Kein Doping - Drei Sünder
Entwarnung aus dem Epizentrum des angekündigten, größten Doping-Erdbebens aller Radsport- Zeiten. Die 17 Nachtests zur Tour de France 2008 waren negativ.

Foto © APA
Bernhard Kohl hat im heurigen Juli in Wien Besuch von drei Ermittlern der berüchtigten französischen Anti-Dopingagentur (AFDL) bekommen. Dabei sollen sie Kohl auch eine Liste unter die Nase gehalten haben. Mit etwa 40 mit Kreuzen markierten Namen. 40 Radprofis der Startliste der Tour de France 2008. Alle 40 unter dringendstem Dopingverdacht.
Vielleicht hatte sich Bernhard Kohl aber auch verzählt. Jahrelanger Dopingmissbrauch könnte seine Spuren hinterlassen haben. Zuletzt war nämlich nur noch davon die Rede, dass die bei der letztjährigen Tour abgegebenen Proben der Top 20 der Ergebnisliste nochmals, vornehmlich auf das EPO-Derivat "Cera" nachgetestet werden.
Kein Doping
Von einem Doping-Nachbeben ungeahnten Ausmaßes wollten französische Zeitungen wissen. Vom größten Doping-Erdbeben aller Radsport-Zeiten war die Rede. Vom Lügengebäude, unmittelbar vor dem Einsturz. Bis Pierre Bordry, Chef der AFDL, für gestern Vormittag in Paris zur Bekanntgabe der Befunde angesprochener Nachtests gerufen hatte. Auf einmal war "nur" noch von 17 neuerlich untersuchten Dopingproben die Rede. Und am Ende musste Monsieur Bordry eingestehen, dass die Untersuchungen keinerlei Befunde ergeben hatten. "Die 17 Nachkontrollen waren negativ", berichtete Bordry.
Drei Sünder
Somit bleiben der tief gefallene "Bergkönig" Bernhard Kohl, sein deutscher Teamkollege und Etappensieger Stefan Schumacher, sowie der Italiener Leonardo Piepoli, der bereits während der Tour erwischt worden war, auch weiterhin jene drei Radprofis, aus deren Organismen das zu Beginn der Tour 2008 noch nicht nachweisbar gewesene Blutdopingmittel "Cera" herausgefiltert werden konnte.
Welchen Namen die 17 Nachkontrollen zuzuordnen sind, das wollte Pierre Bordry gestern nicht mehr verraten. Sogar vom damaligen Tour-Sieger Carlos Sastre war zuerst die Rede, auch vom Luxemburger Frank Schleck und von Weltmeister Fabian Cancellara.
Bei der diesjährigen Tour de France hat es erstmals seit ewigen Zeiten keinen einzigen positiven Dopingfall gegeben. Allerdings hatte die Doping-Hoheit der Rad-Weltverband UCI an sich gerissen. Und die wurde von Pierre Bordry und der AFDL gestern abermals heftig kritisiert. Denn vor allem beim Astana-Rennstall rund um Tour-Sieger Alberto Contador und Superstar Lance Armstrong soll es Unregelmäßigkeiten bei den Dopingkontrollen gegeben haben. Die UCI wies alle Vorwürfe zurück und will sich nun für nächstes Jahr sogar statt der AFDL einen unabhängigen Partner für die Dopingtests bei der Tour de France engagieren.












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