programm.
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Fakten
Bei der Tour de France sind 549 Doping-Kontrollen geplant. Nach jeder Etappen-ankunft müssen sich der Träger des Gelben Trikots, der Etappensieger und sechs weitere, ausgeloste Fahrer den obligatorischen Urinkontrollen unterziehen. Daraus ergeben sich bis zum Ende der Frankreich-Rundfahrt 160 Tests.











